Folgen Sie uns F Y T I R
IRREGULÄRE MIGRATION

Wasserleiche entdeckt – Fluchtroute über das Mittelmeer gewinnt an Bedeutung

Der stark verweste Leichnam konnte bislang nicht identifiziert werden. Wahrscheinlich handelt es sich um einen ertrunkenen Bootsmigranten. Die Zahl der Ankünfte nahm seit Jahresbeginn um 30 Prozent zu.

Ein Schiff der Seenotrettung bringt auf dem Meer aufgegriffene Migranten in Portocolom an Land. | Foto: Gori Vicens

| | Palma de Mallorca |

Vor der Küste der unbewohnten Baleareninsel Cabrera ist ein stark verwester Leichnam entdeckt worden. Nach Angaben der Behörden wurde der Körper am Montagnachmittag im Meer gesichtet, nachdem eine Person die Rettungskräfte alarmiert hatte. Spezialkräfte der Guardia Civil bargen den Toten und überführten ihn nach Mallorca. Aufgrund des fortgeschrittenen Verwesungszustands konnte die Identität bislang nicht geklärt werden. Hinweise deuteten jedoch darauf hin, dass es sich um einen Bootsmigranten aus Afrika handeln könnte.

Der erneute Leichenfund unterstreicht die steigende Bedeutung der sogenannten Algerien-Balearen-Route. Nach einem aktuellen Bericht des Observatoriums für Migration im Mittelmeerraum (OMIMED) erreichten im vergangenen Jahr 7.321 Menschen in 401 Booten die Balearen – ein Anstieg um 24,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Während die Zahlen auf den Kanaren und landesweit rückläufig waren, versuchen sich immer mehr Migranten an der Route im westlichen Mittelmeer. Rund 22 Prozent aller in Spanien registrierten Ankünfte erfolgten demnach über die Balearen.

Die Leiterin des Observatoriums, Margalida Capellà, sprach von einer Route, die sich "konsolidiert und im Wachstum" befinde. Mallorca und die Nachbarinseln seien zu einem "zentralen Element auf der Migrationskarte" geworden. Auch aktuelle Zahlen deuteten auf eine Fortsetzung dieses Trends hin: Bis Ende März 2026 stiegen die Ankünfte auf den Inseln um mehr als 30 Prozent, während sie im übrigen Spanien deutlich zurückgingen.

Mit der zahlenmäßigen Zunahme der Überfahrten verändert sich auch die Zusammensetzung der Migranten. Der Anteil von Frauen liegt inzwischen bei knapp neun Prozent, zudem erreichten im vergangenen Jahr mehr als 600 Minderjährige die Inseln, die meisten ohne Begleitung.

Zugleich bleibt das tatsächliche Ausmaß der Todesfälle unklar. Offiziell wurden im vergangenen Jahr 63 Tote auf dieser Route registriert, internationale Organisationen und NGOs gehen allerdings von deutlich höheren Zahlen aus. Capellà bezeichnete die menschlichen Kosten als "schwer zu beziffern" und forderte ein einheitliches Register für Tote und Vermisste.

Kritik gibt es zudem an der strafrechtlichen Verfolgung von Migranten, die während der stundenlangen Überfahrt Aufgaben an Bord übernehmen. Vertreter eines Anwaltsnetzwerks weisen darauf hin, dass viele Betroffene häufig selbst auf der Flucht seien und nicht für Schleuserorganisationen arbeiteten. Dennoch werde ein Großteil der Angeklagten verurteilt. Seit 2020 seien in Spanien mehr als 1.300 Migranten wegen Beihilfe zur irregulären Migration vor Gericht gestellt worden.

Zum Thema
Meistgelesen