Was derzeit am Golf in der Meeresenge von Hormus geschieht – mit all den geopolitischen Schwankungen –, ebenso was die Zukunft Kubas betrifft, oder die Meinungswechsel von Präsident Donald Trump, das ist alles kaum in Worte zu fassen. Hinzu kommen die Strategien der Fluggesellschaften bei der Preisgestaltung aufgrund des steigenden Kosten für Kerosin und deren Auswirkungen auf die Reisedestinationen. Das sind viele unvorhersehbare Faktoren für einen Monat Mai, der für die europäische und damit auch die balearische Tourismusindustrie von entscheidender Bedeutung ist. Die Situation ist einfach ein weiteres Kapitel in der Geschichte, wie wir sie gerade erleben.
Übertriebener Optimismus ist hier fehl am Platz; hingegen ist vielmehr größte Vorsicht geboten – etwas, woran die Hoteliers auf Mallorca längst gewöhnt sind. In diesem fortlaufenden Szenario und solange unklar ist, wie sich der Buchungsverkäufe und touristische Reservierungen auf die Balearen für die Hauptmonate des Sommers entwickeln werden, bleibt das grundlegende Problem auf Mallorca und den Schwesterinseln bestehen: Das ist die fortschreitende Verteuerung sämtlicher Dienstleistungen seit der Zeit nach der Pandemie.
Die Hotelbranche ist darauf vorbereitet, jedes mögliche Szenario zu bewältigen – unabhängig davon, was in Deutschland, Großbritannien, Skandinavien, Frankreich, Mitteleuropa und den übrigen Quellmärkten der Inseln auch geschehen mag. Vor diesem Hintergrund trägt indes die derzeitige wirtschaftliche, soziale und politische Lage in Spanien sowie in den übrigen europäischen Ländern nicht gerade zu einer Beruhigung bei. Generell gilt: Die Unsicherheit ist groß.
Eine ähnliche Unsicherheit herrscht derzeit auch in Kuba, dem karibischen Inselstaat, in dem die mallorquinischen Hotelunternehmen Marktführer sind. Die sprunghaften Entscheidungen von US-Präsident Donald Trump und seine Drohungen gegenüber dem dortigen Castro-Regime nehmen immer weiter zu. Alles scheint möglich zu sein. Im Regime herrscht Angst, während die kubanische Bevölkerung auf einen möglichen Wandel hofft.
Nach den ständigen Hin und Her in der Straße von Hormus, bei dem man kaum noch weiß, was tatsächlich geschieht, wirkt es fast so, als würde der Krieg in Etappen verlaufen. Es scheint, als würden die Beteiligten von einem Tag auf den anderen alles gewinnen oder auch alles verlieren können.
Das hat Hormus mit Mallorca zu tun
Hormus ist von zentraler Bedeutung für die europäische und mediterrane Wirtschaft sowie insbesondere für die Fluggesellschaften, die bereits drastische und strategische Entscheidungen treffen, um den Sommer bewältigen zu können, ohne dass die Betriebsabläufe ihre Geschäftsergebnisse beeinträchtigen mögen. Flüge, Routen und Flugpläne zu vermeintlich unsicheren Reisezielen werden gestrichen, doch genau hier befinden sich die Balearen nach wie vor in einer derzeit guten Position – zumindest bis sich die Lage wie auch immer zum Schlechteren oder Besseren verändert. (Zum Hintergrund: Mallorca gilt touristisch als „sicherer Hafen“. Die Insel ist im Gegensatz zu Fernzielen vom europäischen Festland aus besser erreichbar, gilt als stabil und zieht Tourismus an, der derzeit auf alternative und riskante Destinationen verzichtet.)
Gleichwohl deutet unter diesen Umständen und trotz der traditionellen Reiselust des europäischen Marktes alles darauf hin, dass die touristische Vermarktung in diesem Jahr keineswegs einfach werden wird. Es bleibt nur zu hoffen, dass die Professionalität der balearischen Hotellerie diese Situation erfolgreich meistert. Allerdings steigen die Preise – sowohl bei der Buchung als auch direkt am Reiseziel – weiter an. Das wird sich auf die gesamte touristische Wertschöpfungskette auswirken, einschließlich auf die Gastronomie und das ergänzende Freizeitangebot. So wird es vorerst einfach weitergehen. Wie gesagt: Das ist ein fortlaufendes Kapitel, bis irgendwann ein neuer Abschluss erreicht ist.
Über den Autor
Juan Luis Ruiz Collado war jahrzehntelang Tourismusredakteur und Fremdenverkehrskorrespondent des balearischen Medienverlages Grup Serra, in dem auch das Mallorca Magazin erscheint. Er ist als Beobachter und Analytiker wie kein zweiter mit den Entscheidungsträgern in der Branche sowie mit den politischen Akteuren vernetzt. Aus dem (Un-)Ruhestand heraus veröffentlicht er die wöchentliche Kolumne "El Crisol" (Der Gral) in der Wirtschaftsbeilage „El Económico“ der spanischen Tageszeitung „Ultima Hora".