Die Vorteile von elektrischen Booten liegen klar auf der Hand: Ihre Kraftquelle ist umweltfreundlicher, sie sind leiser, sie sind wartungsärmer und ihr Betrieb ist günstiger. Mit diesen Argumenten gründete der deutsche Unternehmer Philipp von Arnim im Oktober dieses Jahres den Mallorca Electric Boat Club – einen Timesharing-Verein für elektrische Boote. Die Gründung des Vereins zeigt einmal mehr das wachsende Interesse an dieser Antriebsart. Über den Status quo der Branche, ihre Chancen und Herausforderungen sowie ihre Entwicklung im nächsten Jahr sprach MM mit drei Akteuren.
„Was Freizeitboote betrifft, befindet die Branche sich aktuell in einer Erwartungshaltung”, sagt Javier Coterillo, der gemeinsam mit seinem Bruder Gonzalo die Werft Medvolt Marine leitet. „Die Leute wissen nicht, wohin sich das Thema politisch entwickeln wird. Was den kommerziellen Gebrauch betrifft, so suchen Luxus-Hotels seit einigen Jahren elektrische Angebote. Das zeigt eine gestiegene Sensibilität für die Wünsche der Kunden. Die Elektrifizierung von Nutzfahrzeugen ist ziemlich entwickelt und schreitet weiter voran. Grundsätzlich gibt es bei gleicher Ausgangslage also zwei Richtungen.”
Gleichzeitig empfiehlt Coterillo privaten Anwendern die Umrüstung: „Gerade bei Freizeitbooten, die kurze Distanzen fahren, macht das Sinn. Es gibt viele Anfragen, die Motoren von zum Beispiel Llaüts (klassische mallorquinische Fischerboote; Anm. d. Red.) zu elektrifizieren, und nach der Durchführung sind die Leute super zufrieden.”
Was die Entwicklung auf Mallorca betrifft, so beobachtet Coterillo, der mit seiner Werft klassische Boote elektrifiziert, dass „die Anpassung hier immer ein bisschen länger dauert, aber die Entwicklung von etwa vier Unternehmen vor ein paar Jahren, die sich elektrischen Booten widmeten, auf aktuell bis zu 30 zeigt die Energie der Branche. Ich glaube, im nächsten Jahr wird sich die Zahl weiter erhöhen, weil es jeden Tag mehr Anwendungen gibt. Ein weiterer Anreiz ist, dass die Leistungsfähigkeit von Batterien stetig steigt, während ihr Preis sinkt.”
Christian Orban ist Mitarbeiter im Verkauf des österreichischen Herstellers Frauscher, der unter anderem vier Elektro-Modelle anbietet. Orban sieht den Schlüssel zum Erfolg der E-Boot-Branche in der Reichweite. „Sobald man alle Buchten Mallorcas abfahren kann, die Insel umrunden kann, dann wird diese Art des Antriebs noch einmal etwas mehr anziehen.” Dazu müssen dem Experten zufolge hauptsächlich mehr Lademöglichkeiten entstehen.
Für 2026 prognostiziert auch Orban einen Zuwachs an Anbietern. „Wir bekommen immer mehr Anfragen. Man merkt, dass das Interesse größer wird.” Voraussetzung sei, dass man Elektro-Boote ausprobiert und sich überzeugt, dass sie so funktionieren, wie sie sollen. „Es gibt die ersten Mutigen, und die sind glücklich.”
Erster Timesharing-Verein für elektrische Boote in Spanien
Von einem wachsenden „Komfortgefühl bei Bootsfahrern, dass Elektroantrieb auf dem Wasser funktioniert”, berichtet Philipp von Arnim vom Mallorca Electric Boat Club (MEBC). Dieser bietet durch drei unterschiedliche Jahresmitgliedschaften die Nutzung einer E-Boot-Flotte. Der MEBC ist der erste seiner Art in Spanien. „Mallorca macht sich eine Menge Gedanken über das Thema”, so von Arnim. „Die hier ansässige Vereinigung der Elektro-Boote in Spanien ANBE veranstaltet sehr interessante Konferenzen, die vom Ministerium und den Schifffahrtsbehörden beachtet werden.” Daher sei es durchaus vorstellbar, dass Regelwerke kommen, die diesen Antrieb favorisieren. Schon sehe er die ersten Ausschreibungen für Behördenschiffe.
„Wir sehen einen Aufschwung. Es passiert gerade extrem viel im Markt”, so von Arnim. „Wir glauben fest daran, dass er sich weiterentwickeln wird und daran, dass sich Elektromobilität auf dem Wasser durchsetzen wird. Die Frage ist nur, wann.”