Die Botschaft kommt zur Unzeit – und sie ist unmissverständlich: Mallorcas Restaurants werden ihre Preise erhöhen. Nicht irgendwann, sondern genau jetzt, kurz vor dem Start in die entscheidenden Osterwochen. „Wir werden die Preise anpassen müssen – aber so wenig wie möglich“, sagt Tomeu Mas, Geschäftsführer des Branchenverbands CAEB Restauración gegenüber der spanischen MM-Schwesterzeitung „Ultima Hora“. Es ist der Versuch, eine bittere Nachricht möglichst vorsichtig zu verpacken. Doch hinter dem Satz steckt eine Dynamik, die sich kaum noch bremsen lässt.
Teurere Lebensmittel, Energie und dazu noch steigende Personalkosten
Der Auslöser liegt weit außerhalb der Insel – die Folgen treffen sie mit voller Wucht. Der Krieg im Nahen Osten hat Energie, Transport und Rohstoffe verteuert. In der mallorquinischen Gastronomie, die angeblich ohnehin mit knappen Margen arbeitet, schlägt das direkt durch. Eine Butangasflasche für den Gasherd in der Küche kostet nun fast fünf Prozent mehr, Milchprodukte, beispielsweise für Café con leche, verteuern sich um fünf bis sieben Prozent, weitere Preissteigerungen bei Lebensmitteln gelten als sicher. „Alle Produkte werden teurer“, warnt Händlervertreter Bartolomé Servera. Gleichzeitig steigen die Personalkosten deutlich: sechs Prozent mehr Lohn rückwirkend für 2025, vier Prozent in diesem Jahr, weitere Erhöhungen sind bereits vereinbart. Dazu kommen Lokalmieten, die auf Mallorca seit Jahren nur eine Richtung kennen.
Schmerzgrenze für viele Gastronomen ist erreicht
Für die Betriebe bedeutet das: Die Schmerzgrenze ist erreicht. „Wir versuchen, so viel wie möglich selbst zu tragen“, sagt Mas. Doch sobald die Kosten um mehr als zwei Prozent steigen, sei man gezwungen, die Preise auf den Speisekarten anzupassen. Genau dieser Punkt ist nun erreicht – möglicherweise sogar überschritten. Wie stark die Preise am Ende steigen, ist noch offen. Die Branche wartet auch auf mögliche staatliche Hilfen, über die in Madrid beraten werden soll. Viel Hoffnung macht man sich intern allerdings nicht.
Was die Situation so brisant macht: Die Restaurants erhöhen ihre Preise in einem Moment, in dem viele Gäste längst auf Sparmodus umgeschaltet haben. Schon im vergangenen Jahr war die Schmerzgrenze deutlich spürbar. Die Preise auf den Speisekarten stiegen 2025 im Schnitt "nur" um rund fünf Prozent – und trotzdem klagten viele Betriebe über sinkende Umsätze. Der Grund lag nicht im Angebot, sondern im Verhalten der Gäste.
Bereits 2025 gaben Urlauber zehn Prozent weniger in Restaurants aus
Der Gastronomieverband um Präsident Juanmi Ferrer hatte bereits im Sommer 2025 Alarm geschlagen. Weniger Besucher, geringere Ausgaben pro Tisch, gleichzeitig steigende Kosten – ein Dreiklang, der vielen Betrieben die Luft abschnürte. „Die Restaurants sind zwar wieder besser besucht, aber längst nicht auf dem Niveau früherer Jahre“, sagte Ferrer damals. Besonders deutlich: Die Ausgaben pro Tisch gingen um bis zu zehn Prozent zurück. Gäste bestellten weniger, verzichteten auf Extras – oder blieben ganz fern.
Diese Entwicklung hat sich seither eher verstärkt als entspannt. Viele Einheimische gehen nur noch am Wochenende essen, weil unter der Woche das Geld für das Mittagsmenü fehlt. Urlauber wiederum kommen zwar weiterhin, müssen aber einen immer größer werdenden Teil ihres Budgets für Flüge und Unterkünfte aufbringen – mit Preissteigerungen im vergangenen Jahr von bis zu 25 Prozent. Für Restaurantbesuche blieb weniger übrig. Die Folge: volle Promenaden, leere Tische.
Schleppender Jahresstart
Der Jahresstart 2026 passt ins Bild. Regen und Wind sorgten für schwache Umsätze, die Saison kommt nur schleppend in Gang. Die Hoffnung ruht nun auf Ostern – doch selbst dieser Effekt ist in diesem Jahr gedämpft, weil die Feiertage ungewöhnlich früh liegen und nicht direkt in die Hauptsaison übergehen. „Wir hoffen, dass sich die Lage nach Ostern stabilisiert“, sagt Mas. Es klingt mehr nach Wunsch als nach Prognose.
Genau hier liegt das Risiko der aktuellen Preiserhöhungen: Sie sind wirtschaftlich notwendig – könnten aber gleichzeitig die Nachfrage weiter dämpfen. Ein klassischer Teufelskreis. Schon 2025 mussten rund 370 Lokale auf Mallorca schließen. Und vieles deutet darauf hin, dass diese Zahl steigen könnte. Denn die strukturellen Probleme bleiben: hohe Kosten, vorsichtige Gäste, sinkende Margen. Für viele Gastronomen könnte die kommende Saison damit zur entscheidenden werden. Wer die Preiserhöhungen durchsetzt, riskiert, noch mehr Kunden zu verlieren. Wer darauf verzichtet, arbeitet unter Umständen nicht mehr kostendeckend.