Die mallorquinische Propalästina-Aktivistin Reyes Rigo soll in den kommenden Stunden aus israelischer Haft entlassen und nach Spanien abgeschoben werden. Nach Angaben ihrer Mitstreiterin Lucía Muñoz, Stadträtin der Partei Podemos in Palma, habe Rigo einen Deal mit der Staatsanwaltschaft der Region Negev getroffen. Demnach räume sie eine leichte Körperverletzung in Notwehr gegen eine israelische Beamtin ein und zahle eine Geldstrafe von 2.500 Euro.
Rigo war Mitglied der Global-Sumud-Flottille, die am vergangenen Sonntag nach eigenen Angaben versucht hatte, humanitäre Hilfe in den Gazastreifen zu bringen. Während ihre Mitstreiterinnen – darunter die ebenfalls aus Mallorca stammenden Muñoz und Alejandra Fernández – nach Spanien abgeschoben wurden, blieb Rigo in Haft. Der Vorfall, der ihr zur Last gelegt wird, soll sich im Gefängnis von Keziot in der Negev-Wüste ereignet haben.
Die israelischen Behörden hatten am Mittwoch eine Haftverlängerung von Rigo bis Freitag angeordnet. Die zuständige Staatsanwaltschaft stellte Strafantrag und forderte Untersuchungshaft. Erst danach soll es zur Einigung zwischen Rigo und den Justizbehörden gekommen sein. Zunächst hieß es, die Familie der Aktivistin sei vom Konsulat informiert worden und bemühe sich nun, die Geldstrafe zu begleichen. Im Anschluss sollte Rigo über Istanbul nach Spanien zurückkehren.
Muñoz kündigte gegenüber der MM-Schwesterzeitung "Ultima Hora" kurz darauf an, ihr gesamtes Monatsgehalt für die "nicht gerechtfertigte" Strafe zu spenden. "Wir freuen uns sehr über die Nachricht, aber solange sie nicht aus Israel ausgereist ist, machen wir uns Sorgen", sagte sie. Rigo wird von den israelischen Behörden vorgeworfen, während eines Medizin-Checks eine Beamtin mutwillig gebissen zu haben. Die Spanierin hingegen will sich bedroht gefühlt und lediglich zur ihrer Verteidigung zugebissen haben.
Zugleich übte sie scharfe Kritik an den balearischen Institutionen. Es sei "absolut unverständlich", dass weder die Regionalregierung noch andere Behörden der Insel Stellung bezogen hätten, obwohl sich eine Mallorquinerin "in einer Ausnahmesituation" befinde.
Das spanische Außenministerium bestätigte, dass auch die übrigen Mitglieder der Flotilla in Kürze nach Spanien zurückkehren sollen. Das israelische Außenministerium äußerste indes Zweifel, ob die Flotte tatsächlich Hilfsgüter an Bord hatte. Man hege vielmehr den Verdacht, dass es den Aktivisten "mehr um PR und Follower in den sozialen Medien" gehe, sagte ein Ministeriumssprecher.