Mallorca Magazin: Herr Kahn, zuletzt hat man Sie hier auf einem vorweihnachtlichen Event im Dezember 2025 mit weiteren Prominenten in der Edel-Weinhandlung Tintorera in Calvià gesehen. Wie oft sind Sie auf Mallorca und was bedeutet Ihnen die Insel?
Axel Kahn: Ich bin seit rund 15 Jahren sehr häufig auf der Insel. Mallorca ist für mich so etwas wie ein zweites Wohnzimmer, und ich bin sehr gerne hier. Auch viele meiner Freunde und Geschäftspartner sind vor Ort. Dass Mallorca als das "17. Bundesland" gilt, ist ja schon lange bekannt. Die deutschsprachige Community ist groß, und mir macht es immer Spaß, hier zu sein, weil ich viele Menschen treffe, mit denen ich auch geschäftlich aktiv bin.
MM: Letztens konnte man in einem YouTube-Podcast folgende Überschrift über Sie lesen: "Vom Schatten des berühmten Bruders Oliver Kahn zum Networker Nummer 1". Trifft das zu?
Kahn: Diese Überschrift wurde mir von den Medien gegeben, und ich habe sie mir marketingtechnisch zunutze gemacht. Aber ob ich der Networker Nummer 1, 2 oder 3 bin, ist völlig irrelevant. Viel entscheidender ist doch, welche Menschen man zusammenbringt und welchen Mehrwert man schafft. Und ja ... natürlich war und bin ich immer der Bruder von "Oliver". Aber das war kein Hindernis für mich, denn ich habe mir meine eigene Marke aufgebaut. Darüber handelt unter anderem auch mein Buch "Das Kahn-Gen".
MM: Ihr Buch erschien bereits 2019, Sie thematisieren darin auch den Zusammenhalt der Familie Kahn. Wie kam das Buch an?
Kahn: Das Buch hatte eine Auflage von 10.000 Exemplaren und war in kürzester Zeit ausverkauft, von daher bin ich zufrieden. Nur ein einziges Exemplar habe ich noch zu Hause.
MM: Würden Sie als Networking-Experte sagen, dass man auf der Insel leichter und schneller Kontakte küpfen kann als anderswo?
Kahn: Ja, absolut. Die Atmos-phäre auf Mallorca trägt dazu bei, dass man schneller ins Gespräch kommt. Die Menschen sind im Lifestyle-Modus, das Wetter ist gut, alle sind entspannter, sogar die Deutschen (schmunzelt). Das macht Networking einfacher. Ich habe 2017 und 2018 selbst zwei große Networking-Veranstaltungen in Port Adriano, die internationale Pixx-Lounge, veranstaltet, die sehr erfolgreich waren und von der Community sehr geschätzt wurden.
MM: Welche Entwicklung haben die Networking-Events auf der Insel in den vergangenen Jahren aus Ihrer Sicht durchlaufen?
Kahn: Es tut sich viel auf der Insel, und für Unternehmer wird viel geboten. Besonders positiv sind mir in dieser Hinsicht die Veranstaltungen rund um die Motorworld und den Mallorca Country Club aufgefallen. Doch auch Einzelpersonen wie der Promi-Butler Daniel Rudolf bieten Events an, in denen sich Hochkaräter und Business-Leute vernetzen können. In den vergangenen sieben Jahren ist viel passiert. Und das ist gut so, denn Netzwerken braucht Ausdauer. Nur wer dranbleibt, hat langfristig Erfolg.
MM: Sie sind in Deutschland als Keynote Speaker, Mentor und Moderator aktiv. Wie sieht ganz konkret Ihr beruflicher Alltag in München aus?
Kahn: In den letzten zwei Jahren habe ich mich stark auf Podcasts konzentriert, zu denen ich regelmäßig eingeladen werde. Zudem bin ich mit meinem Club online aktiv, vor allem auf Instagram und LinkedIn. Meinen Business Club, den „Fine Time Business Club”, habe ich vor zweieinhalb Jahren in München gegründet. In meinem Club will ich die energetisch Besten der besten Unternehmer zusammenbringen. Es sind Leute, die wirklich etwas bewegen wollen und keine oberflächliche Show abziehen ... das wollen und brauchen wir nicht. Ich hatte jahrelang auch ein eigenes Radio- und später TV-Format "Der helle KAHNSINN", was mir irre viel Spaß gemacht hat.
MM: Networking hat in anderen Ländern, vor allem in den USA, einen viel höheren Stellenwert – ist diese Einschätzung richtig? Sind Deutschland und Mallorca diesbezüglich etwa Nachzügler?
Kahn: Nein, das kann man so nicht sagen. Networking gibt es in Deutschland schon immer, es wird nur anders gelebt als zum Beispiel in den USA. Dort sind die Menschen offener, risikofreudiger, sie pushen sich gegenseitig. In Deutschland ist man zurückhaltender, sicherheitsorientierter. Was wir aber wieder brauchen, das sind mehr Macher, Menschen, die Initiative ergreifen und Risiken eingehen. Hier gilt das Motto "No risk, no result". Gerade in der aktuellen schwierigen wirtschaftlichen Situation brauchen wir Menschen, die anpacken, entwickeln und Verantwortung übernehmen.
MM: Sie sind Spross einer echten Fußballfamilie. Schon Ihr Vater Rolf Kahn war Bundesligaspieler, Ihr Bruder Oliver sogar dreifacher Weltklasse-Torwart. Liegt Fußball auch Ihnen im Blut?
Kahn: Definitiv! Unser Vater hat uns den Fußball eingeimpft. Ich selbst war Profifußballer in der zweiten Bundesliga beim KSC, habe später auch als Trainer gearbeitet. Fußball war lange mein Leben. Früher, Anfang 20, habe ich rückblickend mehr Luft in meinem Kopf gehabt, bevor ich an Business gedacht habe. Ich war nur darauf fokussiert, dieses Fußball-Dasein zu leben, eben Profi zu werden, was ich geschafft habe. Es war eine tolle Zeit, auch wenn mein Weg natürlich ein anderer war, und ich nicht so erfolgreich wurde wie mein Bruder.
MM: Und wenn Sie auf Mallorca sind, gehen Sie dann ab und an auch mal ins Estadi de Son Moix?
Kahn: Ich hatte zuletzt eine Einladung, konnte sie aber zeitlich leider nicht wahrnehmen. Das war sogar ein Spiel des RCD Mallorca gegen Real Madrid. Ich habe durch meinen Bruder, mit dem ich stets gereist bin, viele große Spiele weltweit erlebt ... von Madrid, Manchester über Barcelona bis Japan. Dort bei der WM 2002 war ich mit dabei. Das war eine besondere Zeit, aber es gibt eben auch ein Leben nach dem Fußball.
MM: Wie ist der Kontakt heute zu Oliver Kahn, Ihrem jüngeren Bruder?
Kahn:Sehr gut. Wir sehen uns regelmäßig und tauschen uns viel aus. Dabei geht es nicht nur um geschäftliche Themen, sondern auch um die Familie und Kinder. Unser Austausch ist sehr intensiv und spannend, nicht nur wegen unserer eigenen Geschichte.
MM: Über Oliver Kahn ist bekannt, dass er hier eine Immobilie besitzt. Wie sieht das bei Ihnen aus?
Kahn: Naja, sagen wir mal so, ich wohne hier auf der Insel auch ab und an.
MM: Was unternehmen Sie, wenn Sie auf Mallorca eintreffen?
Kahn: Meine erste Handlung, wenn ich auf Mallorca ankomme, ist, in mein Auto zu steigen und nach Puerto Portals zu fahren. Dort trinke ich einen Espresso Macchiato und esse Carrot Cake. Das ist seit fast 15 Jahren mein Ritual. Auch fahre ich gerne mit Freunden raus aufs Meer. Strand- und Beach-Urlaub ist nicht so mein Ding Ich halte mich auch gerne in guten Restaurants auf, wie im Mar de Nudos an der Meerespromenade in Palma . Am Ballermann bin ich übrigens noch niemals in meinem Leben gewesen.
MM: Sie haben 2024 geheiratet und wieder Vaterfreuden erleben dürfen, korrekt?
Kahn:Ja, meine Frau Sarah hat vor 18 Monaten unseren Sohn zur Welt gebracht. Meine ersten Kinder sind bereits 24 und 29 Jahre alt. Ich bin sehr dankbar, das noch einmal erleben zu dürfen.