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Vorteilskarte für PP-Mitglieder sorgt für aufgeregte Debatte

Boykott-Drohungen gegen beteiligte Geschäfte und ein Nazi-Vergleich

Sorgt für Zündstoff: Die blaue Karte der PP.

Es war nicht der Europawahlkampf, der in den vergangenen Tagen die politische Debatte auf Mallorca bestimmte. Und auch nicht die umstrittene Stadtverordnung von Palma. Heiß, sehr heiß diskutiert wurde die Einführung einer Vorteilskarte für die Mitglieder der Partido Popular (PP) auf den Inseln. Der Streit gipfelte darin, dass eine PP-Sprecherin der Opposition Nazimethoden vorwarf.

Was ist geschehen? Die PP hat eine "Tarjeta Blava" (blaue Karte) kreiert, mit der ihre Mitglieder in rund 300 Geschäften auf den Balearen Rabatte erhalten sollen. Zu den Unternehmen, die sich angeschlossen haben, gehören Boutiquen, Blumenläden, Juweliere und Restaurants, aber auch große Hotelketten.

Die Karte war noch nicht operativ, als der Sturm bereits einsetzte, vor allem in den sozialen Netzwerken. Zu den Kritikern gehören auch mehrere Oppositionspolitiker, die offen zum Boykott der beteiligten Geschäfte aufriefen. Die Liste der Unternehmen wurde gleich mit veröffentlicht.

Die harsche Kritik blieb nicht ohne Wirkung. Erste Geschäfte sollen ihre Mitwirkung an der Tarjeta wieder zurückgezogen haben. Die Confederación Balear de Comercio, ein Verbund von Einzelhandelsläden, kam zu dem Schluss, dass es das Beste wäre, die Karte wieder zurückzunehmen, obwohl die einzelnen Händler in Schutz genommen werden. "Jeder Geschäftsmann kann frei entscheiden. Wir suchen doch nur potenzielle Kunden." Gleichzeitig distanzierte man sich als Verband von dem Vorhaben: "Wir waren und sind politisch unabhängig."

Wie groß der Druck ist, zeigte das Beispiel des Juniorchefs eines Fotogeschäfts in Palma, der sich via Facebook und unter Tränen dafür entschuldigte, die Tarjeta akzeptiert zu haben.

Am Montag holte die PP zum Gegenschlag aus. Mabel Cabrer, Fraktionssprecherin im Balearen-Parlament, geißelte die "konzertierte Aktion" der Linken gegen PP und Geschäftswelt. Es sei eine Schande, dass Unternehmen sich bedroht fühlen müssten. Und dann legte Cabrer richtig nach: "Das erinnert an die Nazis, als sie jüdische Geschäfte mit dem Davidstern markierten." Zwei Tage und viele Kommentare später entschuldigte sich Cabrer für den Vergleich.

Die Sozialisten und das linksgrüne Bündnis Més hatten bereits in einer Parlamentssitzung am Dienstag klargestellt, dass sie als Parteien nie zum Boykott aufgerufen hätten. "Aber jeder ist frei in seiner Entscheidung, dort zu kaufen, wo er es für richtig hält." Die PSOE will auf parlamentarischem Wege gegen die Tarjeta kämpfen: Es gelte zu prüfen, ob beteiligte Unternehmen noch öffentliche Aufträge annehmen dürften.

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