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Erneuerbare Energien

Es hat sich ausgedreht: Die Balearen bauen ihren einzigen Windpark ab

Zwei Jahre nach der Stilllegung verschwinden die Windräder von Menorca. Der Rückbau markiert das Ende eines pannenreichen und defizitären Projekts

Am Montag (12.1.) begann die Demontage der verbliebenen drei Windräder auf Menorca. Kosten: ca. 600.000 Euro | Foto: Javier Gilabert

| Menorca |

Zwei Jahre nach seiner Stilllegung beginnt auf Menorca der Abbau des einzigen Windparks der Balearen. Auf dem Hügel von Milà im Südwesten der Nachbarinseln von Mallorca sind seit Montag (12.1.) zwei Großkräne mit Traglasten von 400 und 100 Tonnen im Einsatz, um die drei verbliebenen Windkraftanlagen zu demontieren. Die Arbeiten verzögerten sich mehrfach – nun geht es voran, allerdings abhängig vom Wetter. Bei Windgeschwindigkeiten über 18 Kilometern pro Stunde müssen die Arbeiten aus Sicherheitsgründen unterbrochen werden.

Nach Schätzung des Inselrats könnten die Windräder bei günstigen Bedingungen innerhalb von rund fünf Tagen vollständig aus der Landschaft verschwunden sein. Der Rückbau wird von mehreren Spezialfirmen durchgeführt und kostet rund 600.000 Euro. Bereits demontiert sind Rotor und Flügel einer Anlage – Bilder davon verbreiteten sich schnell und gelten vielen als sichtbares Symbol für das Ende eines energiepolitischen Debakels auf den Balearen.

Defizit trotz Vorzeigeprojekt

Der Windpark von Milà nahm im Februar 2004 seinen Betrieb auf und galt lange als Vorzeigeprojekt für erneuerbare Energien auf Menorca. Zwar trug die Anlage dazu bei, die Abhängigkeit vom konventionellen Kraftwerk in Mahón zu verringern, wirtschaftlich blieb sie jedoch hinter den Erwartungen zurück. In 19 Betriebsjahren häufte der öffentlich betriebene Park ein Defizit von fast 400.000 Euro an.

Hinzu kamen zuletzt immer häufiger technische Ausfälle. Strenge Vorgaben für öffentliche Auftragsvergaben erschwerten Reparaturen und verlängerten Stillstandszeiten. Jede der drei Anlagen wiegt rund 86 Tonnen – ihre Demontage ist technisch aufwendig, aber auch ein sichtbares Eingeständnis, dass das Modell so nicht funktioniert hat.

Neustart nur mit privatem Betreiber?

Die Entsorgung der Windräder wird sich über etwa einen Monat erstrecken. Die zerlegten Bauteile werden auf das spanische Festland transportiert und dort von zugelassenen Fachbetrieben behandelt. Bereits 2022 war ein Windrad aus Sicherheitsgründen notfallmäßig abgebaut worden.

Menorcas Inselratspräsident Adolfo Vilafranca begleitete den Start der Arbeiten und kündigte zugleich den nächsten Schritt an: In dem Gebiet sollen Windmessmasten in verschiedenen Höhen installiert werden, um neue Daten zu sammeln. Diese sollen Grundlage für eine Entscheidung über einen möglichen neuen Windpark sein. Klar ist für Vilafranca jedoch schon jetzt: Sollte es dazu kommen, soll der Betrieb nicht mehr öffentlich erfolgen. Stattdessen soll ein privates Unternehmen über eine Ausschreibung Verantwortung übernehmen – um finanzielle Verluste und lange Ausfälle wie zuletzt in Milà zu vermeiden.

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