Rund 40 Bewohnern eines Gebäudes in der Calle Concepció in der Hauptstadt von Mallorca ist die Wasserversorgung abgestellt worden – offenbar, um sie zum Auszug zu bewegen, wie die spanischsprachige MM-Schwesterzeitung Ultima Hora berichtete. In dem Haus mit der Nummer 22, umgeben von aufwendig sanierten Altbauten, Luxusimmobilienbüros und Fünf-Sterne-Hotels, leben etwa vierzig Menschen in einem der letzten nicht renovierten Gebäude der Gegend in Palma. Seit dem 28. April fehlt ihnen jedoch der Zugang zu fließendem Wasser. Nach Angaben der Betroffenen kappte der Verwalter illegalerweise die Versorgung, nachdem ein ausländischer Investmentfonds die Immobilie erworben hatte. Ziel sei es, die Bewohner zum Verlassen des Hauses zu drängen.
Die Familien betonen, ihre Miete weiterhin zu zahlen – rund 500 Euro in bar, allerdings ohne Mietvertrag oder Quittungen. Der Fonds besitzt nach ihren Angaben zudem mehrere weitere leerstehende Gebäude in der Calle Concepció sowie in der Calle Can Cavalleria, mitten in der Altstadt Palmas, wo die Immobilienpreise stark gestiegen sind.
Die Wasserversorgung sei rechtswidrig unterbrochen
Für die betroffenen Familien ist die Situation dramatisch. Insgesamt leben dort auch neun minderjährige Kinder, die Schulen in der Umgebung besuchen. Um den Alltag zu bewältigen, holen die Bewohner Wasser in Kanistern von einem nahegelegenen Brunnen, unter anderem für die Körperpflege.
Viele der Bewohner sind Migranten ohne regulären Aufenthaltsstatus und arbeiten in prekären Verhältnissen, etwa als Reinigungskräfte, Bauarbeiter oder Mechaniker. Einige berichten, in ihren Herkunftsländern qualifizierte Berufe ausgeübt zu haben, sich jedoch aufgrund unsicherer Lebensbedingungen zur Auswanderung gezwungen gesehen zu haben.
Große Hoffnungen setzen sie auf eine mögliche außerordentliche Regularisierung, die ihnen Zugang zu regulären Arbeitsverträgen verschaffen könnte. "Derzeit verdienen wir weniger, weil unsere Situation ausgenutzt wird", schildern Betroffene. Mit festen Arbeitsverhältnissen wollen sie versuchen, regulären Wohnraum zu finden. Derzeit jedoch stehe im Raum, dass sie ihre Wohnungen verlassen sollen.
Scharfe Kritik kommt von der spanischen Bürgerbeauftragten Anna Moilanen. Sie spricht von einer "sehr schwerwiegenden Verletzung öffentlicher Rechte". Die Unterbrechung der Wasserversorgung sei rechtswidrig und verstoße gegen grundlegende Rechte, insbesondere auch gegen den Schutz von Minderjährigen. Nach ihrer Einschätzung sei ein solcher Schritt selbst im Falle eines laufenden Räumungsverfahrens nicht zulässig. Ob ein offizielles Räumungsverfahren bereits eingeleitet wurde, ist unklar. Versuche, eine Stellungnahme des Eigentümers oder der Hausverwaltung zu erhalten, blieben bislang ohne Erfolg.