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Tourismus-Experte: Die Saison 2026 auf Mallorca wird alles andere als leicht

Die Insel leidet unter hausgemachten Problemen wie massiver Preissteigerungen seit der Corona-Pandemie und gerät unter immer größeren Druck durch die Mitbewerber

Wird Mallorca auch 2026 als Reiseziel gefragt sein? | Foto: Patricia Lozano

| Mallorca |

Die Daten der mit den Balearen konkurrierenden Reiseziele im Mittelmeerraum - Türkei, Ägypten, Tunesien, Marokko - sprechen eine eindeutige Sprache. Und auch wenn es nicht logisch erscheinen mag, ganze Staaten mit einer Region wie Mallorca zu vergleichen, so kommt die Realität im Zuge der geopolitischen Entspannung doch immer stärker zum Vorschein. Die Balearen sind zwar weiterhin das wichtigste Sommerurlaubsziel für die europäischen Quellmärkte, sprich Deutschland, England und die übrigen europäischen Nationen, doch die Rahmenbedingungen haben sich deutlich verändert – insbesondere im Hinblick eben auf die genannten orientalischen und nordafrikanischen Reiseziele Türkei, Ägypten, Tunesien, Marokko. Das zeigte sich besonders auf der im Januar stattgefundenen touristischen Fachmesse in Madrid, der Fitur, die neben der ITB in Berlin und dem World Travel Market in London, die bedeutendste in Europa ist.

Die Entwicklung der vier oben genannten Destinationen hat im Jahr 2026 alle Prognosen übertroffen. Die Investitionen haben dort weiter zugenommen – sowohl beim Ausbau des Hotelangebots als auch bei der Verbesserung der Infrastrukturen innerhalb der gesamten touristischen Wertschöpfungskette. Hinzu kommt, dass die Balearen, insbesondere Mallorca, infolge der seit der Pandemie stetig steigenden Preise zu einem teuren Urlaubsziel geworden sind. In den vergangenen vier Jahren lagen die Preissteigerungen bei über 20 Prozent, im Luxussegment der Hotellerie stiegen sie sogar um bis zu 50 Prozent.

Die Boutique-Hotels in Palma erreichen historische Höchstwerte an Rentabilität und Einnahmen. Und dennoch werden dort die Zimmerpreise weiter erhöht, da die boomende Nachfrage dies durchaus zulässt. Das Angebot der Gastronomie folgt derselben Entwicklung, doch hier warnt der Unternehmerverband CAEB bereits vor einer Stagnation der Produktivität – ungeachtet steigender Beschäftigung und wachsender wirtschaftlicher Aktivität.

Das sprichwörtliche „am Erfolg zugrunde gehen“ wird hier erneut Realität, und es scheint, als hätten viele Unternehmer aus früheren Fehlern nichts gelernt. 2026 wird keine einfache Sommersaison werden, zumal Reiseveranstalter und Fluggesellschaften derzeit den Wandel der Geschäftspolitik in der Türkei, Ägypten, Tunesien und Marokko sehr genau beobachten. Dort herrscht eine strikte Preiszurückhaltung vor, teils gibt es in den genannten Destinationen sogar Preissenkungen, mit dem Ziel, jene Marktanteile zurückzugewinnen, die den Staaten dort während der Pandemie und aufgrund geopolitischer Konflikte verloren gingen.

Sanktionen bei illegaler Ferienvermietung konsequent durchsetzen

Wenn man dazu noch die Auswirkungen des illegalen touristischen Angebots (etwa der Ferienvermietung) auf den Balearen berücksichtigt, verschärft sich die Lage weiter. Die Ankündigungen der Landesregierung, des Inselrats von Mallorca und der Stadt Palma, die Kontrollen zu verstärken, sind wenig wirksam, solange entsprechende Sanktionen nicht konsequent durchgesetzt werden oder es aufgrund interner Streitigkeiten auf Verwaltungsebene zu Verzerrungen bei den Inspektionen kommt.

Wir stehen also vor einem komplexen Jahr, in dem auf touristischer wie politischer Ebene vieles passieren kann. Des Weiteren besteht in der Politik eine große – sagen wir – Zurückhaltung, um drastische Entscheidungen zu treffen, während die Opposition – insbesondere die Sozialisten der Balearen – die Situation nutzen, um die amtierende, konservative Regierung anzugreifen. Das ist nichts Neues, doch man sollte stets bedenken, dass Worte sich rasch auch gegen diejenigen selbst wenden können, die sie äußern. Das illegale touristische Angebot bleibt weiterhin ein Problem, das alle Ebenen betrifft, denn darunter leidet letztlich die Wettbewerbsfähigkeit von Mallorca und den Schwesterinseln im Vergleich zu allen anderen Zielgebieten.

Über den Autor

Juan Luis Ruiz Collado war jahrzehntelang Tourismusredakteur und Fremdenverkehrskorrespondent des balearischen Medienverlages Grup Serra, in dem auch das Mallorca Magazin erscheint. Er ist als Beobachter und Analytiker wie kein zweiter mit den Entscheidungsträgern in der Branche sowie mit den politischen Akteuren vernetzt. Aus dem (Un-)Ruhestand heraus veröffentlicht er die wöchentliche Kolumne "El Crisol" (Der Gral) in der Wirtschaftsbeilage „El Económico“ der spanischen Tageszeitung „Ultima Hora".

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