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Vom Bootsbau zum Yacht-Refit: So funktioniert Palmas Mega-Werft

Blick auf die Werft Astilleros de Mallorca in Palma. | Ultima Hora/G. Alomar

| Palma, Mallorca |

Mehr als 25 Jahre sind vergangen, seit das letzte große Schiff auf Mallorca vom Stapel lief. Es handelte sich um die 32 Meter lange Superyacht Aldonza, die auf der Werft Astilleros de Mallorca an Palmas Paseo Marítimo getauft wurde. Ihr Bau war von der spanischen Regierung subventioniert worden, um die Arbeitsplätze auf der Werft zu garantieren. Jahrelange Querelen mit dem Auftraggeber hatten dazu geführt, dass sich die Übergabe der Yacht immer wieder herauszögerte. „Am Ende waren wir froh, dass die Yacht aus unserem Blickfeld verschwand”, erinnert sich Diego Colón, Geschäftsführer von Astilleros de Mallorca.

Unter seiner Regie verwandelte sich das 1942 gegründete Schiffsbauunternehmen bis heute zu einer der modernsten Werkstätten für die Reparatur, Wartung und den Umbau der teuersten Luxusyachten im Mittelmeer. Mittlerweile beschäftigt das Unternehmen ganzjährig über 90 Mitarbeiter sowie indirekt weitere 110 Personen. Der Jahresumsatz wird auf mehr als 20 Millionen Euro beziffert.

Im Durchschnitt werden rund 250 Yachten pro Jahr auf der Werft bearbeitet, die Hälfte davon auf der gegenüberliegenden Refit-Mole STP, deren Stellplätze von Astillerosde Mallorca für den Zeitraum der jeweiligen Auftragsarbeiten gemietet werden. Das Portfolio der Werft umfasst vier große Bereiche: Metall, Mechanik, Elektrik und Schiffszimmerei. Dazu kommen die hauseigene Lackiererei und Polsterei. „99 Prozent unserer Auftraggeber stammen aus dem Ausland”, sagt Diego Colón, die Mehrheit von ihnen aus Großbritannien. Bei den Auftragsschiffen handelt es sich zum großen Teil um Klassiker von Stammkunden, wie etwa den Dreimaster „Creole”, im Besitz des italienischen Modeclans Gucci, der fast ausschließlich von Astilleros de Mallorca gewartet wird.

Die Namen anderer prominenter Kunden gelten auf der Werft als top secret, Diskretion ist eines der wichtigsten Tugenden im weltweiten Superyacht-Geschäft. Das Unternehmen setzt bei seiner Arbeit zunehmend auf nachhaltige und umweltschonende Prozesse. Bestes Beispiel dafür sind die von der Werft vor wenigen Monaten erstmals in Spanien verwendeten modularen Cover-Systeme, unter denen die Yachten lackiert und repariert werden. Bisher wurden die Boote mit weißen Plastikfolien umhüllt, die nach ihrem Gebrauch als Sondermüll aufwendig entsorgt werden mussten.

Größtes Problem für die Zukunft sieht Colón in dem mangelnden Platz-Angebot im Hafen für Refit-Arbeiten. „Wir haben mehr Aufträge als wir annehmen können, weil einfach kein Platz da ist, um Schiffe im Trockenen zu bearbeiten”. Und das führe mittlerweile dazu, dass viele ehemalige Kunden auf Häfen auf dem spanischen Festland oder anderer Länder wie Frankreich und Italien ausweichen.

Tipp: Noch bis zum 31. Januar wird in Palmas Kulturzentrum La Misericordia eine Ausstellung über die 80-jährige Geschichte der Schiffswerft „Astilleros de Mallorca” gezeigt. Ausgestellt sind zahlreiche zum Teil antike Fotos von Schiffs-taufen, Werftarbeitern aber auch sozialen Events rund um die Welt des Bootsbaus auf der Insel. Das Kulturzentrum befindet sich an der Plaça de l’Hospital, 4. Es ist von Mo-Fr von 9.00 bis 20.30 Uhr geöffnet. Samstags von 9.30 bis 13.30 Uhr.

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