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14-Jährigen entführt und erpresst: Lange Haftstrafe für Youtuber auf Mallorca

Das Gericht sah als erwiesen an, dass der Beschuldigte sein Opfer über Monate psychologisch misshandelte und dadurch Bargeld in Höhe von insgesamt 2.000 Euro erhielt.

Einsatzwagen der Nationalpolizei (Symbolbild)

| Palma, Mallorca |

Ein spanischer Youtuber ist wegen der Entführung und wochenlangen Erpressung eines 14-Jährigen zu neun Jahren Haft verurteilt worden. Das Urteil erging vor der Audiencia Provincial in Palma. Drei Mitangeklagte erhielten weitere Strafen; insgesamt summieren sich die Freiheitsstrafen auf zehneinhalb Jahre. Die Angeklagten hatten sich schuldig bekannt und nach Angaben der Staatsanwaltschaft 18.445 Euro als Wiedergutmachung hinterlegt. Strafmildernd wurden unter anderem die Schadensregulierung und Verfahrensverzögerungen berücksichtigt.

Nach den Feststellungen des Gerichts sprachen der Youtuber Patrón Cortés und ein Komplize den Jugendlichen im März 2021 in Palma an. Sie hätten gewusst, dass dessen Familie wohlhabend sei, und forderten unter einem Vorwand Geld. Der 14-Jährige sei in ein abgelegenes Gebiet gelockt, bedroht und geschlagen worden. Man habe ihm angedroht, ihn und seine Familie zu töten, sollte er nicht zahlen. Später sei er unter hohem "psychologischen Druck" zu seiner Wohnung gefahren worden, um das Geld zu besorgen.

In den folgenden Wochen soll der Hauptangeklagte den Jungen wiederholt persönlich und über soziale Netzwerke kontaktiert und massiv bedroht haben. In Textnachrichten kündigte er an, ihn zu töten, selbst wenn ihm dafür eine weitere Haftstrafe drohe. Aus Angst übergab der Jugendliche mehrfach Bargeld sowie sein altes Mobiltelefon. Insgesamt summierten sich die Zahlungen laut Anklage auf rund 2000 Euro aus den Ersparnissen des Jungen und seiner Familie.

Als der 14-Jährige die Forderungen nicht mehr erfüllen konnte, habe der Hauptangeklagte ihm mit weiteren Gewalttaten gedroht und angekündigt, ihn vor seiner Schule abzupassen. Erst daraufhin vertraute sich der Schüler seinem Vater an, der Anzeige erstattete. Selbst danach soll der Beschuldigte weiter angerufen und Drohungen ausgesprochen haben.

Die psychischen Folgen für das Opfer waren nach Angaben des Gerichts "erheblich". Seine schulischen Leistungen verschlechterten sich, er verlor deutlich an Gewicht und begab sich wegen einer posttraumatischen Belastungsstörung in Behandlung. Die Nationalpolizei nahm nach der Anzeige mehrere Verdächtige fest. Mit dem Geständnis und dem Urteil ist das Verfahren nun abgeschlossen.

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