Die israelische Marine hat in internationalen Gewässern westlich der griechischen Insel Kreta mehr als zwanzig Boote der Hilfsflotte "Global Sumud" gestoppt und Dutzende Aktivisten vorübergehend festgenommen. Nach ihrer Freilassung erheben mehrere Beteiligte schwere Vorwürfe gegen die israelischen Soldaten: Sie berichten von körperlicher Gewalt, Demütigungen und mehrtägiger Isolation.
Auch Xisco Benítez, der Vater eines jungen Aktivisten aus Mallorca, erhebt schwere Vorwürfe gegen israels Militär. Sein Sohn Àngel sei von Soldaten mit Fäusten traktiert worden. "Sie schlugen auf ihn ein, weil sie dachten, er sei Palästinenser und verstehe nicht, was man ihm sagte", sage der Vater gegenüber der MM-Schwesterzeitung "Ultima Hora". Àngel habe dabei eine Schulterverletzung erlitten. Darüber hinaus sei er gezwungen worden, sich vollständig auszuziehen. Andere Festgehaltene hätten noch schwerere Verletzungen davongetragen: "Einigen wurden durch Tritte die Rippen gebrochen", behauptet der Vater.
Die Festgenommenen seien auf ein frachtschiffähnliches Schiff gebracht worden, das als provisorisches Gefängnis eingerichtet worden sei. Drei Tage lang habe die Familie keinen Kontakt zu Àngel gehabt. "Wir waren in einem Videoanruf, als er die Schnellboote der Soldaten kommen sah und sagte: Papa, Mama, die Soldaten kommen, ich muss auflegen", schilderte sein Vater. Das Verhalten der Soldaten habe gewirkt, "als wären sie unter Drogen, so aggressiv waren sie".
Nach seiner Freilassung wurde Àngel gemeinsam mit anderen Aktivisten auf Kreta, konkret in Heraklion, untergebracht, wo er bei Freiwilligen auf seine Rückreise wartet. Zwei weitere Aktivisten – der spanische Staatsbürger Saif Abukeshek und der Brasilianer Thiago Ávila – befinden sich laut Angaben der Hilfsorganisation nach wie vor in israelischem Gewahrsam.
Israel hingegen betonte, die Operation sei im Einklang mit dem Völkerrecht verlaufen. Es habe keine Verletzten gegeben. Außenminister Gideon Saar sagte, die festgenommenen Aktivisten seien in Abstimmung mit der griechischen Regierung an Land gebracht worden. Athen habe sich zuvor bereit erklärt, sie aufzunehmen.
Auf diplomatischer Ebene reagierten Deutschland und Italien mit einer gemeinsamen Erklärung, in der sie den Stopp der Flottille mit "großer Besorgnis" verfolgten. "Wir rufen zur uneingeschränkten Achtung des geltenden Völkerrechts sowie zur Unterlassung unverantwortlicher Handlungen auf", hieß es darin. Die italienische Regierung forderte darüber hinaus die "sofortige Freilassung aller rechtswidrig festgehaltenen Italiener". Unter den Aktivisten befinden sich sowohl deutsche als auch italienische Staatsbürger.
Auf Mallorca hat die Organisation Marxes de Mallorca per Palestina in einer Versammlung in der Ortschaft Sineu das Vorgehen Israels scharf verurteilt. Sie bezeichnete die Aktion Israels als "Piraterie" und warf der Europäischen Union vor, diesen in ihren eigenen Gewässern "stillschweigend geduldet" zu haben. Die Organisation forderte die balearische Regionalregierung sowie das Außenministerium in Madrid auf, diplomatische Schritte einzuleiten und die Integrität der sechs von den Balearen stammenden Aktivisten zu garantieren. Zudem verlangte sie, die EU solle das Assoziierungsabkommen mit Israel aussetzen.
Die Hilfsflotte war einige Tage zuvor von Sizilien aus in See gestochen. Ziel war es, die seit 2007 bestehende israelische Seeblockade zu durchbrechen und humanitäre Güter in die Konfliktregion zu bringen, darunter auch Schulmaterial, das von Schulen auf Mallorca gespendet worden war. Eine vorherige Ausfahrt der "Global Sumud Flotilla" war im vergangenen Herbst ebenfalls von israelischen Spezialkräften gestoppt worden.