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Urlaubermassen fluten Mallorca-Dorf im Winter: Warum Sóller schon jetzt aus allen Nähten platzt

Volle Straßen, kaum Parkplätze: Die Hauptsaison hat nicht einmal begonnen, doch schon ist der beliebte Ferienort in dieser Woche von Touristen überrannt worden

Szenen, die man eigentlich nur aus dem Hochsommer kennt: Sóller wird schon jetzt – im Februar – von Touristen überrannt | Foto: Ultima Hora

| Sóller, Mallorca |

Das malerische Feriendorf Sóller im Tramuntana-Gebirge ist am Mittwochvormittag von Touristenscharen förmlich überrannt worden – obwohl die Hauptsaison noch entfernt ist. In dem Bergdorf auf Mallorca spielten sich Szenen ab, die man eher aus dem Hochsommer kennt: Kaum Durchkommen in den engen und überfüllten Straßen sowie massive Parkplatzprobleme. Diese Momentaufnahme bestätigt erneut, dass die Insel immer mehr zu einer Ganzjahresdestination wird – weil immer mehr Urlauber immer früher kommen.

Wie die MM-Schwesterzeitung „Ultima Hora“ berichtet, zeigen Aufnahmen aus Sóller vom Mittag zahlreiche Urlaubergruppen, die Fahrbahnen und Gehwege bevölkern; der Verkehr bewegte sich nur schleppend, und der gewohnte Alltag geriet spürbar ins Stocken. Die hohe Konzentration von Urlaubern war auch schon am vergangenen Wochenende beobachtet worden. Viele Wanderer, Radfahrer und Familien bevölkerten auch den Nachbarort Port de Sóller – und das, obwohl offiziell noch Nebensaison ist.

Voll, voller, Sóller – und das mitten im Februar! Foto: Ultima Hora

Unter den Einheimischen blieben die Urlaubermassen nicht unbemerkt. In den sozialen Netzwerken äußerten einige Anwohner ihre Sorge über eine Entwicklung, die sie als zunehmend häufig und von Jahr zu Jahr früher eintretend wahrnehmen. „Nur eine Krise oder explodierende Preise werden das stoppen … traurig, dass das offenbar die einzige Möglichkeit ist“, klagte ein Nutzer. Andere verwiesen auf ganz konkrete Alltagsprobleme: „Ich habe schon jetzt massive Parkplatzprobleme“ oder „Was ist das bitte für ein Wahnsinn?“

In den vergangenen Jahren hatten die Insel-Behörden verstärkt auf Maßnahmen zur touristischen Entzerrung und Entsaisonalisierung gesetzt, mit dem Ziel, die Besucherströme gleichmäßiger über das Jahr zu verteilen. In Teilen der Bevölkerung setzt sich jedoch die Wahrnehmung durch, dass diese Strategie den Druck in den Monaten Juli und August nicht verringert hat, sondern die touristische Präsenz vielmehr auf das gesamte Jahr ausgedehnt und die Gesamtzahl der Besucher weiter erhöht hat.

Auch das Wetter spielt eine Rolle. Dieser Februar bringt auf Mallorca aktuell – nach vielen stürmischen und ungemütlichen Tagen im Januar – auffallend viele sonnige Tage und für die Jahreszeit ungewöhnlich milde Temperaturen. Am Anfang der Woche klettern die Thermometer beispielsweise erneut auf 20 bis 22 Grad – ideale Bedingungen für Tagesausflüge und Kurztrips in besonders beliebte Orte wie Sóller.

Die Fotos vom mit Urlaubermassen überrannten Sóller bestätigt damit einen Trend, auf den verschiedene Gemeinden der Insel seit Längerem hinweisen: Die Tourismussaison konzentriert sich nicht mehr ausschließlich auf die Sommermonate, sondern dehnt sich zeitlich aus und beginnt immer früher. Mitten im Winter und bei fast frühlingshaften Temperaturen bot Sóller erneut ein Bild hoher Auslastung – etwas, das noch vor einem Jahrzehnt zu dieser Jahreszeit als außergewöhnlich gegolten hätte.

Die Beschwerden der Anwohner des Ferienortes in der Tramuntana beschränken sich dabei nicht nur auf Verkehr und Parkraum. Ein Teil der Bevölkerung bringt den frühen Besucherandrang auch mit dem stetigen Anstieg der Wohnkosten und der allgemeinen Lebenshaltungskosten auf Mallorca in Verbindung – ein Thema, das in der öffentlichen Debatte der Insel in den vergangenen Jahren immer mehr Gewicht erhalten hat.

Von einem Einzelfall auf Mallorca kann längst keine Rede mehr sein: Die Situation beginnt inzwischen bereits jetzt und zieht sich nahezu bis in den November hinein. Danach folgt der gegenteilige Effekt: Die überwiegende Mehrheit der Betriebe schließt für Wochen oder Monate, der Platz wirkt nahezu menschenleer, und das wirtschaftliche sowie gesellschaftliche Leben schrumpft auf ein Minimum. Manche Bewohner beschreiben diese Dynamik als Wechsel zwischen Phasen der Überfüllung und Zeiten nahezu völliger Inaktivität – Perioden, in denen das Dorf jenseits des Tourismus an Lebendigkeit verliert und zu einem reinen „Geisterdorf“ wird.

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