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Enttäuschung auf der Finca Galatzó: Mallorcas Vorzeige-Landgut teilweise gesperrt

Warum Besucher derzeit vor Bauzäunen stehen, Millionen investiert werden – und was Kühe, EU-Gelder und Hunde damit zu tun haben

Wegweiser, Warnhinweise und Verbote: Ein wahrer Schilderwald begrüßt Ausflügler in diesen Tagen am Eingang der Finca Galatzó | Foto: Jonas Martiny

| Calvià, Mallorca |

Das Galatzó-Landgut zwischen Es Capdellà und Galilea gehört zu den schönsten Ausflugszielen, die Mallorca zu bieten hat. Eigentlich. Wer sich in diesen Tagen auf den Weg dorthin macht, erlebt jedoch eine Enttäuschung. Zwar kann man wie immer die Spazier- und Wanderwege des Landguts nutzen und auch die Wanderherberge mit der angeschlossenen Bar ist geöffnet, eine der Hauptattraktionen aber ist verrammelt. Das Haupthaus, in dem normalerweise die alte Ölmühle, die Gesindeküche und der hübsche Innenhof zu besichtigen sind, wird derzeit saniert und renoviert. Die Arbeiten werden noch mehrere Monate dauern. Auch der kleine Garten direkt vor dem Haupthaus ist nicht zugänglich.

"Ja, es ist wirklich schade", räumt Juan Thomás ein, der für das Landgut zuständige Dezernent im Rathaus von Calvià. "Schön ist das nicht anzuschauen", fügt er mit Blick auf die Bauzäune hinzu, hinter denen das historische Anwesen kaum zu sehen ist. Die Gemeinde habe aber keine andere Möglichkeit gehabt, als die Arbeiten so bald wie möglich durchzuführen. Das Haus, dessen Geschichte bis ins Mittelalter zurückreicht, hatte sich bei einer genaueren Untersuchung als absolut baufällig erwiesen. Durch enorme Risse dringt bei Regen Feuchtigkeit in die Mauern ein.

Warum sich Calvià die Finca Galatzó trotzdem leistet

In zwei Bauphasen sollen nun nicht nur diese Schäden beseitigt, sondern auch die Energieeffizienz verbessert werden. Allein die erste Bauphase, die noch bis Juni oder Juli dieses Jahres dauert, kostet 5,7 Millionen Euro. Drei Millionen davon kommen von der EU, den Rest steuert die Gemeinde bei, der das Landgut gehört. Die Finanzierung der zweiten Bauphase dagegen steht noch nicht. Am Ende dürften sich die Kosten auf einen zweistelligen Millionenbetrag summieren – als die Gemeinde Calvià das Landgut im Jahr 2006 erwarb, kostete es elf Millionen Euro.

Wegweiser, Warnhinweise und Verbote: Ein wahrer Schilderwald begrüßt Ausflügler in diesen Tagen am Eingang der Finca Galatzó.

"Das war eine sehr gute Entscheidung damals", sagt Thomás. Schließlich handele es sich um eines der emblematischen Landgüter der Gemeinde im Südwesten Mallorcas. Die Finca Galatzó umfasst zehn Millionen Quadratmeter – rund zehn Prozent der Gesamtfläche Calviàs. Das Haupthaus derweil hat 3500 Quadratmeter Fläche. Das Ziel der nun stattfindenden Bauarbeiten sei einerseits der Erhalt des Gebäudes und andererseits, dessen Räume künftig besser nutzen zu können, unter anderem für Kurse, Tagungen, Ausstellungen und sonstige Veranstaltungen, sagt Thomás.

Hohe laufende Kosten – und eine Rückkehr zur Landwirtschaft

Eine enorme Bürde aber ist nicht nur der Erhalt des historischen Gemäuers. Zum Landgut gehören auch ausgedehnte Ländereien, Felder, Äcker, Wälder. Früher, als noch Köhler und Kalkmacher die Wälder nutzten, Bauern die Olivenhaine bewirtschafteten und die Felder bepflanzten, ließ sich mit dem Landgut Geld verdienen. Heute muss die Gemeinde zusehen, wie sie die jährlichen Ausgaben in Grenzen hält. Allein die laufenden Kosten summieren sich in diesem Jahr zu mehr als 350.000 Euro, rechnet Thomás vor.

Also hat man nun eine Vereinbarung mit der Bauernvereinigung Pagesos de la Terra getroffen, die die Bewirtschaftung eines Teils des Landguts vorsieht, genauer gesagt des Teils, der nicht künstlich bewässert wird. Die Mitglieder der Vereinigung kümmern sich also unter anderem um die Pflege von Oliven-, Johannisbrot- und Mandelbäumen. Außerdem wurden kürzlich sieben Kühe ausgesetzt, die nun frei auf dem Landgut umherlaufen. Die Tiere der einheimischen Rasse Vaca Mallorquina sollen zum einen die Wälder sauberhalten, indem sie die Vegetation dort reduzieren. Dies gilt insbesondere in bergigen Gegenden als effektive Brandschutzmaßnahme. "Gleichzeitig düngen sie auch den Boden", sagt Thomás. Da das Galatzó-Landgut nicht vollständig umzäunt ist, mussten die Kühe zuvor so trainiert werden, dass sie auf ein akkustisches Signal eines GPS-Senders reagieren, den sie bei sich tragen. "Sie wissen dann, dass sie umkehren sollen", sagt Thomás. Im Gegenzug können die Pagesos de la Terra die angebauten Produkte nutzen.

Traditionelles Wirtschaften trifft auf neue Herausforderungen

Die Bewirtschaftung des Bereichs des Landguts, der bewässert wird, obliegt bereits seit mehreren Jahren einer lokalen Behinderteneinrichtung. Diese baut dort unter anderem Orangen und aromatische Kräuter an, die dann zu verschiedenen Produkten weiterverarbeitet werden. "Die Idee ist, dass dieses Landgut so betrieben wird, wie es einst unsere Großväter taten", sagt Thomás. Am liebsten würde er eines Tages sogar die historische Figur des Amo wiederbeleben, eine Art Gutsverwalter, der vor Ort lebte und sich um alle Belange kümmerte. "Dann würden die Besucher sofort merken, dass das Landgut gepflegt ist."

Ein weiterhin ungelöstes Problem auf der Finca Galatzó ist, dass viele Ausflügler weiterhin ihre Hunde mitbringen, obwohl das seit Jahren verboten ist. Vor allem die auf dem Landgut lebenden Tiere geraten so in Gefahr, zumal viele Besucher ihre Hunde sogar von der Leine lassen. "Erst kürzlich hat ein Hund ein Schaf gebissen", sagt Thomás. "Dies ist einfach kein idealer Ort für Hunde – auch, wenn es so aussieht." Die Gemeinde werde wohl eine Verordnung erlassen müssen, um dann auch Geldbußen gegen Hundehalter verhängen zu können, die sich nicht an das Verbot halten.

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