Das schwere Zugunglück im andalusischen Adamuz mit 45 Toten wirkt bis auf Mallorca nach. Beim hiesigen Bahnunternehmen Serveis Ferroviaris de Mallorca (SFM) erwägen die Beschäftigten erstmals seit Jahren Arbeitskampfmaßnahmen. In einer Versammlung in Palma sprach sich eine Mehrheit der Belegschaft am Montag für die "Vorbereitung teilweiser Arbeitsniederlegungen" aus. Über konkrete Termine soll der Betriebsrat in den kommenden Tagen entscheiden. Aufgrund gesetzlicher Fristen könnten mögliche Streiks frühestens in der zweiten Februarwoche beginnen.
Die Arbeitnehmer verstehen ihre Initiative einerseits als Solidaritätsbekundung mit den Lokführern auf dem spanischen Festland, andererseits – und vor allem – als Warnung vor aus ihrer Sicht "ungelösten Sicherheitsproblemen" im mallorquinischen Bahnnetz. Im Mittelpunkt der Kritik stehen seit Monaten Probleme mit der Sicht in den Führerständen. Nach Angaben der Gewerkschaften sei die Sicht über die Außenkameras der Züge "unzureichend" – bei Regen, Nebel oder starkem Lichtwechsel teilweise nahezu unmöglich. Diese Mängel seien bereits im vergangenen Juni bei der Arbeitsinspektion angezeigt worden, berichtet die MM-Schwesterzeitung "Ultima Hora".
Zwar habe die Unternehmensleitung auf einzelne Beschwerden reagiert, etwa durch den Einbau zusätzlicher Spiegel an Bahnhöfen, doch seien diese Maßnahmen aus Sicht der Lokführer unzureichend. Zudem kritisieren sie "mangelnde Transparenz" bei den Geschwindigkeitsbegrenzungen neuer Triebwagen. Die Reduzierung der Höchstgeschwindigkeit auf mehreren Streckenabschnitten werfe "sicherheitsrelevante Fragen auf" und habe zugleich dazu geführt, dass interne Qualitätsstandards gelockert wurden. Dem Betriebsrat zufolge handelt es sich nicht um neue Probleme, sondern um Defizite, auf die "seit Jahren" hingewiesen werde. "Wenn Prävention keine Priorität hat, können die Folgen tödlich sein", heißt es aus Gewerkschaftskreisen.
Die balearische Landesregierung weist diese Vorwürfe zurück. Verkehrsminister José Luis Mateo (Volkspartei, PP) sagte am Montag, das Bahnnetz auf Mallorca sei sicher. Er verwies in diesem Zusammenhang auf "umfangreiche Investitionen in Wartung, Infrastruktur und das europäische Zugsicherungssystem ERTMS". Man sei gesprächsbereit, erwarte jedoch konkrete Forderungen. "Wenn ein Streik ausgerufen wird, muss es dafür klare Gründen geben", sagte Mateo. Die Situation bei der staatlichen Bahngesellschaft Renfe auf dem Festland sei nicht auf Mallorca übertragbar.
Bei den Beschäftigten stieß die Haltung Mateos auf Kritik. Der Betriebsrat wirft der Unternehmensführung vor, den "Dialog zu meiden und die Belegschaft öffentlich zu diskreditieren".