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Ohnehin out und viel zu teuer: Kaum einer geht auf Mallorca mehr in Discos

Diskotheken kürzen Öffnungszeiten, Gäste sparen – während Restaurants den Absturz nach Ostern gerade noch abfedern. Das Insel-Nightlife steht vor einem ungewöhnlich zähen Sommer

Eröffnung der Disco "BCM" in Magaluf im vergangenen Jahr. | Foto: Ultima Hora

| Mallorca |

Die Partyinsel zögert. Während Mallorca sich auf die Sommersaison vorbereitet, blickt ausgerechnet die Nachtlebenbranche mit Skepsis nach vorn. Diskotheken rechnen mit weniger Gästen, geringeren Umsätzen – und reagieren bereits: mit kürzeren Öffnungszeiten, weniger Personal auf Wochentage verteilt und einem klaren Fokus auf das Wochenende.

Der Grund ist so simpel wie unerquicklich: Die Urlauber kommen zwar – aber sie geben weniger aus. „Man sieht viele Menschen auf den Straßen, aber nicht alle kommen in unsere Lokale“, sagt Miguel Pérez-Marsá vom balearischen Verband für Freizeit und Unterhaltung (ABONE). Schon das vergangene Jahr sei schwächer gewesen, nun drohe ein weiterer Rückgang. Höhere Preise? Fehlanzeige. Die Branche hält sie bewusst stabil, um Gäste nicht ganz zu vergraulen.

Weniger Drinks, mehr Zurückhaltung

Was sich abends in den Clubs zeigt, beginnt schon bei der Reiseplanung. Flüge und Unterkünfte sind teurer geworden – und wer dafür mehr zahlt, spart beim Feiern. Das Budget für Cocktails, Eintritt und lange Nächte schrumpft. Für viele Betriebe ist das ein schleichender Strukturwandel: weniger spontane Ausgaben, weniger Exzesse, mehr Kalkül.

Die Konsequenz: Öffnungszeiten werden reduziert. Unter der Woche bleiben viele Locations ganz oder teilweise geschlossen, das Geschäft konzentriert sich auf Freitage und Samstage. Nur in Hochburgen wie der Playa de Palma läuft der Betrieb nahezu flächendeckend. Doch selbst dort ist die eigentliche Hochsaison kurz: Sie beginnt erst um den 20. Juni und endet Mitte August.

Restaurants atmen – noch

Etwas entspannter ist die Lage in der Gastronomie, wenn auch auf niedrigem Niveau. Nach dem traditionellen Einbruch nach Ostern – rund 30 Prozent weniger Umsatz im April – zeigen sich die Betriebe vorsichtig erleichtert. „Es hätte auch 40 oder 50 Prozent sein können“, sagt Juanmi Ferrer vom Verband Restauración Mallorca. Der Rückgang sei spürbar, aber nicht existenzbedrohend.

Allerdings trifft die Flaute die Restaurants an einem empfindlichen Punkt: Viele hielten Personal und Kosten nach den Feiertagen konstant hoch, während die Einnahmen einbrachen. Das Ergebnis: schmale Margen, angespannte Bilanzen. Der Mai gilt ohnehin als wackliger Monat – und schlechtes Wetter hat das wichtige erste Mai-Wochenende zusätzlich ausgebremst.

Hinzu kommt ein Faktor, der auf den ersten Blick wenig mit Mallorca zu tun hat: der Fußball. Großereignisse wie eine Weltmeisterschaft verändern das Reiseverhalten. Gäste aus Deutschland, Großbritannien oder Frankreich bleiben eher zu Hause – vor dem Fernseher statt an der Strandbar. Für die Insel bedeutet das: weniger Buchungen, weniger Konsum, weniger Dynamik.

Mallorcas Nächte sind damit längst nicht vorbei – aber sie werden kürzer, vorsichtiger, kalkulierter. Die große Frage dieses Sommers lautet nicht mehr, wie wild gefeiert wird. Sondern ob überhaupt noch genug gefeiert wird.

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