Die aktuelle Grippewelle auf Mallorca sorgt für spürbaren Druck auf die Krankenhäuser der Insel. Als Reaktion auf die steigende Zahl von Patienten mit Grippe und anderen Atemwegserkrankungen aktiviert die balearische Gesundheitsbehörde in dieser Woche insgesamt 72 zusätzliche Betten in den beiden großen öffentlichen Krankenhäusern Son Espases und Son Llàtzer in Palma. Ziel ist es, die überlasteten Notaufnahmen zu entlasten und die medizinische Versorgung auch in der Hochphase des Winters sicherzustellen.
Notfallplan greift in Palma
Das Universitätskrankenhaus Son Espases hat bereits 24 zusätzliche Betten in Betrieb genommen, darunter acht im Überwachungsbereich nach Operationen (UCI) und 16 in anderen Stationen. Ab dem 12. Januar sollen zudem weitere 34 Betten in anderen Klinikbereichen hinzukommen. Insgesamt plant Son Espases, im Rahmen des sogenannten Winter- oder Notfallplans in dieser Woche 58 Zusatzbetten bereitzustellen. Begleitet wird dies durch die Einstellung von rund 50 zusätzlichen Fachkräften, darunter Pflegepersonal, Pflegehelfer, Krankentransportdienste sowie – je nach Entwicklung der Lage – bis zu drei weitere Ärzte.
Um Betten freizuhalten, setzt Son Espases zudem nicht dringende Operationen vorübergehend aus. Diese Maßnahme soll die Wartezeiten für Patienten verkürzen, die auf eine stationäre Aufnahme aus den Notaufnahmen angewiesen sind – ein Vorgehen, das in den Wintermonaten auf den Balearen regelmäßig angewendet wird.
Son Llàtzer stockt Intensivkapazitäten auf
Auch das Krankenhaus Son Llàtzer hat seine Kapazitäten erweitert. Dort wurden insgesamt 14 zusätzliche Betten aktiviert, zwölf davon in der Tagesklinik und zwei auf der Intensivstation. Parallel stellt das Krankenhaus 22 weitere Fachkräfte ein, vor allem im Pflegebereich. Inselweit sieht der Winterplan der Gesundheitsbehörde vor, bei Bedarf bis zu 215 Betten zu aktivieren, um auf saisonale Spitzen bei Atemwegserkrankungen reagieren zu können.
Koordination gegen den Winteransturm
Die Notfallpläne umfassen jedoch weit mehr als zusätzliche Betten. Vorgesehen sind unter anderem eine schnellere Wiederverfügbarkeit freier Betten, die Verstärkung von Bereitschaftsdiensten an Feiertagen, zusätzliche Kapazitäten in der Diagnostik sowie eine engere Abstimmung zwischen Krankenhäusern, Gesundheitszentren, Primärversorgung und dem Rettungsdienst SAMU 061. In besonders angespannten Situationen können Patienten koordiniert von einem Krankenhaus in ein anderes verlegt werden, um Engpässe zu vermeiden.
Epidemiologisch zeigt sich bei der klassischen Grippe zwar ein leichter Rückgang. In der ersten Kalenderwoche 2026 lag die Inzidenz bei 70,3 Fällen pro 100.000 Einwohner, nach 81,1 Fällen in der letzten Woche des Jahres 2025. Die Behörden führen diesen Rückgang unter anderem auf geringere Arztbesuche und weniger Tests während der Feiertage zurück. Die Balearen befinden sich damit weiterhin in einer epidemischen Phase niedriger Intensität.
Gleichzeitig verzeichnen die Gesundheitsdienste jedoch einen deutlichen Anstieg anderer akuter Atemwegserkrankungen, insbesondere bei Menschen über 60 Jahren. Viele Betroffene leiden an Vorerkrankungen, die sich durch Infektionen verschlechtern und Krankenhausaufenthalte notwendig machen. In dieser Altersgruppe lag die Inzidenz zuletzt bei 609,4 Fällen pro 100.000 Einwohner – deutlich über dem Durchschnitt der Gesamtbevölkerung. Für Mallorca bedeutet das: Trotz leicht sinkender Grippewerte bleibt die Lage in den Kliniken angespannt.