Folgen Sie uns F Y T I R

Historisches Erbe oder politisches Symbol? Erbitterter Kampf um Denkmal auf Mallorca

Der Streit zwischen Palma und Madrid um den Sa-Feixina-Monolith im Stadtzentrum geht in die nächste Runde. Möglicherweise müssen nun Gerichte über die Zukunft des massiven Baus entscheiden.

Madrid möchte das Denkmal aus der Franco-Zeit aufs Abstellgleis verfrachten – zum Unwillen der Stadtverwaltung. | Foto: M.À. Cañellas

| Palma de Mallorca |

Wenn sich Palma und Madrid nicht gerade um die Ausrichtung der Flüchtlingspolitik zanken, dann um die Aufarbeitung der Franco-Diktatur. Im Zentrum des jüngsten Konflikts steht erneut das umstrittene Denkmal Sa Feixina im gleichnamigen Park in Palma, dessen Zukunft seit Jahren politisch und juristisch umkämpft ist.

Die Stadtverwaltung von Palma hat nun formell gegen eine Entscheidung der spanischen Zentralregierung Einspruch eingelegt, die den Abriss oder das Entfernen des Monuments anordnet. Grundlage ist ein Beschluss der Staatssekretärin für Demokratisches Gedenken vom März 2026, mit dem Sa Feixina in ein staatliches Verzeichnis von Symbolen aufgenommen wurde, die als "unvereinbar mit der demokratischen Erinnerungskultur" gelten. Damit sei, so die Auffassung der konservativen Stadtregierung, eine Grenze überschritten worden: Die Maßnahme könne "ein Vergehen am historischen Erbe" darstellen.

Nach Darstellung des Rathauses widerspricht die Entscheidung Madrids rechtskräftigen Urteilen. Bereits 2020 habe ein Verwaltungsgericht in Palma das Denkmal als schützenswert eingestuft, eine Entscheidung, die 2021 vom Obersten Gericht der Balearen bestätigt worden sei. Demnach handele es sich um ein "Kulturgut mit historischen, architektonischen und künstlerischen Werten". Die Stadt argumentiert, dass schon 2010 sämtliche franquistischen Symbole entfernt und durch eine "demokratische Neuinterpretation" ersetzt worden seien.

In ihrem Einspruch wirft die Stadt der Zentralregierung vor, sich über geltendes Recht hinwegzusetzen. Die Entscheidung weise Anzeichen von Rechtsbeugung und Machtmissbrauch auf, da sie "außerhalb der Rechtsordnung und im Widerspruch zu bereits ergangenen Gerichtsurteilen" getroffen worden sei. Zudem bestehe die Verpflichtung, das Bauwerk nicht zu zerstören oder zu versetzen, da dies seine bauliche Integrität gefährde. Eine Umsetzung der Anordnung würde, so die Stadt weiter, "irreparable Schäden" für das architektonische Erbe Palmas bedeuten und verstoße "offen und direkt" gegen das Prinzip der Gewaltenteilung.

Unterstützung erhält die Stadt in dieser Frage von verschiedenen Institutionen, darunter Denkmalschutzorganisationen ARCA sowie kulturelle Einrichtungen wie die Königliche Akademie der Geschichte (Real Academia de la Historia) und ein Beratungsgremium der UNESCO. Sie alle betonen den "historischen und künstlerischen Wert" des Monuments und sprechen sich für dessen Erhalt aus.

Demgegenüber steht scharfe Kritik aus politischen und zivilgesellschaftlichen Kreisen. Bereits vor zwei Monaten hatte die Linkspartei Podemos den Fall auf europäischer Ebene thematisiert und eine Anfrage an die Europäische Kommission gerichtet. Darin wird die Frage aufgeworfen, ob die institutionelle Schutzwürdigkeit von Symbolen, die eine Diktatur verherrlichten, mit den Grundwerten der Europäischen Union vereinbar sei.

Hintergrund ist die Geschichte des Denkmals: Es wurde zu Ehren der Besatzung des Kreuzers Baleares errichtet, der im Spanischen Bürgerkrieg (1936-39) auf Seiten der Franco-Truppen eingesetzt wurde und mit schweren Verbrechen gegen die Zivilbevölkerung in Verbindung gebracht wird. Podemos argumentiert, der Fall stelle einen "grundlegenden Konflikt zwischen Denkmalschutz und den Opferrechten" dar. Es sei "verrückt", wenn in Spanien regelmäßig der Schutz vermeintlicher Kulturgüter über die Menschenrechte gestellt werde.

Auch Opferverbände begrüßen daher die Abrissanordnung der Zentralregierung als Chance, die Erinnerung an die Opfer der franquistischen Repression zu stärken. Der Konflikt zwischen historischer Einordnung und politisch-moralischer Bewertung bleibt damit ungelöst. Fälle wie der im Sa-Feixina-Park in Palma sind in Spanien auch 50 Jahre nach dem Tod des Diktators weiter an der Tagesordnung.

Zum Thema
Meistgelesen