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LLOGUER SEGUR – SICHERES WOHNEN

Mietprogramm auf Mallorca floppt – Haushalte geben 60 Prozent ihres Einkommens für Wohnen aus

Das Garantienprogramm Lloguer Segur sollte 3.000 leerstehende Wohnungen mit Mietern füllen – bislang sind es 82. Nun will Ministerpräsidentin Prohens nachbessern. Derweil verweisen Verbraucherschützer auf die landesweit höchsten Belastungen.

In Mallorcas Hauptstadt Palma stehende tausende Wohnungen leer.

| | Palma de Mallorca |

Das Thema Wohnen wird auf Mallorca zunehmend zur Belastungsprobe – für Menschen und Politik gleichermaßen. Die Regionalregierung der Balearen will am kommenden Freitag die Eckpunkte ihres Programms Lloguer Segur (Sicheres Mieten) nachbessern. Der Grund: Seit seinem Start Ende 2024 hat das Programm gerade einmal 82 Wohnungen auf den Markt geworfen. Von dem angepeilten Ziel von 3.000 ist das Projekt somit weit entfernt.

Ministerpräsidentin Marga Prohens (Volkspartei, PP) räumte am Dienstag ein, dass der Erfolg des Programm überschaubar sei. Die Opposition im Landtag reagierte darauf mit lautstarken Buhrufen. Lloguer Segur bietet privaten Vermietern staatliche Garantien, damit diese ihre leerstehenden Wohnungen auf den Markt bringen.

Prohens verteidigte ihr Programm dennoch: Die vermittelten Wohnungen würden zu Preisen "unterhalb des Marktniveaus" vermietet, sagte sie. Zum Vergleich verwies sie darauf, dass die linksgerichtete Vorgängerregierung mit der Zwangsbewirtschaftung leerstehender Wohnungen "lediglich 16 Einheiten" mobilisiert habe. Die eigentliche Ursache der angespannten Lage auf dem Mietmarkt sieht die konservative Politikerin anderswo: "Tausende Kleinvermieter" hielten ihre Wohnungen lieber leer, weil sie Angst vor sogenannten Inquiokupas hätten – Mietern, die Miete schuldig blieben und sich auf die spanische Rechtslage beriefen.

"Private Eigentümer bevorzugen es, ihre Wohnungen nicht zu vermieten, weil sie Angst haben", sagte Prohens. Sie machte dafür die Rechtslage in Spanien verantwortlich, die ihrer Ansicht nach "Kriminelle schützt". Den Vorwurf einer gescheiterten Mietpreispolitik konterte sie mit einem Seitenhieb auf Katalonien: Auch dort habe die Ausweisung von Gebieten mit angespanntem Wohnungsmarkt (mercado tensionado) und die damit verbundene Mietpreisbremse versagt.

Diese Lesart stieß bei der Opposition auf wenig Zustimmung. Josep Castells von Més per Menorca hielt der Regierungschefin entgegen, genau gegen solche Ängste sei das Programm Lloguer Segur doch geschaffen worden. "Warum stehen diese tausenden Eigentümer dann nicht Schlange, um ihre Wohnungen ins angeblich sichere Programm einzubringen?", fragte er ironisch.

Castells lenkte den Blick auf ein anderes Problem: die Konzentration von Wohnraum in den Händen ausländischer Käufer, die Immobilien als Zweitwohnsitz oder für touristische Zwecke erwürben und diese "einen Großteil des Jahres leer stehen lassen". Er warf der regierenden Volkspartei vor, einen Gesetzentwurf, der Immobilienkäufe durch Ausländer begrenzen sollte, abgeschmettert zu haben – "ohne ihn auch nur gelesen zu haben", wie Castells beklagte.

Dass der Ferienmarkt auf Kosten des regulären Mietmarktes wächst, belegen aktuelle Zahlen: Laut dem Immobilienportal Idealista hat das Angebot an Saisonvermietungen in Mallorcas Hauptstadt Palma im ersten Quartal dieses Jahres um 23 Prozent zugelegt. Bereits ein Viertel aller verfügbaren Mietwohnungen in der Inselhauptstadt entfällt demnach in diese Kategorie. Der klassische Langzeitmietmarkt hingegen wuchs im gleichen Zeitraum nur um drei Prozent.

Wer auf den Balearen mietet oder eine Hypothek bedient, trägt eine schwere Last. Nach Angaben des Verbraucherschutzvereins Consubal fließen inzwischen "mehr als 60 Prozent" des Familieneinkommens in die Wohnkosten – doppelt so viel wie die von internationalen Organisationen empfohlene Obergrenze von 30 Prozent.

Mallorca und die Nachbarinseln belegen im nationalen Vergleich den Spitzenplatz bei den Mietpreisen. Hinzu kommt eine überdurchschnittlich hohe Lebenshaltungskosten: Die Lebensmittelausgaben lagen 2025 mit rund 2.130 Euro pro Person und Jahr fast 15 Prozent über dem nationalen Durchschnitt – beeinflusst durch hohe Transportkosten und die starke touristische Nachfrage.

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