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EHEMALIGE HAFTANSTALT

Gefahr von Hantavirus und Pest: Stadt Palma stellt letzten Hausbesetzern ein Fünf-Tages-Ultimatum

In einem Bericht warnen Gesundheitsexperten vor der Ausbreitung gefährlicher Krankheiten im besetzten ehemaligen Gefängnis. Ursächlich seien die dort herrschenden "gravierenden hygienischen Missstände".

Menschliche Ausscheidungen, tonnenweise Müll und unzählige Ratten: In der ehemaligen Haftanstalt nahe des Einkaufszentrums Ocimax herrschen "gravierende hygienische Missstände". | Foto: Stadt Palma de Mallorca

| Palma de Mallorca |

Das Hantavirus ist derzeit in aller Munde - und schafft nun auch den rhetorischen Sprung nach Mallorca. Die Stadt Palma hat die Räumung der ehemaligen Gefängnisanlagen nahe des Einkaufszentrums Ocimax angeordnet, die seit geraumer Zeit von Hausbesetzern genutzt wird. Hintergrund sind gravierende hygienische Missstände, die nach Einschätzung der Behörden ein "erhebliches Gesundheitsrisiko" darstellen.

In einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht der Stadtverwaltung wird vor einem "ernsten epidemiologischen Problem" gewarnt. In dem heruntergekommenen Gebäudekomplex herrschten demnach Zustände, die die Ausbreitung von Krankheiten begünstigten. Besonders die hohe Zahl an Nagetieren wie Ratten gebe "Anlass zur Sorge". Diese könnten Krankheiten wie Hantavirus, Leptospirose, Salmonellose oder "sogar Pest" übertragen – etwa durch Bisse, Kratzer oder Parasiten. Es bestehe die Gefahr, dass sich Infektionen nicht nur unter den Bewohnern ausbreiten, sondern auch auf die übrige Bevölkerung übergreifen könnten. Darüber berichtete zunächst die MM-Schwesterzeitung "Ultima Hora".

Die hygienischen Zustände werden in dem Bericht als "alarmierend" klassifiziert: fehlende Abwasserentsorgung, große Mengen Müll sowie mit Urin gefüllte Kanister in den Innenhöfen. Die Stadtverwaltung verwies einmal mehr darauf, für diese Zustände "nicht verantwortlich" zu sein. Das Gebäude sei illegal besetzt.

Gleichzeitig teilt die Stadt am Mittwoch mit, die Einsprüche von insgesamt 45 Besetzern zurückgewiesen zu haben. Sie hatten gefordert, weiterhin in der Anlage ausharren zu dürfen. Die Verwaltung setzten ihnen eine Frist von fünf Tagen, um das Gelände freiwillig zu verlassen. Andernfalls werde man den Rechtsweg beschreiten, kündigte der Sprecher der Stadtregierung, Llorenç Bauzá, an.

Die Stadt verwies zudem darauf, dass den Betroffenen "alternative Hilfsangebote" unterbreitet worden seien, darunter temporäre Notunterkünfte für Einzelpersonen und Familien. Allerdings erfüllten viele der Bewohner die Voraussetzungen nicht. Nach Angaben der Sozialbehörden litten zahlreiche Personen an unbehandelten psychischen Erkrankungen oder Suchtproblemen. Auch fehle es teils an "grundlegender Selbstständigkeit". Derartige Fälle seien von den bestehenden Hilfsprogrammen ausgeschlossen.

Zudem hätten viele Betroffene gar keine Unterstützung beantragt. Laut Bericht nahmen 172 der registrierten Bewohner zu keiner Zeit Kontakt zu den Sozialdiensten auf. Gegenwärtig würden nur vier Personen betreut werden. Auffällig sei auch, dass sich keine Minderjährigen unter den Bewohnern befänden.

Die Stadt argumentiert weiter, dass soziale Leistungen grundsätzlich nur auf Antrag gewährt würden. "Die Verwaltung weist nicht von Amts wegen Wohnraum zu", heißt es. In keinem der eingereichten Einsprüche sei nachgewiesen worden, dass zuvor Sozialwohnungen oder finanzielle Hilfen beantragt worden seien.

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