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Das Paradies vor der Haustür: So sieht es im Orangental und dem Hauptort Sóller aus

Sóller, „Insel auf der Insel”, ist ein beliebtes Kleinod voller Jugendstil- und Kolonialarchitektur. Bei einer Führung mit Ingrid Flohr und Maria Sureda kamen Mallorca-Fans in den Genuss seiner Vorzüge – die auch ihren Tribut fordern

Sóller liegt idyllisch im gleichnamigen Tal, umgeben von zahlreichen Bergen wie Mallorcas höchstem, dem Puig Major (r. o.)

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In Sóller sei das Parken schwierig, hatte die deutsche Kulturveranstalterin Ingrid Flohr vor der Führung durch das Dorf im Tramuntana-Gebirge geraten, „kommen Sie besser mit dem Bus!” Wie sich herausstellte, war es eine gute Idee, auf das öffentliche Verkehrsmittel zu setzen, das die Stellplatzsuche erspart und innerhalb kurzer Zeit Fahrgäste aus Palma in die Berg-Gemeinde bringt. Anlass des Ausfluges war ein weiterer der thematischen Rundgänge in Palma oder solche durch Dörfer der Insel unter Leitung der zertifizierten mallorquinischen Fremdenführerin Maria Sureda, die exzellentes Deutsch spricht. An einem heiteren Februarvormittag brachte sie einer Gruppe von rund 20 Teilnehmern die Gemeinde Sóller nahe.

„Sóller ist eine Insel auf der Insel”, stellte Sureda klar. Im Tal hinter einem Hügel gelegen, sei das Dorf erst seit dem Bau des Straßentunnels durch diesen im Jahr 1997 mit dem Rest Mallorcas verbunden. „Früher gab es nur eine Pass- beziehungsweise Landstraßen etwa über Valldemossa oder Lluc, um nach Sóller zu gelangen.” Viele Menschen hätten als Verkehrsmittel das Schiff bevorzugt, so Sureda.

So auch die vielen Sollerics , die die Gemeinde ab dem 
18. Jahrhundert als Auswanderer verlassen hatten. In diesem Thema spielt das Jahr 1865 eine bedeutende Rolle: „Eine Plage vernichtete die Zitrusplantagen”, erzählt Sureda, „und es gab eine Emigrationswelle nach Südfrankreich und zu den Antillen.” Diejenigen Familien, die im Ausland ein Vermögen machten, kehrten um die Jahrhundertwende nach Sóller zurück und bauten zum Beispiel in der Gran Vía prächtige Villen im Jugend- oder Kolonialstil. „Je nachdem, wie das Haus aussieht, weiß man, wohin die Vorfahren ausgewandert waren”, so Sureda. „Mit Palma ist Sóller einer jener Punkte, an denen man auf Mallorca ziemlich viel Jugendstil finden kann.”

Sureda zeigte den Teilnehmern eine alte Landkarte, auf der ersichtlich war, dass aus allen Himmelsrichtungen Wasser in das Tal von Sóller abfließt, weil das Dorf von den höchsten Bergen Mallorcas umgeben ist. „Deswegen handelt es sich um eine der fruchtbarsten Regionen der Insel”, so Sureda, und Sóller verfüge auch über reichlich Landwirtschaft. „Hier ist schwer zu entscheiden, wo der urbane Bereich endet und wo der ländliche Bereich beginnt, weil die Häuser meistens auf der Rückseite oder seitlich 
Zitrusplantagen haben.”

Franz Kraus: Landwirtschaft Basis für Hotelgewerbe

Mit denen kennt sich Franz Kraus bestens aus. Er ist Inhaber des lokalen Lebensmittelvermarkters „Fet a Sóller”. Kraus zufolge „stellen die landwirtschaftlichen Betriebe die Basis für die Arbeit des Hotelgewerbes dar, indem sie die Landschaft pflegen.” Dadurch würde der große wirtschaftliche Faktor Hotels in Sóller langfristig erst funktionieren. „Auch das Gastgewerbe kann seinen Beitrag leisten”, so der Unternehmer weiter, „indem es sich um lokale Produkte bemüht und diese ihren Gästen anbietet.”

Auch der Bürgermeister von Sóller, Miquel Nadal, erkennt den Wert der Landwirtschaft für seine Gemeinde: „Der Tourismus ist die vorderste Quelle unserer Wirtschaft und Unternehmen wie ‚Fet a Sóller’ tragen ihren Teil zu dessen Erfolg bei. Außerdem generieren wir durch den Export unserer Vorzeigeprodukte – Orangen, Zitronen und Oliven sowie deren Folgeerzeugnisse – ein erhebliches Einkommen.”

Die Wahrheit in Sóller ist auch, dass der Ansturm von Besuchern dazu führt, dass die Ladenmieten extrem steigen, wie Franz Kraus erwähnt, und dass durch die private touristische Vermietung die Mietpreise in die Höhe schießen. Parallel dazu sinkt die Luftqualität im Dorfzentrum. Bürgermeister Nadal versucht, in diesen Punkten durch den Bau neuer Sozialwohnungen an mehreren Stellen in der Gemeinde sowie durch die Einführung einer neuen Umweltzone für Autos gegenzusteuern, damit das Paradies attraktiv bleibt.

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