Die Luft im von Urlaubern überrannten Küstenort Sóller soll sauberer werden. Als erste Kommune außerhalb der Inselhauptstadt Palma de Mallorca richtet die Gemeinde im Herzen des Orangentals eine flächendeckende Umweltzone im gesamten historischen Ortskern ein. Nach Angaben des Mobilitätsgemeinderats Pep Porcel soll das System am 27. Februar um 23 Uhr in Kraft treten. Begleitet wird die Einführung von einer umfassenden Neuordnung des Verkehrs, bei der mehrere zentrale Ein- und Ausfallstraßen ihre Fahrtrichtung wechseln.
Porcel erklärte bei der Vorstellung des Projekts, vorrangiges Ziel sei es gewesen, der "Sättigung mit Autos" im Zentrum ein Ende zu bereiten. Die Einführung einer sogenannten Zona de Bajas Emisiones (ZBE) sei zu diesem Zweck "die geeignetste Formel" gewesen, zitiert die MM-Schwesterzeitung "Ultima Hora" den Gemeinderat. Zwar sei Sóller rechtlich nicht verpflichtet, eine solche Umweltzone einzurichten. "Faktisch können im Zentrum künftig mit dieser Maßnahme nur noch Anwohnerfahrzeuge und autorisierte Fahrzeuge verkehren." Innerhalb der Zone entstünden zudem rund 1000 Parkplätze in einer "grünen Zone" (zona verde), die ausschließlich Bewohnern des Orts vorbehalten seien, sagte Porcel.
Offiziell verfolgt die Gemeinde mit der Maßnahme auch das Ziel, die Luftqualität in der Altstadt zu verbessern. Fahrzeuge, die in Sóller zugelassen sind und dort die Kfz-Steuer entrichten, dürften unabhängig von ihrem tatsächlichen Schadstoffausstoß weiterhin in die Umweltzone einfahren, sagte Porcel. Eine Differenzierung nach Emissionsklassen ist für diese Fahrzeuge nicht vorgesehen.
Die neue Verordnung sieht vor, dass neben den in Sóller gemeldeten Autos auch reine Elektrofahrzeuge mit der Kennzeichnung 0, Fahrräder sowie Fahrzeuge der persönlichen Mobilität, etwa E-Roller, freien Zugang erhalten. Ebenfalls ohne vorherige Formalitäten dürfen Rettungs- und andere systemrelevante Dienste, Taxis und Mietwagen mit Fahrer (VTC) in die Umweltzone fahren.
Darüber hinaus enthält die Verordnung zahlreiche Ausnahmeregelungen. Nach vorheriger Genehmigung dürfen unter anderem nicht steuerpflichtige Anwohner – etwa mit Leasing- oder Mietfahrzeugen –, Menschen mit eingeschränkter Mobilität, Liefer- und Servicefahrzeuge, Autos von Geschäften und Unternehmen im betroffenen Ortskern sowie Hotelgäste die Umweltzone befahren. Auch für Fahrzeuge von Baustellen, Werkstätten, Fahrschulen oder historische Fahrzeuge könnte die Ausnahmeregelung gelten, so der Mobilitätsstadtrat. Wer ohne Wohnsitz oder Genehmigung in die Zone einfährt, muss mit einem Bußgeld von 200 Euro rechnen.
Das Rathaus räumt ein, dass trotz der Beschränkungen mehr als 15.000 Fahrzeuge Zugang zur Umweltzone haben könnten. Zu den rund 14.000 in Sóller registrierten Autos kämen die genehmigten Fahrzeuge hinzu, darunter auch Wagen aus den Nachbargemeinden Escorca, Fornalutx und Deià, sofern deren Halter eine entsprechende Erlaubnis beantragen.
Ob die neue Umweltzone die erhoffte spürbare Entlastung für das stark frequentierte Zentrum bringt, wird sich damit erst nach ihrem Start in gut zwei Wochen zeigen.