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Beruhigt sich die Situation bei Air Berlin und Niki?

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| Mallorca |

Seit Monaten haben sie in den deutschen Medien Hochkonjunktur: Meldungen und Berichte über Verspätungen und Flugausfälle bei Air Berlin. Und in Tweets und Postings machen Prominente, die nicht planmäßig fliegen konnten, ihrem Unmut Luft. "Nie wieder Air Berlin", gab ein deutscher Rapper von sich. All jene, die bereits seit Langem ihre Flüge bei der Airline gebucht haben, bangen nun ihrem nahenden Flugtermin entgegen, in der Hoffnung, dass der geplante Flug ungeachtet aller Widrigkeiten glatt über die Bühne gehen möge.

Das gilt auch für Flugreisende, die mit der Air-Berlin-Gruppe von oder nach Malloca fliegen möchten. Zwar hat Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft sich bereits Ende März vollständig von der Insel verabschiedet. Aber seitdem wird ein Großteil der Verbindungen zwischen Mallorca und Deutschland-Österreich-Schweiz von der Air-Berlin-Tochter Niki bedient. Und dass die Probleme des Mutterkonzerns mitunter auf die österreichische Airline durchschlagen, ist naheliegend.

Verspätungen im Bekanntenkreis; nahezu jeder Mallorca-Flieger kennt Erzählungen von verspäteten Maschinen, oder weiß sie sogar aus eigener Erfahrung wiederzugeben. Wer hingegen planmäßig startet und landet, fühlt sich wie ein Glückspilz.

Apropos Glück: Solches hatte etwa Claudia S.: Die Mallorca-Residentin wollte Mitte Juni von Zürich zurück nach Palma fliegen. Als sie im Terminal eintraf, hieß es, der Flug sei gestrichen. Doch die Alternative war bereits zur Stelle: Denn die Mittagsmaschine war so verspätet, dass sie noch gar nicht abgeflogen war. Claudia S. wurde auf diese Maschine umgebucht, so dass sie fast zur gleichen Zeit auf Mallorca eintraf, wie sie ursprünglich geplant hatte.

Verspätungen sind auch bei Niki kein Einzelfall. Nach Angaben des Online-Portals euclaim.de, das sich für die Reklamationen der Fluggäste bei Verspätungen (ab drei Stunden) und Flugstreichungen einsetzt, ist es bei Air Berlin seit Inkrafttreten des Sommerflugplans am 26. März bis einschließlich 11. Juni insgesamt zu 49 Verspätungen (0,6 pro Tag) und zu 1578 Annullierungen (20 pro Tag) gekommen. Bei Niki waren es 100 Verspätungen (1,3 pro Tag) sowie 73 Annullierungen (0,9 pro Tag). Diese Entwicklung ging an Mallorca nicht spurlos vorbei, teilte EU-Claim-Sprecher Steffen Klinge nach Auswertung der Datenbank MM mit. So seinen bezogen auf die Routen von und nach Mallorca 43 Niki-Flüge mehr als drei Stunden verspätet gewesen. Die Zahl der Annullierungen wurde in dem elf Wochen langen Zeitraum mit 33 ermittelt. Am häufigsten seien die Strecken Düsseldorf-Palma und Berlin-Palma betroffen gewesen.

Zum Vergleich: Niki bietet nach eigenen Angaben im Sommer 2017 bis zu 400 Mallorca-Direktverbindungen pro Woche an.

Weitere Beobachtungen: Das Flugzeug, mit dem Claudia S. zurück auf die Insel gelangte, war vom Aussehen her noch eine jener weiß-roten Air-Berlin-Maschinen, die Flugnummer "HG" und die Logos der Bordlektüre verwiesen bereits auf Niki, und der Ansage der Airline zufolge handelte es sich um einen Flug, der von Tuifly durchgeführt wurde. Die Konstellation macht den Strukturwandel deutlich, in dem sich die Air-Berlin-Group mit ihren verwirrenden Firmenkooperationen befindet.

Die extreme Finanzkrise, die Air Berlin seit langem heimsucht, hatte Ende 2016 zu den strategischen Entscheidungen gefährt, die Air-Berlin-Flotte von 140 auf etwa 70 Maschinen zu halbieren. Von den 70 Flugzeugen, die keine Air-Berlin-Maschinen mehr sein sollten, wurde in etwa die Hälfte an die Lufthansa-Gruppe beziehungsweise an Eurowings vermietet, die andere Hälfte sollte mit den Maschinen von Tuifly in eine neue Ferienfluggesellschaft eingebracht werden. Letztere Option hat sich im Juni zerschlagen. Air-Berlin-Mehrheitsaktionär Etihad und der Tui-Konzern werden keine Fusion der Ferienflieger anstreben. Das bedeutete das Aus für die bisherige Sanierungsstrategie von Air Berlin.

Sämtliche Luftfahrtexperten rätselten daraufhin, wie es mit den Airlines nun weitergehen solle. Bekannt ist nur, dass die bisherige Trennung der Airline in eine Lininefluggesellschaft (Air Berlin) und eine Ferienfluggesellschaft (Niki) auf jeden Fall beibehalten werden soll. Ein Bürgschaftsanfrage bei den Landesregierungen von Berlin und NRW wurde zwischenzeitlich wieder zurückgezogen. Die Liquidität sei ausreichend, um den Betrieb zu gewährleisten, heißt es.

Unterdessen sandte Air Berlin wieder positive Signale aus. Etihad stünde der Airline bis Oktober 2018 verlässlich zur Seite, so eine Sprecherin. Zudem versprach Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann, die Airline werde wieder zuverlässig und pünktlich unterwegs sein. Bereits im Vorfeld hatte Air Berlin in einer Mitteilung bekräftigt, dass sich an den bisher angebotenen und gebuchten Flügen nichts ändere.

Es ist davon auszugehen, dass die positiven Signale bei der Muttergesellschaft nicht ohne Einfluss auf die Tochter bleiben werden. Wie Air Berlin bereits klargestellt hatte, werde Niki ungeachtet der geplatzten Fusion mit Tuifly weiterhin als separate Geschäftseinheit innerhalb der Air-Berlin-Group verbleiben und sich auf Kurz- und Mittelstrecken-Destinationen des Touristikgeschäfts konzentrieren. Das heißt im Klartext: Niki bleibt der Mallorca-Flieger. (as/mic)

(aus MM 24/2017)

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