Die Deutschen fliegen wieder – und sie fliegen vor allem in eine Richtung: nach Spanien, genauer gesagt nach Mallorca. Während der internationale Luftverkehr insgesamt noch unter dem Rekordniveau von 2019 bleibt, steht die Baleareninsel weiterhin an der Spitze des europäischen Flugverkehrs. Allein am Flughafen Palma wurden 2025 knapp 9,9 Millionen Passagiere aus Alemania abgefertigt, fast genauso viele wie im Vorjahr. Kein anderes Ziel außerhalb des deutschsprachigen Raums erreicht auch nur annähernd diese Dimension. Das belegen die aktuellen Verkehrszahlen des spanischen Flughafenbetreibers Aena.
Damit wird klar: Der oft beschworene Wandel im Reiseverhalten findet statt – aber nicht zulasten Mallorcas. Im Gegenteil. Die Insel ist längst mehr als ein klassisches Sommerziel. Sie ist für Millionen Deutsche zum festen Bestandteil ihres Lebensrhythmus geworden.
Ausland boomt – Inland verliert
Ein Blick auf die Gesamtdaten bestätigt diesen Trend. Rund 68,5 Millionen Menschen starteten im Sommerflugplan 2025 von deutschen Flughäfen ins Ausland – deutlich mehr als im Vorjahr. Gleichzeitig schrumpft der innerdeutsche Flugverkehr weiter. Mit nur noch 5,3 Millionen Passagieren liegt er mehr als 50 Prozent unter dem Niveau von 2019. Wer heute fliegt, fliegt nicht mehr zwischen Berlin und München, sondern zwischen Hamburg und Palma. Die Zahlen stammen vom Statistischen Bundesamt (Destatis).
Der Luftverkehr verlagert sich – geografisch und mental. Fliegen gilt im Inland zunehmend als überflüssig, im Urlaub dagegen als akzeptabel. Mallorca profitiert davon direkt: Die Insel liegt in idealer Reichweite, ist perfekt angebunden und vertraut genug, um auch bei kürzeren Aufenthalten attraktiv zu bleiben.
Spanien überholt sich selbst
Spanien war im Sommer 2025 erneut das beliebteste europäische Flugziel der Deutschen. Mit 16,8 Millionen Passagieren zwischen April und Oktober vergangenen Jahres wurde sogar das Vor-Corona-Niveau leicht übertroffen. Das ist mehr als eine statistische Randnotiz: Spanien ist damit eines der wenigen großen Reiseländer für Deutsche, das die Pandemie im Flugverkehr nicht nur aufgeholt, sondern hinter sich gelassen hat – ebenfalls belegt durch Auswertungen von Destatis.
Mallorca spielt dabei die Schlüsselrolle. Ein erheblicher Teil der Spanien-Flüge endet auf der Mittelmeerinsel – und das nicht nur in den klassischen Ferienmonaten. Die Saison wird länger, die Motive vielfältiger: Zweitwohnsitze, Homeoffice, Kurztrips, Familienbesuche.
Auch die Schweizer entdecken Mallorca neu
Auffällig ist zudem der wachsende Anteil von Reisenden aus der Schweiz. Während der deutsche Markt bereits auf sehr hohem Niveau stabil bleibt, legten Schweizer Flugverbindungen nach Palma spürbar um mehr als 5,5 Prozent auf rund 1,3 Millionen Passagiere zu. Auch die Briten, die mit etwa 5,5 Millionen in Palma abgefertigten Passagieren auf dem zweiten Platz des Nationen-Flugrankings stehen, legten im vergangenen Jahr trotz Brexit-Hürde um mehr als drei Prozent zu. Für den Flughafen Mallorca bedeutet das: Die Abhängigkeit vom deutschen Markt nimmt relativ ab, ohne dass dessen Bedeutung schwindet – auch das zeigen die Passagierstatistiken von Aena. Insgesamt fertigte der Airport Mallorca im vergangenen Jahr knapp 34 Millionen Fluggäste ab.
Das bundesdeutsche Flugjahr 2025 erzählt keine Geschichte vom Ende des Reisens, sondern von seiner Konzentration. Weniger Inlandsflüge, mehr Europa. Weniger Experimente, mehr bewährte Ziele. Mallorca steht dabei sinnbildlich für eine neue Normalität: ökologisch umstritten, politisch diskutiert – und dennoch ungebrochen gefragt.