Auch am Donnerstag fehlt in den regionalen Medien eine Meldung von der Okupa-Front auf Mallorca nicht: Demnach sorgen in der Urlauberhochburg Calvià erneute Versuche von Wohnungsbesetzungen und Einbrüchen für wachsende Besorgnis unter Anwohnern und Behörden. Die Gemeinde gilt inzwischen als einer der Brennpunkte dieses Phänomens auf der Insel.
Nach von der MM-Schwesterzeitung "Ultima Hora" aufgegriffenen Berichten häufen sich insbesondere in den Wintermonaten Fälle, in denen leerstehende Wohnungen gezielt ins Visier geraten. Beobachter sehen darin ein systematisches Vorgehen: Die Täter verfügten offenbar über detaillierte Informationen darüber, welche Objekte unbewohnt seien und sich für eine Besetzung eigneten. Neben einzelnen Tätern stünden dabei zunehmend organisierte Netzwerke im Verdacht, die entsprechende Daten lieferten.
Jüngste Vorfälle haben die Lage weiter verschärft. Im Küstenortsteil Santa Ponça nahm die Ortspolizei drei Männer – zwei Polen und einen Schotten – fest. Sie sollen versucht haben, eine Wohnung zu übernehmen, deren Bewohner, ein polnischer Staatsbürger, kurz zuvor gestorben war. Dieser soll selbst als Besetzer in der Wohnung gelebt haben, nachdem zuvor die britische Eigentümerin verstorben sei, so das Inselblatt. Die Männer seien dabei beobachtet worden, wie sie das Schloss austauschen wollten. Anwohner wurden durch Lärm aufmerksam und alarmierten die Polizei.
Nur wenige Stunden später kam es laut Zeitungsbericht in Magaluf zu einem ähnlichen Einsatz. Eine Anwohnerin bemerkte zwei Männer, die sich an der Tür einer Wohnung zu schaffen machten, deren Eigentümer in Großbritannien weilen. Nachdem sie die Verdächtigen angesprochen hatte, verständigte sie die Polizei. Die Beamten nahmen schließlich zwei Personen in Gewahrsam, die nach Angaben der Zeugin aus Osteuropa stammen sollen.
Die Behörden schließen nicht aus, dass es sich um zeitlich koordinierte Aktionen handelte. Bewohner berichten, die Täter hätten über "professionelles Werkzeug" verfügt und seien offenbar sogar im Besitz einer Fernbedienung gewesen, mit der sie die Eingangstür des Gebäudes öffnen konnten. Auf Überwachungskameras sei zu sehen gewesen, wie sie mit einem "professionellen Koffer" ausgerüstet vorgingen.
In der Nachbarschaft wächst angesichts derartiger Vorfälle seit Monaten die Anspannung. "Jetzt stehen wir alle Wache", berichten Anwohner. Man informiere umgehend die Polizei, sobald "etwas Verdächtiges" auffalle. Gleichzeitig geht die Angst um, die Täter oder deren Komplizen hielten sich weiterhin in der Gegend auf und könnten erneut zuschlagen. "Wir gehen davon aus, dass sie organisiert sind oder jemanden haben, der ihnen Informationen verschafft", heißt es aus dem Umfeld der Betroffenen.
Die Eigentümer der betroffenen Wohnung in Magaluf reisten nach Angaben von Anwohnern bereits am Tag nach dem Vorfall aus dem Ausland an, um Anzeige zu erstatten. Auch hätten sie inzwischen die jeweiligen Haustürschlösser ausgetauscht. Dennoch herrscht in der Nachbarschaft zunehmend Misstrauen. "Niemand kommt mehr ohne Fernbedienung oder ohne dass ihm geöffnet wird ins Haus", berichten Bewohner, die den Zusammenhalt im Viertel loben: "Wir passen gegenseitig auf uns auf."