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Alter Schwede, wird hier geklotzt!

Die schwedische Community auf Mallorca

Barbara Bergman führt mit ihrem Mann Klas Kall seit fünfeinhalb Jahren das Rialto Living. Im kommenden Jahr wollen sie weiter wachsen. | Foto: zap

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Registriert sind knapp über 2000, geschätzt leben mehr als 4000 Schweden auf Mallorca. Einige aus der kleinen schwedischen Gemeinschaft sorgt derzeit für Aufsehen in der Geschäftswelt der Insel. Allein in Palma gehen drei Großprojekte auf das Konto schwedischer Investoren. Auch etablierte Geschäftsleute wollen weiter in die Altstadt investieren.

Für Schlagzeilen hat im Dezember 2012 der Kauf des Stadtpalastes Can Alomar an Palmas Prachtmeile Paseo del Borne für 24 Millionen Euro gesorgt. Der schwedische Käufer legt Wert auf größtmögliche Zurückhaltung und will nicht in Erscheinung treten. „Der Markt auf Mallorca ist für meinen Mandanten attraktiv”, sagt Deniz Demirdizen, Geschäftsführer vom Leonius Family Office in Palma de Mallorca. Der Deutsche betreut private Großvermögen und hat den Investor aus dem hohen Norden bei seiner Kaufentscheidung beraten.

In den Bau, der unter anderem die Edelboutique Luis Vuitton und künftig das Traditions-Uhrengeschäft Relojería Alemana beherbergen wird, sollen weitere zweiMillionen Euro investiert werden, um Luxuswohnungen im ersten Stock auszubauen. „Es gibt insgesamt 1300 Quadratmeter Wohnraum mit Terrassen, daraus sollen je nach Bedarf vier bis sieben Luxuswohnungen entstehen”, sagt Demirdizen. Sein Mandant halte den Markt im Luxussegment für wertstabil und schließe auch weitere Investitionen aufMallorca nicht aus.

Wie der in der schwedischen Insel-Gemeinschaft bislang unbekannte Unternehmer betritt auch Peter ÖdlundNeuland in Palma. Im Sa Gerrería-Viertel entsteht unter seiner Leitung das Aparthotel Palma Suites: An der Plaça Quartera werden 35 Einheiten mit einer Größe von 36 bis 76 Quadratmetern gebaut. „Das Gebäude umfasst einen ganzen Block und gehört komplett uns, wir können jedes Detail planen”, erklärt Ödlund die Besonderheiten.

Die Stärke der Krone gegenüber dem Euro habe auch eine Rolle für sein Investment gespielt. Derzeit liege man sogar unter dem Gesamtbudget, geschätzte acht Millionen Euro. Zwei schwedische Partner hat Ödlund, einer von ihnen ist Peter Ekman, Inhaber des „Private Wing” vom Puro Hotel im Lonja-Viertel. Ödlund glaubt an das Konzept des „Snow Bird”, des Zugvogels, der im Süden überwintert. Im Winter soll man ein Design- Apartment im Palma Suites von 410 Euro bis 1730 Euro pro Woche mieten können, alle mit High- Tech-Unterhaltungselektronik von WLan bis zur Espressomaschine ausgerüstet.

„Winter ist doch eigentlich die beste Zeit auf Mallorca. Es ist nicht zu heiß, man schwitzt nicht. Und hier in der Altstadt haben die Kneipen noch auf”, sagt der 58-Jährige, der seine Frau erst von Mallorca statt Lausanne als Wohnort überzeugen musste. Nach mittlerweile acht Jahren sind die beiden überzeugte Sineu-Fans. Die Eröffnung des Palma Suites ist für den Mai vorgesehen, Ehrengast wird die auf Mallorca lebende Prinzessin Birgitta sein, Schwester des Schwedenkönigs Karl Gustav.

Seine Erfolgsaussichten schätzt Ödlund schwedisch abgeklärt ein: „Wissen wir es? Wir glauben es. – Sind wir sicher? Nein.”

Für Anfang Juni ist die Eröffnung des Boutique „Cort Hotel” schräg gegenüber von Palmas Rathaus geplant. In einem Joint-Venture mit dem mallorquinischen Gastro- Unternehmer Ramón Andreu (Tast-Gruppe) investieren die Schweden Ture Stendahl und Joachim Odqvist in das künftige Vier-Sterne-Plus-Stadthotel. Die beiden sind Besitzer der Filmproduktionsfirma Palma Pictures und Teilhaber des Hotel Tres in Palmas Lonja-Viertel.

„Die Investoren sind sehr zurückhaltend, sehr entspannt und sehr seriös”, sagt die Deutsche Barbara Wunderlich, künftige Direktorin des Cort Hotels. Die Investitionssumme sei daher auch nicht kommuniziert worden. Jedes Detail werde in der Planung von ihr mit den Besitzern geklärt, bevor man damit an die Öffentlichkeit gehe. Mit der Mischung aus nordeuropäischem Landhausstil und mallorquinischer Tradition, soll Kundschaft aus Deutschland und Skandinavien angesprochen werden. Die Bodenständigkeit und Diskretion ihrer Arbeitgeber gefällt Barbara Wunderlich sehr. Das sei gerade in ihrer Branche nicht immer selbstverständlich.

Auch modemäßig setzen Schweden in Palmas Altstadt Akzente: Barbara Bergman und Klas Kall von Rialto Living wollen ihr beliebtes Modegeschäft mit Café im kommenden Jahr deutlich erweitern, von derzeit 800 Quadratmeter auf fast 1600. Die Bauarbeiten sind bereits im Gang. „Palma ist ideal für einen Wochenendtrip, bei dem Wetter. Aber die Geschäfte müssten sichbesser abstimmen, dass alle auch am Wochenende geöffnet haben”, sagt Bergman. In der Geschäftswelt beobachtet sie ein reges Treiben. „Es machen viele Bäckereien auf. Kleine Geschäfte sindwichtig, sie geben einer Stadt ihr Gesicht”, sagt sie.

Ihre schwedischen Bekannten Conny und Eva Lindström eröffnen in Kürze ein Geschäft der Edel-Taschenmarke Mulberry gegenüber der Hauptpost. Eingeführt auf der Insel hat die Marke Bergman selbst, jetzt wird sie sie aus dem Programm nehmen. Solche Dinge passieren, auch in der schwedischen Community. „Vielleicht sind Schweden innovativer als andere, sie machen Geschäfte aus Leidenschaft und brauchen eine gute Entschuldigung, um hier im Süden zu sein”, sagt sie lachend. Bei ihr und ihrem Mann, einem der Gründer der Modemarke Gant, war es zumindest so, nachdem sie viele Jahre auf der Insel Urlaub gemacht haben.

Für die Schweden hat Mallorca laut Kenneth Karlsson einen unschätzbaren Wert: Sicherheit, im Gegensatz zu Destinationen in Nahost. Der 59-Jährige aus Uppsala ist Geschäftsführer von SunHotels, dem weltweit operierenden Reiseveranstalter, der jährlich 240.000 Skandinavier auf die Insel bringt, davon rund 140.000 Schweden, vor allem nach Alcúdia und nach Magaluf. Das Büro in Can Valero ist mit 80 Mitarbeitern weltweit das Größte der Gruppe. Für Karlsson und seine Familie ist die Insel der Lebensmittelpunkt. „Das wird auch so bleiben”, sagt er.

Palma ist für ihn eine „extrem schöne Stadt”, die Insel sei zudem sehr gut angebunden. Wenn ihn das Fernweh überkommt, isst er gerne mal thailändisch im Restaurant MyThai in Palmanova. Das gehört ihm selbst und Joachim Blom, einem Schweden aus Stockholm. Der sagt: „Wir Schweden sind eine Gemeinschaft von Unternehmern”, und bringt dann mit dem Moped das Mittagessen zu einer dänischen Firma in Bonanova. Es ist Wintersaison, Blom spart Personal. „Du siehst hier den weniger glamourösen Teil eines Unternehmers.” Humor haben sie auch, die Schweden.

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