Nachdem der spanische Ex-Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero (Sozialdemokraten, PSOE) vor wenigen Tagen unvermittelt ins Visier der Korruptionsjäger geriet, gibt es nun erste Anzeichen für eine Verbindung nach Mallorca. Im Zentrum der Ermittlungen steht eine Gesellschaft mit Sitz in Santanyí, die nach Einschätzung der Behörden Teil eines mutmaßlichen internationalen Geldwäsche-Netzwerks gewesen sein könnte.
Ausgangspunkt der Ermittlungen waren nach Darstellung der MM-Schwesterzeitung "Ultima Hora" Hinweise der Genfer Staatsanwaltschaft. Die Schweizer Behörden wurden auf den niederländischen Investor Simon Verhoeven Leendert aufmerksam, der über die mallorquinische Firma Gerencia Deep S.L. operiert haben soll. Verhoeven wird demnach verdächtigt, der Fluggesellschaft Plus Ultra 1,2 Millionen Euro geliehen zu haben. Die Airline war während der Corona-Pandemie mit 53 Millionen Euro durch die staatliche Beteiligungsgesellschaft SEPI gestützt worden – ein Vorgang, der inzwischen Gegenstand umfangreicher Ermittlungen ist.
Die spanische Antikorruptionsstaatsanwaltschaft leitete daraufhin im Oktober 2024 ein Verfahren am Zentralgerichtshof Audiencia Nacional ein. Grundlage waren Rechtshilfeersuchen aus der Schweiz und Frankreich. Bereits damals ordneten die Ermittler Durchsuchungen in Madrid, Pozuelo, auf Teneriffa und auf Mallorca an. Auf der Insel wurde ein mit Verhoeven verbundenes Wohnobjekt durchsucht. Dabei sollen Unterlagen und Kommunikation sichergestellt worden sein, die später auch zur Ausweitung der Ermittlungen gegen Zapatero beigetragen hätten.
Nach Darstellung der Ermittler spielte der Niederländer eine Schlüsselrolle in einem internationalen Netzwerk zur Geldwäsche. Die mutmaßlich illegalen Gelder sollen unter anderem aus Geschäften rund um venezolanische Goldreserven sowie aus veruntreuten Staatsgeldern stammen. Allein in einem Teilkomplex gehe es um rund 30 Millionen Euro, die über die Vereinigten Arabischen Emirate transferiert worden sein sollen. Ein Teil des Geldes könnte anschließend über Kredite an Plus Ultra in den legalen Wirtschaftskreislauf gelangt sein.
Die Mallorca-Connection könnte in den Ermittlungen eine entscheidende Rolle spielen. Gerencia Deep S.L. wurde Anfang 2020 gegründet – ein Jahr vor der staatlichen Rettung der Airline. Im Handelsregister taucht als Geschäftszweck lediglich der Erwerb und die Verwaltung von Immobilien auf. Als Firmensitz wurde ein Büro in Santanyí angegeben, das nach Angaben aus dem Umfeld der Kanzlei inzwischen keine Verbindung mehr zu Verhoeven haben soll. Ermittler prüfen nun, ob Immobiliengeschäfte auf der Insel zur Verschleierung von Geldwäsche genutzt wurden.
Parallel dazu verschärft sich der Druck auf Zapatero selbst. Ermittlungsrichter José Luis Calama ließ inzwischen Vermögenswerte des früheren Regierungschefs (2004-2011) in Höhe von knapp 491.000 Euro sperren. Betroffen seien Gelder, die Zapatero von der Beratungsfirma Análisis Relevante erhalten habe. Die Gesellschaft steht im Verdacht, Teil eines Netzwerks zur politischen Einflussnahme gewesen zu sein. Insgesamt sollen laut Ermittlern rund 1,95 Millionen Euro an Zapatero und Personen aus seinem Umfeld geflossen sein.
Der Ex-Regierungschef weist sämtliche Vorwürfe zurück. In einer Videobotschaft erklärte er, seine gesamte öffentliche und private Tätigkeit habe sich "stets unter absoluter Achtung der Legalität" bewegt. "Ich hatte niemals eine Handelsgesellschaft, weder direkt noch über Dritte", sagte Zapatero.