Auf Mallorca droht der Guardia Civil ein erheblicher Aderlass. Nach Angaben der Polizeigewerkschaft JUCIL sind mit Abschluss der jüngsten Ausschreibung zur Besetzung von 165 Planstellen "unterm Strich 70 Beamte weniger" auf dem Archipel im Dienst. Die Bilanz sei "desolat".
Wie die Gewerkschaft am Mittwoch mitteilte, hätten 85 Beamte eine Versetzung aufs spanische Festland erhalten. Gleichzeitig kämen lediglich 15 neue Kräfte auf die Inseln. Von diesen 15 würden zudem fünf zwangsweise versetzt; sie seien verpflichtet, ein Jahr auf den Balearen Dienst zu schieben. Rechnerisch ergebe sich damit ein Minus von 70 Beamten.
JUCIL sieht darin eine "bedenkliche Entwicklung", zumal sich die Personalnot mit zuletzt gestiegenen Kriminalitätszahlen kollidiere. Die Balearen sähen sich "einem beispiellosen Druck" ausgesetzt – verursacht durch anhaltendes Bevölkerungswachstum, hohe Lebenshaltungskosten und eine steigende Zahl an Migrantenbooten. Vor diesem Hintergrund sei es "unverständlich", dass es statt einer Verstärkung der Sicherheitskräfte zu "einem stetigen Verlust an Humankapital" komme.
Seit Jahren fordert JUCIL einen höheren Inselzuschlag, um den Dienst auf den Balearen attraktiver zu machen. Hauptgrund für die Abwanderung sei "das hohe Niveau der Lebenshaltungskosten“, insbesondere der schwierige Zugang zu bezahlbarem Wohnraum. "Bei der Lösung führt kein Weg an einer Anhebung des Inselzuschlags vorbei", heißt es.
Scharfe Kritik übt JUCIL an der Ausgestaltung der jüngsten Vereinbarungen. Nach Monaten "verwirrender Ankündigungen" und dem Versprechen eines eigenen Modells für die Balearen sei es am Ende lediglich zu einer "Schein-Angleichung" an die Kanarischen Inseln gekommen. Anders als dort werde den Balearen etwa "kein Zuschlag für Dienstaltersstufen" gewährt, obwohl entsprechende Regelungen im Rahmenabkommen für den öffentlichen Dienst vom vergangenen Dezember unterzeichnet worden seien. Die geweckten Erwartungen schlügen sich in "Resignation und Versetzungsanträge" nieder, urteilt die Polizeigewerkschaft.
Nach Einschätzung von JUCIL könnte sich die angespannte Lage weiter verschärfen. Im März stehe eine neue landesweite Versetzungsrunde an. Bis zu 400 der 450 Beamten, die bis Jahresende nicht mehr an eine Mindestverweildauer gebunden seien, könnten einen Weggang beantragen, falls keine "sofortigen und spürbaren Maßnahmen" beschlossen würden. "Das zeigt den Beamten faktisch die Tür", warnt JUCIL.
Die Balearen dürften in Verhandlungen in Madrid nicht länger "eine Randnotiz" sein, fordert die Gewerkschaft. Notwendig sei ein differenziertes Inselmodell, das die heutige soziale und wirtschaftliche Realität des Archipels berücksichtige. "Die Sicherheit der Bürger der Balearen darf keine Verhandlungsmasse sein", heißt es abschließend.