Bei einer groß angelegten Polizeiaktion in der ehemaligen Haftanstalt von Palma de Mallorca haben Einsatzkräfte am Mittwochmorgen mehr als 160 Menschen identifiziert und einen Mann festgenommen. Gegen den Festgenommenen habe ein Haftbefehl wegen eines Diebstahlsdelikts vorgelegen, teilten die Behörden gegenüber der MM-Schwesterzeitung "Ultima Hora" mit. Der Einsatz verlief nach offiziellen Angaben "ohne Zwischenfälle".
An der Razzia sollen demnach Dutzende Beamte der spanischen Nationalpolizei und der Ortspolizei beteiligt gewesen sein, darunter Spezialeinheiten sowie operative Einsatzgruppen. Ziel sei es gewesen, die Identität der Personen festzustellen, die sich regelmäßig in den seit Jahren besetzten Gebäuden aufhalten, sowie nach von der Justiz gesuchten Personen zu fahnden.
Auslöser des Einsatzes waren anhaltende Beschwerden aus der Nachbarschaft. Anwohner sowie Eltern und Lehrkräfte einer nahegelegenen Schule hatten zuletzt auf eine wachsende Zahl von Bränden und mutmaßlichen Diebstählen hingewiesen, die in den vergangenen Monaten im Umfeld des ehemaligen Gefängnisses verzeichnet worden seien. Nach Angaben der Polizei besteht der Verdacht, dass ein "Teil der Straftaten von Bewohnern des Geländes begangen" worden sei.
Die Beamten betraten das Areal gegen acht Uhr morgens und forderten die dort lebenden Menschen auf, die Gebäude schrittweise zu verlassen, um kontrolliert zu werden. Schätzungen zufolge halten sich in der ehemaligen Haftanstalt rund 500 wohnungslose Menschen auf. Diese Zahl sei jedoch starken Schwankungen unterworfen, weil sich viele der Bewohner nur zeitweise dort aufhielten.
Unter den Bewohnern sind dem Blatt zufolge "Menschen mit sehr unterschiedlichen Lebensgeschichten". Einige lebten dort aus Mangel an bezahlbarem Wohnraum, andere seien erst seit kurzer Zeit auf der Insel. Die Lebensbedingungen gelten als prekär. Viele der Gebäude sind baufällig, eine reguläre Versorgung mit Wasser und Strom existiert nicht.
Während der Polizeiaktion war auch das Rote Kreuz mit Helfern vor Ort. Die Hilfsorganisation gab Lebensmittel und Decken aus und wies auf die "hygienisch problematischen Zustände" hin, unter denen viele der Bewohner lebten.
Den Behörden zufolge handelte es sich um eine Aktion, die der "Wiederherstellung von Sicherheit und Ordnung" diene. Über eine dauerhafte Lösung für das besetzte Gelände und die dort lebenden Menschen wird auf Mallorca seit Jahren diskutiert. Konkrete Schritte zur Räumung oder zur Unterbringung der Bewohner wurden im Rahmen des Einsatzes jedoch nicht bekannt.