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Mit Edeljuwelier und Modeboutique: Das Haus an Palmas Prachtmeile, das Augen aufleuchten lässt

Gaspar Bennazar war der größte Architekt der Stadt und gestaltete auch Can Ribas am Paseo Borne. Im Dezember feierte der Bau 100 Jahre

Can Ribas trägt die Hausnummer 16 am Paseo Borne in Palma | Foto: Alexander Sepasgosarian

| Palma, Mallorca |

Jetzt, wo die Baumkronen der Platanen auf Palma de Mallorcas Flaniermeile Nummer eins nahezu kahl sind, lassen sich die Prachtbauten zu beiden Seiten des Borne unverdeckt in Augenschein nehmen. Eines der Patrizierhäuser auf der Ostseite lässt ohnehin Frauenaugen gerne aufleuchten, wenn sie der Front des Baus ansichtig werden. Denn dort ist seit ein paar Jahren der Edeljuwelier Bulgari beheimatet, gleich neben der Modeboutique Marc Cain, die sich ebenfalls unter dem Dach des Hauses mit der Nummer 16 befindet. Doch wenn der Betrachter den Blick an der Fassade weiter aufwärts wandern lässt, wird er spätestens knapp unter dem Himmel die Jahreszahl erspähen, als das gediegene Anwesen fertiggestellt wurde. 1925. Ein Jahrhundert ist das nun her, und offenbar hat in ganz Palma so gut wie niemand Notiz von dem Jubiläum genommen.

Der Name des Architekten ist indes an dem Gebäude auf einer Steintafel zu lesen – Gaspar Bennazar (1869-1933). Er war jahrzehntelang der offizielle Architekt der Stadtverwaltung von Palma, und ein kreativer Geist, dem die Kommune viele aufsehenerregende Entwürfe und Realisierungen zu verdanken hat. Ja, wenn sie es dem großen Sohn der Stadt denn danken würde! 


Stolzer Urheber: "Gaspar Bennazar, Arquitecto" ist auf der Tafel an dem Gebäude zu lesen.

Eine offizielle Würdigung in Form einer Retrospektive oder einer wissenschaftlichen Studie hat es bisher nicht gegeben. Nur ein Lehrer hat einmal mit seinen Schülern eine kleine Broschüre erstellt. Und hätte die Architekten-Enkelin Maribel Bennazar Casanovas nicht in Eigenregie einen dicken Schmöker über den illustren Großvater verfasst, dann wäre kaum noch eine Erinnerung an den Mann zu finden. Vermutlich wäre das der Stadtverwaltung nicht einmal unrecht. Denn immer wieder einmal wurden seine Bauwerke abgerissen oder verstümmelt. Immerhin hatte die 2005 bei Nacht und Nebel abgerissene Jugendstilbrücke beim Bahnhof nach Protesten wieder aufgebaut werden müssen. Doch wahrer Denkmalschutz ließe erst gar keine Bulldozer anrücken.

Doppelter Geburtstag

Bennazar war nicht nur ein Baukünstler im Prächtigen, sondern auch im Praktischen. Das sieht man an dem Wasserspender, den er ebenfalls 1925, einen Schritt vom Borne entfernt, installierte. Der "Brunnen des Architekten" ist defekt und von der Stadtverwaltung – die sich gerne als Kulturhauptstadt bewerben möchte – verwahrlost. Immerhin erinnert seit 2011 eine Keramiktafel an die modernisierte Trinkwasserversorgung, die Bennazar vor nunmehr 100 Jahren den Anwohnern zukommen ließ.

Zurück zu Can Ribas, dem Bulgari-Haus mit der Nummer 16 am Borne: Es war einst so prominent, dass an seiner Marmortafel von 1940 der Namenszug der Allee, "Paseo del Generalísimo", prangte. Die Widmung an den Militärdiktator Franco ist nach einer Grundreinigung heute nicht mehr zu entziffern ...

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