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"In Deutschland war ich isoliert": Wie ein Gastarbeiter Düsseldorf gegen Mallorca eintauschte

Sieben Jahre Fabrikarbeit, ein Jahr LKW fahren, jetzt drei Jobs – aber mit Meerblick: Ein 37-jähriger Tunesier erzählt, wo Europa sich für ihn wirklich offen anfühlt

Sali spricht fünf Sprachen fließend und arbeitet mittlerweile auf Mallorca. Deutschland hat er verlassen | Foto: Anja Schmidt

| Playa de Palma, Mallorca |

Mallorca ist für Sali Slama mehr als nur eine Insel – es ist sein "Anker" während der Saison! Der 37-jährige Tunesier hat seine Heimat immer wieder verlassen, um in Europa mehr Geld zu verdienen und seiner Familie ein besseres Leben zu ermöglichen. Nach Jahren harter Arbeit in Polen und Deutschland verbringt er nun die Saison auf Mallorca. Hier arbeitet er in drei Jobs und erlebt eine Offenheit, die er lange vermisst hat. Wie der Mann, der fünf Sprachen spricht, seinen Platz in Europa gefunden hat, hat er MM in El Arenal ganz persönlich erzählt.

Polen: Eine neue Sprache, echte Freundschaften

Sieben Jahre lang lebte Sali in Polen, wo er in Fabriken arbeitete. "Die Arbeit war hart, aber die Menschen haben mich aufgenommen", erzählt er. Schnell lernte er Polnisch so gut, dass er es heute fließend spricht und manchmal sogar auf Polnisch träumt. "Das hätte ich nie gedacht!" Sogar seinen Instagram-Account hat er auf Polnisch eingestellt – auf diese Weise hält er Kontakt zu seinen Freunden aus der Zeit in Osteuropa. Polen wurde für ihn jedenfalls mehr als nur ein Arbeitsort, es wurde eine zweite Heimat.

Deutschland: Integration mit Hindernissen

Nach dem Aufenthalt in Polen zog Sali für ein Jahr nach Düsseldorf, wo er als LKW-Fahrer arbeitete. "Dort kann man mehr Geld verdienen, als in Polen und das war mir natürlich wichtig", gibt er zu. Die Sprache lernte er schnell, er spricht mit der MM-Reporterin in fließendem Deutsch. Aber trotz vieler Kontakte und guter Sprachkenntnisse fühlte er sich in der Bundesrepublik oft außen vor.

"Die Deutschen waren höflich, aber zurückhaltend, häufig fast misstrauisch", so Sali. Er hatte oft das Gefühl, dass man ihn vor allem als Ausländer sieht, nicht als Menschen. Für Sali war das deshalb eine Zeit, in der er sich trotz starker Integrationsbemühungen isoliert fühlte und emotional nie nicht richtig ankam. Mit Arabern hätte er in der Zeit bewusst wenig zu tun gehabt, um sich ganz auf die Deutschen zu konzentrieren. Aber das Leben, die teilweise verschlossenen Menschen – all das sei "zu streng" und einfach "anstrengend" gewesen.

"Dazu kamen viele Bußgelder, weil ich oft geblitzt wurde – das hat das Leben zusätzlich schwer gemacht", so Sali scherzhaft. Er habe in Deutschland zwar rund 1600 Euro netto verdient, aber die Entscheidung, Düsseldorf nach einem Jahr zu verlassen und es in Spanien zu versuchen, sei ihm dennoch recht leicht gefallen.

Mallorca: Freiheit in der Saison

Und so lebt der Tunesier mittlerweile während der Saison auf Mallorca und fühlt sich hier besonders wohl. Das Leben als Saisonarbeiter prägt seinen Alltag: Drei Jobs und lange Arbeitstage gehören dazu. "Aber was mich hier beeindruckt: Die Leute sind offen und nehmen dich so, wie du bist. Niemand stellt dir ständig Fragen nach deiner Herkunft", sagt er.

Sein Freundeskreis auf der Insel sei international: Spanier, Südamerikaner, Polen und auch andere Araber gehörten dazu. "Ich muss mich nicht verstellen oder erklären. Das gibt mir ein Gefühl von Freiheit und Sicherheit." Dazu der strahlende Sonnenschein und ein Zimmer mit Meerblick und alles fühlt sich viel leichter an. "Mein Chef hat hier verschiedene Unterkünfte und lässt mich sehr günstig wohnen", sagt er. Selbst die Deutschen sind hier netter. "Aber die sind ja auch im Urlaub."

Zwischen den Welten: Familie, Arbeit und neue Wurzeln

Außerhalb der Saison lebt Sali in Polen und Tunesien, besucht seine Familie und arbeitet dort weiter. Das Geld, das er auf Mallorca verdient, sichert ihm das ganze Jahr über ein gutes Leben. Deutschland spielt für ihn keine Rolle mehr, Polen hingegen gehört für ihn immer noch zum Leben. "Und Spanien fühlt sich für mich wie ein Zuhause an. Vielleicht bleibe ich irgendwann dauerhaft hier", sagt er nachdenklich. Dann lacht er und fügt hinzu: "Ganz glücklich bin ich nicht, aber mein Leben gefällt mir. Nur mit den Frauen läuft es bisher nicht so gut." Dabei zwinkert er schelmisch.

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