Die Bauunternehmer auf Mallorca schlagen Alarm: Der Krieg im Iran treibt die Kraftstoffpreise in die Höhe und droht zahlreiche Projekte auf den Inseln lahmzulegen, sollte der Konflikt andauern. Besonders betroffen ist Asphalt, ein Schlüsselmaterial für die Straßeninfrastruktur, dessen Hauptbestandteil Bitumen direkt aus Erdöl gewonnen wird.
„Asphalt ist stets das erste Material, bei dem die steigenden Rohölpreise direkt durchschlagen“, erklärt Sandra Verger, Geschäftsführerin des Bauunternehmerverbands der Balearen. Auch Zement, Stahl, Aluminium und Keramik werden teurer, doch der Preisanstieg beim Asphalt dürfte am deutlichsten spürbar sein.
Die Bauunternehmen weisen nicht nur auf mögliche Verzögerungen bei Wohnbauprojekten hin, sondern auch auf Risiken für wichtige Infrastrukturprojekte, vor allem Straßenbauvorhaben. Nach Angaben des Inselrates wurde die Straßenabteilung des Behörde bereits von Unternehmen auf die drohenden Budgetprobleme hingewiesen. Ein Bericht über die möglichen Auswirkungen des Nahost-Konflikts auf laufende und geplante Projekte sei bereits in Arbeit.
Das sind die betroffenen Straßenbauprojekte
Derzeit laufen zahlreiche Projekte oder stehen kurz vor dem Start. Außerhalb von Palma werden unter anderem die Straße zwischen Peguera und Port d’Andratx verstärkt (geplante Kosten: 5 Millionen Euro), der Fuß- und Radweg zum Kreisel Crestatx-Sa Pobla gebaut (3 Millionen Euro) sowie die Landstraße Bunyola-Orient-Alaró saniert (5 Millionen Euro). Auch die Brücken der Umgehungsstraße von Sant Llorenç des Cardassar werden derzeit erneuert, um Überschwemmungen in dem gefährdeten Gebiet zu vermeiden (9,2 Millionen Euro). Weitere Projekte stehen in der Vergabephase, darunter die Fuß- und Radweg neben der Straße von Camp de Mar nach Peguera (1,3 Millionen Euro) oder die Umgehung von S’Alqueria Blanca in Santanyí (12 Millionen Euro).
Für die Hauptstadt Palma sind derzeit rund 164 Millionen Euro für verschiedene Infrastrukturprojekte eingeplant. Dazu gehören die Fahrbahnstärkung auf der Ringautobahn Vía de Cintura zwischen der Anschlussstelle zur Flughafenautobahn und der Landstraße nach Valldemossa (11,6 Millionen Euro), die Verbesserung der Zufahrten zur Anschlussstelle Schwimmhalle Son Hugo inklusive eines zusätzlichen Fahrstreifens (13 Millionen Euro) sowie der erste Abschnitt des zweiten Rings um Palma (110 Millionen Euro).
Erfahrungen mit steigenden Materialkosten gibt es bereits: 2022 reagierte der Inselrat Mallorca auf die Folgen der Ukraine-Krise mit einem Notfallplan über 44 Millionen Euro, darunter fünf Millionen Euro speziell für die gestiegenen Materialkosten bei Straßenbauprojekten.