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Vier Jahre nach dem Kegelbrüder-Brand eröffnet Alice Klotz jetzt neu im Mallorca-Küstenort Peguera

Jahre nach dem verheerenden Brand an der Playa de Palma versucht die frühere "Why Not Mallorca"-Wirtin Alice Klotz ihr Glück erneut – mit ihrem neuen Lokal "Geheimtipp Heimathafen"

Bis zur Eröffnung des neuen Lokals haben die Betreiber Kai Weigel (l.) und Alice Klotz (r.) noch viel zu tun | Foto: PLOZANO

| Mallorca |

An diesem späten Februartag liegt über dem Mallorca-Küstenort Peguera ein Hauch von Frühling. Bei bis zu 16 Grad und strahlendem Sonnenschein lässt sich bereits erahnen, was die kommenden Monate bringen werden. Auf dem Boulevard im Südwesten der Insel füllen sich langsam wieder die Straßen. Erste Urlauber flanieren an Cafés vorbei, Stühle werden herausgestellt, Speisekarten zurechtgerückt.

Freut sich auf die kommende Saison in Peguera: Wirtin Alice Klotz in ihrem neuen Restaurant "Geheimtipp Heimathafen".

Die Saison kündigt sich an – und mit ihr wächst neue Hoffnung. Für manche Gastronomen in der deutschen Touristenhochburg bedeutet der Saisonstart weit mehr als steigende Umsätze. Er steht für einen Neuanfang. So auch für die 62-jährige frühere Playa-Wirtin Alice Klotz, die bewegte Jahre hinter sich hat. Gemeinsam mit ihrem Mann Bernd führte sie einst das "Why Not Mallorca" am Balneario 0 in Arenal. Doch im Mai 2022 zerstörte ein verheerender Brand des Lokals beinahe ihre gesamte Existenz.

Frisches deutsches Brot und Backwaren von einem Bäcker aus Santanyí soll es an der
neuen Location geben.

Die Gastronomin ist von ihrem neuem Projekt bombenfest überzeugt

Das Feuer hinterließ nicht nur massive bauliche Schäden, sondern riss auch wirtschaftlich tiefe Wunden. Nach einer langen Phase der Unsicherheit scheint nun Licht am Ende eines dunklen Tunnels aufzutauchen. Obwohl sich die gebürtige Kölnerin in Arenal im "Why Not Mallorca" stets heimisch gefühlt hatte, kam für sie schließlich der Moment des Loslassens. Und im Februar 2026 wurde bekannt, dass das Lokal unter neuen Betreibern als "Star Lounge" wiedereröffnet wurde. Zu den Nachfolgern haben Klotz und ihr Mann keinen Kontakt. Bereits 2025 hatte sich für das Ehepaar eine neue Gelegenheit ergeben. Für vergleichsweise wenig Geld konnten sie ein Lokal in Peguera, in zweiter Meereslinie, übernehmen. Dort eröffneten sie ihr Restaurant "Geheimtipp bei Alice und Bernd". Doch die anfängliche Euphorie wich bald der Ernüchterung. Nach zwei Saisons fiel die Entscheidung, auch dieses Kapitel zu schließen. "Es lief einfach nicht, der Standort war miserabel", sagt Alice Klotz rückblickend.

Der Prozess gegen die "Kegelbrüder" soll 2026

Aufgeben kommt für sie dennoch nicht infrage. Nun wagt sie einen weiteren Neustart, diesmal in deutlich attraktiver Lage, mitten im Herzen von Peguera. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, und die Zuversicht ist zurück. Am 15. März soll das neue Lokal "Geheimtipp Heimathafen" eröffnen. Auf der Speisekarte steht unter anderem ihr Schnitzelklassiker – in 30 verschiedenen Variationen. "Mein Favorit ist das Geheimtipp-Schnitzel mit Champignons, Zwiebeln, Hollandaise und Käse überbacken für 18,90 Euro", sagt sie. Zudem werden 15 verschiedene Sangría-Variationen, spanische Tapas sowie ein herzhaftes Frühstücksangebot ab sechs Uhr morgens serviert. Brot und Brötchen liefert ein österreichischer Bäckermeister aus Santanyí.

Die ehemalige Playa-Wirtin hofft auf Gerechtigkeit und setzt auf die spanische Justiz.

"Es wird wie eine Bombe anlaufen. Wenn ich nicht daran glauben würde, würde ich es nicht machen", betont Klotz. Unterstützung erhält das Ehepaar von dem in Peguera tätigen deutschen Gastronomen Kai Weigel. Sein Partner Sönke übernimmt dabei die Buchhaltung des neuen Lokals. Für Unterhaltung will Weigel persönlich sorgen. Alle paar Wochen wird sich der Berliner mit langjähriger Bühnenerfahrung als Transvestiekünstler präsentieren und im "Geheimtipp Heimathafen" auftreten. Erst vor wenigen Wochen bot sich dem Trio die Möglichkeit, die Räumlichkeiten der früheren Bar Adelante an der Hauptstraße von Peguera zu übernehmen.

Das rund 100 Quadratmeter große Lokal wird derzeit umfassend renoviert. Wände müssen gestrichen, das Dach instand gesetzt, Stühle neu bezogen werden. "Es ist noch viel zu tun, aber wir schaffen das", zeigt sich Klotz zuversichtlich. Zu ihrem Optimismus trägt auch bei, dass sich im sogenannten Kegelbrüder-Fall endlich Bewegung abzeichnet. Fast vier Jahre sind vergangen, seit der Vorfall ihre Existenz erschütterte.

Nach zwei Saisons hat in Peguera hat Wirtin Alice Klotz ihr Lokal "Geheimtipp" abgegeben - der Standort war sei "miserabel" gewesen."

Am 20. Mai 2022 soll eine Gruppe von 13 jungen Männern aus dem Münsterland in einem Hotel an der Playa de Palma eine Balkonparty gefeiert haben. Dabei sollen Zigarettenstummel auf das Dach eines darunterliegenden Restaurants geworfen worden sein, was den Brand ausgelöst habe. Das "Why Not Mallorca" wurde dabei größtenteils zerstört, insbesondere die Terrasse war massiv betroffen Die ursprünglich aus Köln stammende Klotz kämpft bis heute mit den finanziellen und vor allem psychischen Folgen. Noch immer befindet sie sich in psychiatrischer Behandlung bei einem deutschen Arzt. Abschließen könne sie erst, wenn der Prozess beendet sei, unabhängig vom Urteil oder einer möglichen Entschädigung. Der materielle Schaden beläuft sich nach ihren Angaben auf rund 60.000 Euro. Die Außenterrasse musste 133 Tage lang geschlossen bleiben. Ein von ihr beauftragter Wirtschaftsprüfer bezifferte den Einnahmeausfall auf knapp 200.000 Euro.

Acht Kegelbrüdern droht eine Haftstrafe von bis zu sieben Jahren

"Es geht mir nicht um Vergeltung, sondern um Gerechtigkeit", sagt Klotz. Sie wolle dieses Kapitel endlich hinter sich lassen. Der Prozess gegen die sogenannten Kegelbrüder soll nach vier Jahren nun beginnen. Die spanische Strafverteidigerin der Beschuldigten, Maria Barbancho, bestätigte auf MM-Anfrage, dass 2026 mit einem Prozessstart gerechnet werde – ob im Sommer oder gegen Jahresende, sei noch offen. Nach dem Brand standen die 13 Männer im Fokus der Ermittler. Fünf wurden freigelassen, acht verbrachten 56 Tage in Untersuchungshaft. Gegen eine Kaution von zunächst 500.000 Euro durften sie nach Deutschland zurückkehren. Anfang Februar 2026 reduzierte ein Berufungsgericht die Summe auf 131.430,60 Euro, sodass 368.569,40 Euro zurückerstattet werden.

Am 20. Mai 2022 war das Lokal "Why not Mallorca" am Ballermann in Brand geraten.

Dennoch drohen acht der Beschuldigten laut spanischer Staatsanwaltschaft bis zu sieben Jahre Haft wegen Brandstiftung und leichter Körperverletzung. Alice Klotz bleibt trotz allem zuversichtlich. „Mein Anwalt ist überzeugt, dass ich ich mich vor Gericht durchsetze. Ich glaube fest daran. Alle, die zu Schaden gekommen sind, werden gewinnen”, sagt sie. Trotz der sprichwörtlich langsamen Mühlen der Justiz auf Mallorca habe sie ihren Glauben an das spanische Rechtsystem nicht verloren.

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