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TOURISMUS

Inside Airbnb und die Mär vom großen Rückgang bei Ferienwohnungen

Mehr als 8.000 touristisch genutzte Objekte will der Inselrat der US-Plattform abgetrotzt haben. Doch ein Blick auf die Zahlen des Platzhirsches zeigt, dass sich seit Juni 2025 deutlich weniger bewegt hat.

Gegen die Spekulation mit Wohnraum regt sich auf Mallorca der Widerstand. | Foto: R.A.

| Palma de Mallorca |

Ferienvermietung ist auf Mallorca in aller Munde, und damit auch der Plattform-Platzhirsch Airbnb. Neue Daten und eine anhaltende politische Kontroverse zeichnen das Bild eines Marktes, der trotz regulatorischer Eingriffe weiter wächst – und den Wohnraum für Einheimische zunehmend verknappt.

Nach aktuellen Auswertungen des Analyseportals Inside Airbnb sind derzeit rund 14.500 Unterkünfte auf der Insel freigeschaltet. Die Zahlen lassen den Schluss zu, dass sich ganze Viertel in verdeckte Tourismuszonen verwandeln. Besonders auffällig: 93,4 Prozent der Inserate betreffen komplette Wohnungen oder Häuser, während nur ein kleiner Teil (6,3 Prozent) auf einzelne Zimmer entfällt. Das ursprüngliche Konzept der Sharing Economy ist somit auf Abwege geraten.

Stattdessen hat sich der Markt stark professionalisiert. Mehr als 80 Prozent der Angebote werden von Anbietern mit mehreren Inseraten kontrolliert. Insgesamt entfallen über 11.700 Angebote auf solche gewerblich agierenden Vermieter. Private Eigentümer, die lediglich eine einzelne Wohnung vermieten, stellen nur noch knapp ein Fünftel des Marktes. Diese Konzentration geht häufig damit einher, dass die Betreiber selbst nicht vor Ort wohnen – was nach Einschätzung von Kritikern Konflikte mit Nachbarn Vorschub leistet und nicht selten gegen bestehende Vorschriften verstößt.

Der wirtschaftliche Anreiz ist freilich attraktiv. Im Schnitt werden Unterkünfte rund 46 Nächte im Jahr gebucht, bei einem durchschnittlichen Preis von etwa 1.560 Euro pro Aufenthalt. Daraus ergeben sich Inside Airbnb zufolge Jahreseinnahmen von rund 27.800 Euro pro Objekt. Kurzzeitvermietung sei damit "deutlich lukrativer als klassische Langzeitmiete", kommt das Portal zu dem Schluss. Was erklären dürfte, warum Eigner in Massen auf den Airbnb-Zug aufspringen.

Parallel dazu sorgt ein Streit über die tatsächliche Zahl gelöschter Inserate für politische Scharmützel. Mallorcas Inselratspräsident Llorenç Galmés (Volkspartei, PP) behauptete jüngst, im Zuge einer Vereinbarung mit Airbnb seien mehr als 8.000 illegale Angebote entfernt worden. Die sozialdemokratische Opposition (PSOE) widerspricht dieser Darstellung jedoch deutlich. Nach eigenen Berechnungen liege der Rückgang seit Juni 2025 lediglich bei "rund 3.600 Anzeigen".

Tatsächlich zeigen öffentlich zugängliche Daten, dass die Gesamtzahl der Inserate von gut 17.000 im Juni 2025 auf zuletzt etwa 13.500 gesunken ist. Die Differenz erkläre sich jedoch nicht ausschließlich durch behördliche Maßnahmen. Auch saisonale Schwankungen, neue Angebote, freiwillige Löschungen oder doppelte Inserate spielten eine Rolle, so PSOE-Sprecherin Catalina Cladera.

Sie wirft der Inselregierung vor, die Wirkung ihrer Politik zu überzeichnen. Es bringe nichts, sich mit gelöschten Anzeigen zu brüsten, wenn diese kurz darauf wieder online gingen. Zudem bezeichnete sie das Abkommen mit Airbnb als "papel mojado", also wirkungslos, da es keine über bestehende Gesetze hinausgehenden Verpflichtungen enthalte.

Unabhängig der Zahlenspiele bleibt der Druck auf den Wohnungsmarkt auf Mallorca hoch. Nicht zuletzt deshalb, weil mehr als 14.000 Wohnungen ausschließlich touristisch genutzt werden. Ein Übergang dieser Objekte in den regulären Mietmarkt, wie er in anderen Städten Spaniens zu beobachten ist, findet auf Mallorca kaum statt. Die starke Nachfrage im Tourismus stützt das Airbnb-Modell, für Mieter dürfte sich somit in absehbarer Zeit kaum etwas ändern.

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