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Der Mythos von "Moby Dick": Drohnen filmen, wie sich Pottwale im Meer um Mallorca rammen

Schottische Wissenschaftler veröffentlichten ihre Beobachtungen in einer Fachzeitschrift. Es ist das erste Mal, dass die Tiere bei ihrem seltsamen Verhalten aufgenommen wurden

Die Aufnahmen der schottischen Wissenschaftler zeigen, dass nicht nur große Männchen einander Kopfstöße geben, sondern auch jüngere Kalbe. | Foto: R. L.

| Mittelmeer |

Seit dem 19. Jahrhundert hielt sich der Mythos, dass Pottwale ihren Kopf dazu einsetzen könnten, um Gegenstände – darunter auch Schiffe – anzustoßen und zu rammen. Er inspirierte einen Klassiker der Weltliteratur: "Moby Dick" von Herman Melvilles. Nun haben schottische Wissenschaftler in den balearischen Gewässern um Mallorca erstmals Luftaufnahmen von Pottwalen gemacht, die einander mit dem Kopf stoßen. Das meldet das Nachrichtenportal "Crónica Balear".

Der Einsatz des Kopfes durch Pottwale zum Stoßen und Rammen von Objekten wird bereits seit dem Walfang in offenen Booten im 19. Jahrhundert berichtet. Das berühmteste Beispiel ist die Essex, ein 27 Meter langes Segelwalfangschiff, das Berichten zufolge 1820 vor den Galapagosinseln durch zwei Frontalzusammenstöße mit einem großen männlichen Pottwal versenkt wurde.

In zwei Gewässern gefilmt

Mithilfe von Drohnen filmte nun ein Team von Wissenschaftlern der Universität St. Andrews zwischen 2020 und 2022 die Zusammenstöße von Pottwalen auf den Azoren und im Balearischen Meer. Es veröffentlichte seine Beobachtungen am jüngst in der Fachzeitschrift "Marine Mammal Science".

"Es war wirklich aufregend, dieses Verhalten zu beobachten, von dem wir wussten, dass es schon lange vermutet wurde, das aber noch nicht systematisch dokumentiert oder beschrieben worden war", räumt Alec Burslem ein, der die Studie gemeinsam mit Forschern der Universität der Azoren und der Asociación Tursiops (einer NGO mit Sitz auf den Balearen) durchgeführt hat.

Funktionen und Zweck der Kopfstöße noch ungewiss

Die Aufnahmen zeigen, dass dieses Verhalten nicht nur bei großen Männchen auftritt, sondern auch jüngere Kalbe einbezieht. Die Forscher wissen jedoch noch nicht, welche Funktion oder welchen Zweck dieses Verhalten der Pottwale haben könnte oder wie es den Zusammenhalt der Gruppe und die soziale Dynamik beeinflusst.

"Es ist spannend, darüber nachzudenken, welche bisher unbekannten Verhaltensweisen wir bald entdecken könnten, und wie weitere Beobachtungen von Kopfstößen uns helfen könnten, Licht auf die Funktionen zu werfen, die dieses Verhalten erfüllen könnte", erklärt Burslem.

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