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Nur ein paar Meter von der Playa entfernt: Römisches Ballermann-Wrack wird gehoben!

Hätten Sie es gewusst? Wo man im Sommer manchmal im türkisblauen Wasser schwimmt, liegen Amphoren

cultura breuninger

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Seit dem vierten Jahrhundert nach Christus liegt ein antikes Schiffswrack an derselben Stelle: vor der Küste bei Can Pastilla, nur wenige Meter unter der Wasseroberfläche und ganz in der Nähe der Platja de Palma. Jetzt ist es so weit. Ab Montag, 9. März, wird das sogenannte Pecio de Ses Fontanelles gehoben – ein römisches Handelsschiff, das nach Einschätzung der internationalen Fachwelt zu den außergewöhnlichsten Unterwasserfunden des westlichen Mittelmeers zählt.

Entdeckt wurde das Wrack im Jahr 2019 nach einem Sturm. Wellen und Strömung hatten den Sand bewegt, der das gesunkene Schiff bedeckt hatte. Auf diese Weise blieb es Jahrhunderte unentdeckt, obwohl es gerade mal 65 Meter von der Küste entfernt auf Grund lag.

Was das Schiff so besonders macht, ist nicht nur sein Alter. Es ist der Zustand. Schiff und Ladung haben die Jahrhunderte in bemerkenswerter Form überstanden. An Bord befanden sich rund 300 Amphoren, die für den Transport von Soßen, Ölen, Wein oder vergorenem Traubensaft sowie zur Konservierung von Obst verwendet wurden. Der Großteil ist noch versiegelt. Viele der Amphoren weisen zudem gemalte Inschriften auf. Sie haben es den Forschern ermöglicht, Herkunft und Datierung der Waren präzise zu bestimmen.

Auch zwei Schuhe entdeckten Taucher in dem Wrack, ebenso einen Bogenbohrer, der erste, der jemals in Spanien gefunden wurde. Des Weiteren kam eine römische Münze zum Vorschein. Durch sie lässt sich das Alter des Wracks auf die Zeit der Regentschaft der Kaiser Konstantin (307-337 n. Chr.) oder Licinius I. (307-324 n. Chr.) eingrenzen. Diese Münze wurde als Ritual vor dem Stapellauf eines Schiffes in eine Vertiefung gelegt, in der der Mast platziert wurde. Sie sollte dem Schiff Glück bringen.

Ein solch gut erhaltenes Schiff aus dieser Epoche ist im Mittelmeer bislang einmalig. Der Inselrat von Mallorca hat die Bergung sorgfältig vorbereitet. Vergangene Woche lud die stellvertretende Inselratspräsidentin und Kulturdezernentin Antònia Roca mehr als 25 Institutionen und Einrichtungen zu einer Informationssitzung – von der Guardia Civil über Hoteliersverbände bis zu Nachbarschaftsinitiativen.

Grund dieses Aufwands: Alle sollen wissen, was auf sie zukommt, wenn ab dem 9. März ein ungewöhnliches Treiben vor der Küste beginnt. „Wir wollen, dass alle Beteiligten aus erster Hand erfahren, wie der Ablauf sein wird”, erklärte Roca. „Die Bergung des Wracks von Ses Fontanelles ist für das Kulturerbe ein Meilenstein, der Mallorca auf die internationale Karte der Unterwasserarchäologie setzt.”

Auf der Baustelle unter Wasser werden Taucher, Archäologen und Historiker gemeinsam arbeiten. Vor Ort wird ein Feldlager eingerichtet, damit die Fachleute in Ruhe und unter kontrollierten Bedingungen arbeiten können. Schilder mit QR-Code werden Schaulustige auf eine Informationsseite mit Dokumentarfilm und Hintergrundmaterial leiten. Dauer des Einsatzes: etwa vier Monate, wobei das Wetter das letzte Wort hat.

Ursprünglich wurde erwogen, das Schiff in einem Stück zu heben. Doch daraus wird nichts, denn mit dem Kiel fehlt jene Längsstruktur, die ein Holzschiff zusammenhält. Deshalb wird das Wrack nun in mehrere Teile zerlegt und so an die Oberfläche gebracht. Es ist eine heikle Operation, die Experten aus mehreren Universitäten und Forschungseinrichtungen begleiten: Die Universitat de les Illes Balears, die Universität Cádiz, die Universitat de Barcelona und das Nationale Museum für Unterwasserarchäologie sind mit dabei.

Nach der Bergung geht das Schiff ins Castillo de San Carlos. Dort wurde eigens ein Entsalzungsbecken gebaut, in dem die Hölzer über mehrere Monate stabilisiert werden müssen. Dann erst kann das Wrack ausgestellt werden.

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