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Die erste Herberge von Cala Rajada

Als auf Cala Rajadas Hauptstraße Calle Leonor Servera noch Pferdekarren rangierten, existierte das Cas Bombu (Mitte) bereits, ebenso wie die auf dem dahinter liegenden Hügel thronende Villa March.

| Cala Rajada, Mallorca |

Wenn man heute durch Cala Rajada spaziert, dann fällt das Cas Bombu kaum auf. Eines von unzähligen Hotels, mag ein Passant denken, wenn er in der Hafengegend umherschlendert. Vor 132 Jahren war das anders. "Das Cas Bombu ist nicht nur die älteste Herberge, die heute in Cala Rajada existiert, sie ist auch die erste, die es hier jemals gab", berichtet Bartomeu Garau, den im Dorf alle nur unter dem Rufnamen Tomeu Bombu kennen. Ein bisschen Stolz schwingt in seiner Stimme mit. Gemeinsam mit seiner Schwester Margalida führt er das Hostal seit mittlerweile 25 Jahren. "In fünfter Generation. Es war von Anfang an in den Händen der Familie", sagt er.

Nicht zuletzt deshalb konnte sein 90-jähriger Vater Antoni nun auch eine Auszeichnung des lokalen Kulturverbands "Cap Vermell" entgegennehmen. "Und auch, weil das Gebäude vom Grundgerüst her immer noch dasselbe ist wie 1885", so Garau. 1960 wurde der heutige Geschäftsführer geboren. "Ich wuchs quasi hier im Hostal auf", erinnert er sich. Denn nur vier Jahre nach seiner Geburt übernahm sein Vater das Geschäft von dessen zwei Tanten, diese wiederum hatten es von ihrer Mutter übernommen und diese von ihrer Schwiegermutter: Margalida Tous, der Gründerin des Cas Bombu. "Sie kam wie mehrere andere Fischerfamilien in den 1880ern aus Port de Valldemossa hierhin. 'Bombu' war schon immer der Spitzname der Familie. Es bedeutet Trommel."

Fast von Anfang an beherbergte das Cas Bombu Reisende. "Aber ursprünglich war es zunächst eine Cafeteria", weiß Garau und fügt an: "Damals gab es ja auch noch keine Urlauber." Mit den Jahren entwickelte sich das Café zum Restaurant und einem Laden. "Hier konnte man alles kaufen, was in dieser Zeit wichtig war, sogar Benzin." 1911 wurde das einstöckige Gebäude durch eine zweite Etage erweitert und verwandelte sich in das Gebäude, das auch heute noch große Teile der Gästezimmer beherbergt. Im selben Jahr errichtete die einflussreiche Familie March die bis heute über Cala Rajada thronende Villa March. "Die zog wichtige Persönlichkeiten der Zeitgeschichte an, und viele von ihnen kamen auch im Cas Bombu vorbei." Selbst Franco soll dort einmal gespeist haben. "Das waren andere Zeiten", so Garau nachdenklich.

Die Ankunft der Exilanten in den 1930er Jahren, den Spanischen Bürgerkrieg, das stetige Wachstum des kleinen Fischerdörfchens und die Massifizierung des Tourismus - all das hat das Cas Bombu miterlebt. "Als mein Vater das Unternehmen 1964 übernahm, musste er sich entscheiden: entweder nur Restaurant oder nur Herberge. Beides gleichzeitig wäre bei den vielen Urlaubern nicht mehr lange gut gegangen." Mit der Entscheidung für die Herberge investierte Antoni Garau, baute an und ließ 1969 einen Hotel-Pool errichten. "Damals hatten wir noch mehr französische Gäste", erinnert sich Bartomeu Garau. "Deshalb musste ich auch Französisch lernen. Die Deutschen dominieren seit Anfang der 1970er Jahre."

Technologisierung, Wirtschaftskrisen, Währungsumstellung - nichts konnte das Familienunternehmen zu Fall bringen. Bis heute sind die urigen Möbel aus dem vergangenen Jahrhundert im Gebrauch, bis heute ist das Cas Bombu in den Sommermonaten voll von deutschen Touristen. Viele kommen jedes Jahr aufs Neue, kennen die Garaus und die etwas aus der Mode gekommene Dekoration gut und schätzen die günstigen Übernachtungspreise. "Man muss sich modernisieren, klar. Aber ohne das Wesentliche aus den Anfängen zu verlieren", beschreibt Garau den Balanceakt, den er seit der Übernahme meistert.

"Früher war es eine Option, in der Tourismusbranche zu arbeiten. Heute ist es praktisch eine Obligation. Das ist wohl der größte Unterschied zu damals", überlegt Garau. Er hat Tourismus in Palma studiert, schon damals mit dem Ziel, das Unternehmen in Cala Rajada zu übernehmen. Auch wenn es nicht immer leicht war, bereut hat er es nie, in die Fußstapfen seiner Ahnen getreten zu sein. "Man braucht die Lust, das Alte zu erhalten, und gerade in Krisenzeiten darf man nicht nur auf die Wirtschaftlichkeit schauen", weiß er. "Es ist ja schließlich auch mein Zuhause."

Ob das Cas Bombu auch in weiteren 132 Jahren noch als Familienbetrieb bestehen wird? "Vielleicht", sagt Garau nachdenklich. Er selbst hat keine Kinder. "Aber meine Schwester hat eine Tochter. Wir werden sehen."

(aus MM 11/2017)

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