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Als Hormus spanisch war – und Irans Kriegsschiffe im Hafen von Palma lagen

Während alle Welt derzeit wie gebannt das Augenmerk auf die Meerenge am Persischen Golf richtet, befördert ein Blick ins MM-Archiv ganz andere und ungeahnte Zusammenhänge ans Tageslicht

Auf ihrer Jungfernfahrt machten die beiden Schiffe der iranischen Marine 1972 im Hafen von Palma de Mallorca fest. Das Foto stammt aus dem Mallorca Magazin. | Foto: Patricia Lozano

| Mallorca |

Hätte der amtierende 
US-Präsident nicht bereits verfügt, den Golf von Mexiko in „Golf of America” umzubenennen, er könnte womöglich auf die Idee kommen – nach einer unzweifelhaft siegreichen Intervention im Nahen Osten – den Persischen Golf ebenfalls in „US-Golf 2.0” umzutaufen. Den arabischen Anliegern an der Südseite des Gewässers ist es traditionell stets ein Dorn im Auge, dass dieser schmale Meeresarm des Indischen Ozeans weltweit unter der Bezeichnung des nördlichen Erzfeindes als „persisch” firmiert – und nicht ebenfalls „Arabisches Meer” heißt.

Ach ja, der Persische Golf! Früher ein Paradies der Perlentaucher, die in den einst kristallklaren Wassern Apnoe-mäßig per Steinballast in die tiefsten Tiefen hinabglitten, um zwischen Haien und Korallen nach den kostbaren Naturschätzen Ausschau zu halten. Heute sind diese kaum noch zu finden, also weder Perlen noch Taucher, denn andere Naturschätze wie Erdöl und Gas sowie die Jagd nach diesen fossilen Brennstoffen haben das Wasser dort derart aufgewühlt und getrübt, dass dessen Reinheit, wie man es aus den Tagen von Sindbad dem Seefahrer kannte, ebenfalls jener Vergangenheit angehört.

Es ist keine Perle, aber immerhin ein rötlicher Naturstein im Meer, der jene ohnehin schmale Meeresenge (wir sprechen von 35 Kilometern, das ist, bitte schön, die Strecke Palma-Inca) noch mehr wie ein Hindernis blockiert und der Seestraße zugleich ihren Namen beschert: Hormus heißt das nahezu kreisrunde Eiland, samt einem Zauberberg, der für seine Roteisen-Heilerde seit alters her gerühmt wird. Und eben jenes Hormus, man glaubt es kaum, war immerhin gut 40 Jahre ein Teil des spanischen Imperiums, in dem die Sonne wahrhaft niemals unterging.

Hormus im Persischen Golf. Foto: Wikimedia Commons/NASA Earth Observatory image by Lauren Dauphin

Von 1580 bis 1622 unter "Iberischer Union"

Sicher, es waren die lusitanischen „Primos”, sprich Cousins, der Spanier, die bei ihrem Vordringen um Afrika und bis nach Nippon (das japanische Reich, wo angeblich stets die Sonne aufgeht) beharrlich nach jenen Inseln suchten, auf denen der Pfeffer wächst. So drangen sie im 15. Jahrhundert auch in den Persischen Golf vor (und weiter nach Goa, Timor, Malakka, Macau) und heimsten mit ihren Schiffen, eine der modernsten Kriegsflotten ihrer Zeit, 1515 auch das iranische Hormus ein. Klar, dass sie sich auf dem Felsen eines ihrer Bollwerke errichteten, das „Fort der Portugiesen”, dessen Ruinen noch heute besichtigt werden können, wenn in der Gegend nicht schon wieder angespannte Kriegsstimmung wäre. Und eben jenes okkupierte Hormus geriet im Zuge der „Iberischen Union” von 1580 bis 1640 wie ganz Portugal und sämtliche seiner Übersee-Besitzungen (von Angola, Moçambique und Brasilien bis Indien) unter die Allmacht der spanischen Krone.

Klar, dass auch die Spanier in jenen Jahrzehnten ihre Militärflotte samt Waffen und Munition an den Golf schickten. Eine einst in Toledo gegossene Kanone, die 1622 bei der iranischen Rückeroberung von Hormus in die Hände von Schah Abbas fiel, soll heute noch im Museum in Teheran als Prunkstück zu bestaunen sein. Natürlich wäre dem Monarchen aus Isfahan der Beutezug kaum geglückt, wenn ihn nicht die britische Ostindien-Kompanie mit sechs englischen Kriegsschiffen unterstützt hätte.

Die Ruinen des "Forts der Portugiesen". Foto: Wikimedia Commons/Fariborz

Nebenbei bemerkt: Bei den Kämpfen auf dem Eiland kam auch der englische Seefahrer und Entdecker William Baffin ums Leben. Bevor er sich dem Krieg am Golf hingab, hatte es ihn weit im Norden des Globus’ umgetrieben. Eine Bucht zwischen Westgrönland und dem Kanadisch-arktischen Archipel, die von ihm 1615 als Erster detailliert beschrieben und kartographiert worden war, trägt als „Baffin Bay” seinen Namen.

War es die damalige Waffenbrüderschaft mit den Engländern, die im 20. Jahrhundert den Schah Mohammad Reza Pahlavi veranlasste, vier modernste Kriegsschiffe bei einer englischen Werft in Auftrag zugeben? Im Jahre 1972 machten die ersten beide Fregatten der „Saam”-Klasse auf ihrer Jungfernfahrt auch in Palma Station. „Die Schiffe des Schahs zu Gast”, titelte der nautische Reporter des Mallorca Magazins (Nr. 3). Der damalige MM-Kollege war von der glatten Außenhaut der Schiffe beeindruckt: „Es gibt keine Öffnung in diesem durch Klimaanlage belüfteten Schiffsrumpf. Auch im Persischen Golf (...) rechnet man vorsorglich mit Radioaktivität.” Die beiden Schiffe „Saam” und „Saal” trugen die Namen urpersischer Fabelhelden und wurden nach der islamischen Revolution 1979 umbenannt in „Alvand” und „Albors”, zwei iranische Berggipfel.

Das Mallorca Magazin, Nummer 3 von 1972, berichtete über den Besuch der iranischen Einheiten.

Wie das militärwissenschaftliche Portal für Europäische Sicherheit & Technik (ESUT) vermerkt, wurden die beiden Schiffe jetzt „als Teil des ,maritimen Kollapses’ der iranischen Marine in Kampfhandlungen im Jahr 2026 als versenkt oder als schwer beschädigt gemeldet”. Die Fachleute beziehen sich damit auf die aktuellen Gefechte am Golf, die momentan aufgrund der Waffenruhe innehalten, und kommen zu dem Fazit: „Die maritime Verteidigungsarchitektur des Iran ist zumindest als kohärenter Verbund nicht mehr existent”.

Nicht mehr existent – das gilt auch für all die Imperien, wie sie einst entstanden, das Großpersische Reich der Antike, das Imperium Karls V. und Philipp II. samt ihrer spanischen Armada, das britische Empire. Lediglich Inseln wie etwa Hormus beweisen als herausragende Felsen im Meer Beständigkeit. Auf einem dieser Felsen, genauer gesagt Mallorca, schrieb der deutsche Emigrant und Hitlergegner Frank Arnau, als er ins Exil fliehen musste, 1933 lyrische Zeilen über seine Tage auf dem Eiland: Sei unverzagt! / Und lebe dieser Insel Wunderzeit / denn kurz ist alle Ewigkeit / und schrecklich lang ist nur dies kurze Leben!

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