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Venezuela

Vom mächtigen Diktator zum Häftling: Maduros Geschichte führt auch nach Mallorca

Während Venezuelas abgesetzter Diktator im Zentrum internationaler Schlagzeilen steht und nach seiner Festnahme in den USA vor Gericht muss, wissen nur wenige: Auch er hat eine Verbindung zur Insel

V.l.n.r.: Spaniens Außenminister Moratinos, Venezuelas Präsident Chávez, Spaniens König Juan Carlos und Nicolás Maduro | Foto: Archiv Ultima Hora

| Palma, Mallorca |

Während Venezuelas abgesetzter Diktator Nicolás Maduro heute im Zentrum internationaler Schlagzeilen steht und nach seiner Festnahme in den USA vor Gericht muss, wissen nur wenige: Auch er hat eine Mallorca-Geschichte. Und die erzählt sich so:

Am 26. Juli 2008 landete auf dem Flughafen Palma ein Flugzeug aus Lissabon, an Bord Hugo Chávez, damals Präsident Venezuelas, und sein engster Vertrauter Nicolás Maduro. Sie waren gekommen, um König Juan Carlos I. im Marivent-Palast in Cala Major zu treffen. Es war das erste Zusammentreffen nach dem diplomatischen Eklat des Vorjahres, als Spaniens Monarch Chávez auf einem iberoamerikanischen Gipfel mit den Worten "Warum hältst du nicht einfach die Klappe?" zurechtwies.

Maduro, damals Außenminister, koordinierte die Reise seines Präsidenten. Auch Spaniens damaliger Außenminister Miguel Ángel Moratinos reiste eigens nach Palma. Francesc Antich, Ministerpräsident der Balearen, der selbst in Caracas geboren war, wollte Chávez persönlich empfangen. Antich erinnerte Chávez an seine venezelanische Herkunft – Chávez entgegnete in Maduros Gegenwart scherzhaft: "Wir sind halt von vielem infiltriert". So wurde die Insel vor 18 Jahren für kurze Zeit Bühne venezolanischer Politik.

Der Besuch im Sommer 2008 wirkt heute wie ein Relikt einer anderen Epoche: Chávez lebte noch, Maduro war der zweite Mann, und Mallorca diente als Kulisse für diplomatische Annäherung. Dass derselbe Mann Jahre später als autoritärer Machthaber in den USA vor Gericht stehen würde, war damals kaum vorstellbar. Doch seine politische Biografie führt – zumindest für einen kurzen Moment – eben auch auf diese Insel.

Enge Verbindungen zwischen Mallorca und Venezuela

Mallorca hat bis heute enge biografische Verbindungen zu Venezuela: In den 1950er-Jahren galt das Land als Chance für europäische Auswanderer. Aus den Familien, die in dem damals aufstrebenden Land ihr Glück suchten, stammen Politiker wie Antich selbst, der frühere Bürgermeister von Sóller Ramon Socias oder der Sozialist Josep Bernales. Ein Sonderfall ist der Kolumnist Bartolomé Sancho Morey, Mallorquiner mit doppelter Staatsbürgerschaft, der dem chavistischen System weiterhin verbunden ist.

Der damalige Mallorca-Ministerpräsident Francesc Antich (l.) mit Präsident Hugo Chávez. Rechts: Maduro. Foto: M. A. Cañellas

Heute findet die Auswanderung jedoch in umgekehrter Richtung statt: Fast 10.000 auf den Balearen gemeldete Personen wurden in Venezuela geboren, ihre Zahl steigt wegen der misslichenLage ihres Heimatlandes kontinuierlich. Entsprechend wird die Politik Venezuelas auch hier aufmerksam verfolgt.

Vom reichsten Land des Kontinents zum Armenhaus

Venezuela war einst das wohlhabendste Land Südamerikas, getragen vom Ölreichtum der 1970er- und 1980er-Jahre. Das schwarze Gold machte Caracas zu einer der modernsten Metropolen des Kontinents und zog viele Migranten aus Europa an. Unter Chávez begann ab der Jahrtausendwende jedoch der Niedergang.

Denn den seinen zunächst vielgelobten Sozialreformen folgten politische "Säuberungen" und eine systematische Unterdrückung der Opposition. Zahlreiche wirtschaftliche Fehlentscheidungen führten zu einer tiefen Krise. Der Verfall des Ölpreises und veraltete Förderanlagen führten spätestens seit Maduros Machtübernahme 2013 zur Verarmung eines Großteils der Bevölkerung. Grundversorgung und Sicherheitslage sind heute katastrophal. In den vergangenen 15 Jahren hat sich das Land zudem in eine autoritäre Diktatur verwandelt, die von Korruption, Hunger und Gewalt geprägt ist.

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