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BALEARISCHES BERMUDA-DREIECK

30 Zentimeter pro Sekunde: Der verborgene Wirbel im Meer vor Mallorca

Neue Technologie erlaubt es Wissenschaftlern erstmals, mittels Satellitenbildern die Strömungsdynamik zu vermessen. Diese Wirbeln geben unter anderem Aufschlüsse über das regionale Klima.

Meereswirbel im Meer vor Mallorca | Foto: NASA

| Palma, Mallorca |

Ein Forschungsteam des Institut Mediterrani d’Estudis Avançats (Imedea) hat nordwestlich von Mallorca einen bislang schwer erfassbaren Meereswirbel detailliert vermessen. Die Studie zeigt, dass der neue Erdbeobachtungssatellit Surface Water and Ocean Topography (SWOT) in der Lage ist, selbst kaum wahrnehmbare Strukturen im Ozean präzise zu erkennen.

Untersucht wurde der sogenannte antizyklonische Wirbel in einem Bereich, der für die Strömungsdynamik westlich der Balearen eine Schlüsselfunktion einnehme, so die MM-Schwesterzeitung "Ultima Hora". Solche Wirbel spielen eine wichtige Rolle für den Austausch von Wärme, Wasser und Nährstoffen, waren bislang jedoch nur unzureichend zu erfassen. Nach Angaben der Forschenden erlaubte SWOT erstmals, diese Strukturen "mit einer bislang unerreichten Genauigkeit“ zu beobachten.

Die Messungen fanden während der Einführungsphase der SWOT-Mission statt, die im Dezember 2022 gestartet worden war. In dieser frühen Betriebsphase kombinierten die Wissenschaftler Satellitendaten mit direkten Messungen im Meer. Zum Einsatz kamen unter anderem autonome Unterwassergleiter, treibende Bojen und spezielle Strömungssensoren.

Dabei bestätigte sich die Existenz eines Wirbels mit einem Radius von rund 25 Kilometern, der unterhalb der obersten Wasserschicht liegt. Im Inneren wurden Strömungsgeschwindigkeiten von bis zu 30 Zentimetern pro Sekunde in mehr als 150 Metern Tiefe gemessen. Das sei, so die Verfasser der Studie, ein "klarer Hinweis auf eine dynamische und intensive Struktur, die mit früheren Satellitensystemen kaum zuverlässig identifiziert werden konnte".

Besonders deutlich wird der Fortschritt im Vergleich zu bisherigen Erdbeobachtungssatelliten: Die Abweichungen bei der Messung des Meeresspiegels konnten um rund 24 Prozent verringert werden. Die Berechnung der Strömungsgeschwindigkeiten habe sich sogar um 30 bis 35 Prozent verbessert. Möglich wird dies durch eine räumliche Auflösung, die bis zu zehnmal höher ist als bei früheren Missionen.

Für das Mittelmeer ist dieser Gewinn an Genauigkeit besonders relevant. Anders als in den großen Ozeanen sind die dortigen Wirbel meist kleiner, treten aber häufig auf und beeinflussen das regionale Klima sowie die marinen Ökosysteme erheblich. Die neuen Daten dürften es ermöglichen, ihre Rolle im ozeanischen Kreislauf deutlich besser zu verstehen.

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