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Nach Ibiza und Formentera: Auch Menorcas Müll soll demnächst auf Mallorca entsorgt werden

Der einjährige Testlauf mit den beiden südlichen Nachbarinseln soll demnächst starten und drei Lkw voller Abfälle pro Tag umfassen. Für das Portemonnaie mallorquinischer Haushalte hat das positive Folgen.

Der Politik zufolge hat die Müllverbrennungsanlage Son Reus auf Mallorca genügend Kapazitäten, auch die Hinterlassenschaften der Nachbarinseln zu verfeuern | Foto: M.À. Cañellas

| | Palma, Mallorca |

Mallorca befindet sich auf bestem Weg zu einem regionalen Müll-Hub. Noch vor Beginn des Sommers soll die Müllverbrennungsanlage Son Reus bei Palma erstmals Abfälle aus Ibiza und Formentera annehmen und verbrennen. Das kündigte der für Umweltfragen zuständige Inselratsdezernent Pedro Bestard an. Damit wird ein Projekt konkret, dessen Start ursprünglich bereits für den vergangenen Herbst vorgesehen war und sich mehrfach verzögert hatte. Nun sei zumindest der Beginn eines Pilotversuchs in diesem Jahr gesichert, so Bestard gegenüber der MM-Schwesterzeitung "Ultima Hora".

Auslöser für das Vorhaben ist die angespannte Entsorgungslage auf den beiden südlichen Baleareninseln. Auf Ibiza und Formentera stößt die einzige Deponie Ca na Putxa an ihre Kapazitätsgrenzen. Ähnlich verhält es sich auf Menorca, wo die Deponie Es Milà ebenfalls aus allen Nähten platzt. Die Verlagerung von Abfällen nach Mallorca gilt als Übergangslösung, um kurzfristig Umweltprobleme zu vermeiden.

Im ersten Jahr des Pilotprojekts sollen rund 30.000 Tonnen Müll von den sogenannten Pityusen (Ibiza und Formentera im Doppelpack) nach Son Reus transportiert werden. Das entspreche rechnerisch etwa drei Lastwagen pro Tag und falle angesichts der bestehenden Kapazitäten der Anlage "kaum ins Gewicht", betonen die Inselbehörden. Die Abfälle sollen in versiegelten Containern per Schiff nach Palma gebracht und frühmorgens weitertransportiert werden.

Bewährt sich der Testlauf, könnte das Projekt ausgeweitet werden. Perspektivisch ist im Gespräch, die gesamten jährlich anfallenden 80.000 Tonnen Müll aus Ibiza und Formentera nach Mallorca zu verlagern. Auch Überlegungen, künftig Abfälle aus Menorca einzubeziehen, stehen im Raum. Bestard erklärte, hierfür gebe es eine rechtliche Grundlage, entscheidend sei letztlich jedoch der politische Wille. Die Anlage Son Reus verfüge über "ausreichende Kapazitäten".

Politisch und finanziell ist das Vorhaben Teil eines größeren Pakets. Bereits im vergangenen Herbst hatten sich Landesregierung und Inselräte auf das Pilotprojekt verständigt. Zugleich sagte die Landesregierung dem Inselrat von Mallorca Ausgleichszahlungen in Höhe von insgesamt 50 Millionen Euro über mehrere Jahre zu. Mit diesen Mitteln soll die Müllgebühr für die Gemeinden auf Mallorca um zehn Prozent gesenkt werden. Auch Ibiza beteiligt sich künftig an den Entsorgungskosten.

Die Gebührensenkung war ein zentrales Wahlversprechen von der regierenden Volkspartei PP und dessen losem Partner Vox. Nach Angaben der Regierung wären niedrige Gebühren ohne zusätzliche Müllmengen nicht umsetzbar gewesen, da eine höhere Auslastung der Anlage auch die Energieproduktion steigert. Ob Mallorca dauerhaft zur zentralen Drehscheibe der balearischen Abfallentsorgung wird, hängt nun vom Ergebnis des Pilotprojekts ab.

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