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Fest verankert im Inselgedächtnis: Die Ermordung der deutschen High-Society-Adeligen Gisela Freifrau von Stein auf Mallorca

Vor 13 Jahren verschwand die deutsche Residentin spurlos – ein brutales Verbrechen, wie sich später herausstellte. MM erinnert an einen der spektakulärsten Kriminalfälle der Insel

Gisela von Stein verschwand im August 2012. Ihr Lebensgefährte hatte sie umgebracht und im Garten verscharrt | Foto: A. Sepulveda

| Canyamel, Mallorca | |

Das Verschwinden von Gisela von Stein auf Mallorca vor 13 Jahren erschütterte nicht nur den deutschen Adel. Auch international erregte der Fall Aufsehen und wirft bis heute einen Schatten auf das sonst sonnige Bild der Insel. Am 7. August 2012 veröffentlichte ihre Tochter Michaela – die von Anfang an ein Verbrechen vermutete – aus Kanada über Facebook eine Vermisstenmeldung. Es war ihr letzter verzweifelter Versuch, eine Suche nach der damals in High-Society-Kreisen bekannten 66-Jährigen in Gang zu bringen.

Von Stein sei in Erholungsurlaub ohne Handy

Zuvor hatte sie bei den Behörden Anzeige erstatten wollen, doch man schenkte ihr wenig Glauben. Denn Axel H., der Lebensgefährte der Freifrau, erklärte, von Stein habe das Anwesen in Canyamel auf eigene Faust verlassen, um sich in Nizza zu erholen. Ein Handy habe sie nicht mitgenommen – Erholung sei nur ohne Störungen möglich, so seine Begründung.

Gisela von Stein verschwand im August 2012. Ihr Lebensgefährte hatte sie umgebracht und im Garten verscharrt.

Erst nach Wochen nahm die Polizei die Ermittlungen auf

Es dauerte Wochen, bis die Polizei dann doch misstrauisch wurde und Ermittlungen einleitete. Zu diesem Zeitpunkt aber lag Gisela von Stein bereits im Garten des Grundstücks vergraben. Wie später herauskam, hatte Axel H. sie im gemeinsamen Bett getötet. Einige Tage nach der Tat verkaufte er ihren Schmuck, verließ die Insel und reiste nach Singapur. Im Oktober desselben Jahres kehrte er freiwillig zurück, in der Hoffnung, sein Verbrechen verbergen zu können.

Der Mörder versteckte sich in Höhlen und wurde mit Hubschrauber gesucht

Als sich die Hinweise gegen ihn aber verdichteten und seine Aussagen zunehmend widersprüchlicher wurden, flüchtete er schließlich in die Küstenlandschaft und versteckte sich in Höhlen, bis Polizei und Feuerwehr mit Spürhunden und Hubschraubern die Suche aufnahmen und ihn aufspürten.

Von Stein (l.) lebte mit dem späteren Täter in Canyamel. Auf der Flucht versteckte er sich in den Höhlen entlang der Küste.

Nach der Festnahme schwieg H. zunächst, später führte er die Ermittler aber zu der Stelle im Garten, an der sich die Leiche befand. Selbst zu diesem Zeitpunkt war H. nicht geständig und behauptete, von Stein tot im Bett aufgefunden zu haben. Aus Panik, der Verdacht könne auf ihn fallen, habe er sie kurzerhand vergraben.

Axel H. zetrümmerte den Schädel seiner Geliebten vollständig

Die Obduktion ergab jedoch schwere Schädelverletzungen. Mit einem stumpfen Gegenstand hatte H. den Kopf des Opfers vollständig zertrümmert. Blutspuren an der Wand, die mit Farbe übermalt worden waren, belegten die Gewalteinwirkung. Die Fahndung und der Fund der Leiche sorgten international für Schlagzeilen. Reporter und Fernsehteams reisten nach Mallorca.

Nur die Journalistin Alexandra Pilz erhielt damals die Erlaubnis, mit der Familie des Opfers zu sprechen und exklusiv zu berichten. Über das Motiv wurde viel spekuliert. Es gab Hinweise auf eine Affäre, ebenso auf finanzielle Schwierigkeiten Axel H.s.

Zehn Jahre Haft nach Anklage auf Totschlag

Im März 2015 begann der Prozess. Die Anklage lautete zunächst auf Mord aus Habgier, wurde jedoch später auf Totschlag reduziert. Axel H. gestand die Tat und wurde zu zehn Jahren Haft verurteilt. Trotz des juristischen Abschlusses bleibt der Fall vielen in Erinnerung – als Sinnbild für ein brutales Verbrechen und Ermittlungen, die in den Augen vieler viel zu lange gedauert haben.

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