Johann Ackermann ist ein Mann der Extreme, und das körperlich, mental und menschlich. Als 16-facher Ironman-Finisher, Schwimmcoach und Speaker lebt er für die Herausforderung: 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und ein Marathonlauf am Stück, was für ihn eine der härtesten Ausdauerleistungen überhaupt darstellt.
Was nach außen wie Sport pur wirkt, ist für Ackermann ein ganzheitlicher Lebensweg, geprägt von Disziplin, Tiefgang und dem ständigen Streben nach Weiterentwicklung. Seit Jahren trainiert der Deutsche auf Mallorca, wo er inzwischen seit Juli 2024 lebt. Die Baleareninsel ist für den 41-Jährigen nicht nur Trainingsort, sondern Heimat geworden. "Mallorca bietet perfekte Bedingungen", sagt er. Selbst im Winter schwimmt er im offenen Meer, für viele unvorstellbar, für ihn Alltag.
Die Bedingungen im Freiwasser sind für ihn Teil einer Schule des Lebens: "Es geht nicht nur um Technik, sondern um mentale Stärke. Man lernt, mit Unsicherheit und Unbehagen umzugehen." Nicht nur als Athlet, sondern auch als Trainer ist Ackermann gefragt. In Deutschland bietet er Workshops und Vorträge zu Themen wie Resilienz und Zielsetzung an. Als Coach begleitet er Sportler in Trainingslagern, die er regelmäßig auf Mallorca und in Deutschland veranstaltet. Seine Philosophie: Sport ist mehr als körperliche Leistung, er ist Persönlichkeitsentwicklung. Die Camps kosten rund 1500 Euro pro Woche, doch dafür gibt es intensive Betreuung, professionelle Strukturen und die Chance, über sich selbst hinauszuwachsen.
Johanns Weg war nicht immer gerade
Der Weg dahin war nicht immer gerade. Auch Rückschläge gehören zu seinem Leben, etwa der Abbruch eines Ironmans in Mexiko 2019 wegen eines Hitzschlags. Und zudem auch private Brüche: Gemeinsam mit TV-Moderatorin Jana Azizi zog er 2024 nach Palma. Ein Jahr später folgte die Trennung. "Unsere Leben haben sich in unterschiedliche Richtungen entwickelt", sagt er ruhig. Für ihn sei nun wichtig, sich auf sein Leben als Sportler zu konzentrieren. "Ich will keine Partys, keine Selbstdarstellung: Nur Klarheit und Ruhe."
Ein Thema, das im Nachgang besondere Aufmerksamkeit bekam, sind die gemeinsamen Bengalen-Katzen des Paares. Trotz Allergie lebte Johann mit ihnen, und zwar aus Liebe. "Katzen kann man nicht teilen", sagt er trocken. Ein Satz, der mehr über das Ende der Beziehung erzählt als viele Worte.Trotz allem bleibt Ackermann seiner Linie treu: Er steht für Werte, Echtheit und für die Idee, dass Sport Charakter formt. Sein Ziel ist es, Mallorca nicht nur als Trainingsort, sondern als ganzheitlichen Lebensraum für Athleten weiterzuentwickeln.
Ich will die Insel als Sportstandort stärken
"Ich will die Insel als Sportstandort stärken", betont er. Das versucht er auch, indem er eine Community für deutsche Ausdauersportler aufbaut. Einen Laufclub hat er bereits ins Leben gerufen, auch wenn er diesen wegen seiner vielen Reisen zwischenzeitlich ruhen ließ. Künftig soll er wiederbelebt werden. Auch die technische Seite des Sports treibt ihn an.
Die Entwicklung der Ausrüstung, wie etwa vom aerodynamischen Rad bis zum modernen Carboloading, habe den Ironman deutlich verändert. Heute gebe es spezialisierte Energieprodukte, wie isotonisches Energy-Gels, die die Leistung über Stunden stabil halten. "Das Rennen beginnt in der letzten Stunde auf dem Asphalt. Wer dort nicht richtig versorgt ist, wird den Marathon nicht bestehen", so Ackermann. Er weiß, wovon er spricht. Mallorca ist für ihn inzwischen mehr als Kulisse. Die deutsche Ausdauersport-Community auf der Insel wächst, auch durch das gestiegene Gesundheitsbewusstsein. Cafés, Sportshops, Kontakte. Es ist eben alles da, was man für ein aktives Leben braucht. Viele Deutsche leben dauerhaft hier, vernetzt, fokussiert, engagiert. Johann fühlt sich unter ihnen zuhause.
Tapas statt Sterneküche, Natur statt Nightlife
Privat liebt Johann Ackermann das Einfache: Tapas statt Sterne-Restaurant, Natur statt Nightlife. Früher war mehr Party, heute zählt für ihn nur noch das Wesentliche. Verletzungen, Trennungen, Rückschläge. Alles Erfahrungen, die ihn nicht gebrochen, sondern geformt haben. Sein Motto besteht darin, Grenzen testen, aber dabei sich selbst treu zu bleiben. Während andere bei einer Scheidung neue Schlagzeilen suchen, zieht Ackermann sich bewusst zurück.
Er will nicht auffallen, sondern wirken. Seine Stimme ist gefragt, nicht nur im Schwimmbecken, sondern auch auf der Bühne. Er motiviert, inspiriert, bewegt, und zwar mit klarer Haltung und echtem Tiefgang. Der Spitzensportler hat viel gesehen, viel erlebt, und doch steht er noch immer am Anfang eines neuen Kapitels. Was jetzt zählt? Ruhe, Fokus und die unbändige Lust, immer weiterzumachen.