Die Affäre rund um den verurteilten Sexualstraftäter zieht immer weitere Kreise: In den veröffentlichen Epstein-Akten ist auch die Insel Mallorca aufgetaucht. Wie die MM-Schwesterzeitung “Ultima Hora” berichtet, gibt es unter den Millionen von Dateien auch Belege für kurze Insel-Aufenthalte des Millionärs. Ein Fotoalbum aus dem Jahr 2004 dokumentiert einen Yachtbesuch vor Palma, vier Jahre später kam der Mann im Hotel Palas Atenea unter.
Zudem belegen die Epstein-Akten, dass der Mann einst Interesse an dem Anwesen s’Estaca in Valldemossa hatte, das schon damals dem Schauspieler Michael Douglas gehörte. 2016 stand die Immobilie zum Verkauf, und eine Reihe von E-Mails zeigt, dass Epstein zumindest über diese Investition nachdachte. Die Luxus-Immobilie gehört nach wie vor Michael Douglas.
Auch eine Deutsche involviert
Die Person, die sein Interesse an dem hochwertigen Anwesen im Tramuntana-Gebirge weckte, war Ariane de Rothschild, deutsche Baronin und Bankerin, Vorstandsvorsitzende der Edmond-de-Rothschild-Gruppe, die den Akten zufolge über Jahre hinweg freundschaftliche und geschäftliche Beziehungen zu dem Millionär unterhielt. Am 19. April 2016 schrieb sie ihm eine E-Mail in persönlichem Ton. Darin vertraute sie ihm an, dass sie über eine Scheidung von ihrem Partner nachdenke.
In einer Art Postskriptum fügte Ariane de Rothschild hinzu: „Zu deiner Information: Michael Douglas’ Haus auf Mallorca steht bei Sotheby’s zum Verkauf. Es ist eines der schönsten Anwesen, die ich im Mittelmeer gesehen habe.“ Es war nicht das erste Mal, dass sie über Immobiliengeschäfte auf der Insel sprachen. Einige Monate zuvor hatte Ariane de Rothschild Epstein von gesundheitlichen Problemen berichtet. Er machte ihr Mut und sagte, sie habe noch vieles im Leben vor sich. Ihre Antwort: „Und neue Bauprojekte … vielleicht in Palma de Mallorca?“
"Mach mal ein Foto von der Immobilie auf Mallorca"
Diese Nachricht weckte Epsteins Neugier. Im November 2016 schickte er einen Screenshot des Michael-Douglas-Anwesens: „Ich habe Michael Douglas’ Haus gefunden. Man schickt mir gerade die Details.“ Sie legte nach: „Es ist ein unglaubliches Haus aus dem 19. Jahrhundert und hat separate Villen für Gäste. Von exquisitem Geschmack – und das Beste: nicht ein einziger Nachbar.“ In einer weiteren E-Mail bat Epstein Rothschild: „Mach ein Foto von der Immobilie auf Mallorca.“ Aus dem Zusammenhang geht nicht hervor, ob er sich auf die in Valldemossa oder auf eine andere bezog. Auf diese Nachricht vom 4. November 2016 folgte zwischen beiden kein weiterer Austausch zu diesem Thema.
Mallorca taucht jedoch als möglicher Treffpunkt für ein persönliches Gespräch auf, bei dem Epstein sie in geschäftlichen Fragen und in dem Streit beraten sollte, den Ariane de Rothschild mit ihrer Schwiegermutter um die Unternehmensnachfolge führte: „Geh auf meine Insel, geh nach Turks- und Caicos, nach Griechenland oder nach Palma de Mallorca. Ich mache mir Sorgen, dass du dich zu sehr unter Druck setzt“, schrieb der Millionär.
Doch s’Estaca, das Luxus-Anwesen von Michael Douglas in Valldemossa, ließ Epstein nicht los. Zwei Jahre später führte er über den Gmail-Instant-Messenger ein Gespräch mit Miroslav Laják, dem ehemaligen slowakischen Außenminister, der nach dem Bekanntwerden seiner Nachrichten mit dem Millionär von mehreren Ämtern zurücktreten musste. Laják erzählte, ein Freund von ihm suche eine Immobilie auf den Bahamas. Epstein entgegnete, ein Bekannter von ihm „habe ein großes Anwesen in Spanien“. „Ich sage es meinem Freund, aber er interessiert sich für die Karibik.“ „Verstanden, aber du kannst ihn nach Michaels Haus auf Mallorca fragen.“
Sechs Jahre zuvor scheint Jeffrey Epsteins Immobilieninteresse bereits über Sóller geführt zu haben. Im April 2010 taucht eine weitergeleitete E-Mail auf, an der Terje Rød-Larsen beteiligt ist, ein norwegischer Diplomat, ehemaliger Minister und Schlüsselfigur der Oslo-Abkommen zwischen Palästina und Israel. In der Mail wird ein Aufenthalt in einem Hotel im Zentrum von Sóller erwähnt sowie der Kontakt zu einem deutschen Immobilienmakler vor Ort genannt. Auch hier fehlen weitere Hinweise, die den Kontext erklären oder zeigen würden, ob es tatsächlich zu einem Besuch der Insel kam.
Mehrfach auf Mallorca erscheint hingegen seine Komplizin und Partnerin Ghislaine Maxwell, die zu 20 Jahren Haft verurteilt wurde. Ihre Beziehung zur Insel reicht bis in die Kindheit zurück, mit Besuchen zusammen mit ihrem Vater, dem britischen Medienmagnaten Robert Maxwell. In den Nachrichten wird mehrfach erwähnt, dass sie sich auf der Insel aufhält oder plant, auf ihren Europareisen – die auch andere Ziele im Mittelmeer umfassen – dort Station zu machen. Unter den freigegebenen Dokumenten finden sich zudem weitere überraschende Belege, etwa eine Rechnung der Astilleros Mallorca für Wartungsarbeiten an einer Yacht.
Epstein lehnte ein Tennismatch mit Nadal ab
Epstein lehnte es ab, ein Tennismatch mit Rafa Nadal zu spielen. Im Jahr 2013 fand auf der Privatinsel von Richard Branson eine exklusive Benefizveranstaltung statt. Im Programm war – zum Preis von 13.000 Dollar pro Paar – ein mögliches Match mit dem Tennisstar vorgesehen, der als Hauptattraktion der Veranstaltung galt und an der sich auch die Stiftung des Spielers beteiligte. Epsteins Antwort war eine Absage: „Tennis interessiert mich nicht besonders“, begründete er seine Entscheidung. Er sagte jedoch zu, die Spendensammlung dennoch zu unterstützen.
Das Paket umfasste einen viertägigen Aufenthalt auf der Insel, ein Galadinner sowie eine Art luxuriöses All-inclusive-Angebot, an dem der Magnat letztlich nicht teilnahm. Ein noch exklusiveres Paket kostete 40.000 Euro pro Paar.
Epstein hatte jahrelang einen Missbrauchsring betrieben, dem zahlreiche junge Frauen und Minderjährige zum Opfer fielen. Er soll Minderjährige etwa in New York und Florida auch selbst missbraucht haben. 2008 wurde er erstmals als Sexualstraftäter verurteilt. Wegen eines umstrittenen Deals mit der Staatsanwaltschaft lautete die Strafe damals aber nur 18 Monate Gefängnis. 2019 wurde Epstein erneut festgenommen, unter anderem wurde ihm sexueller Missbrauch von Minderjährigen vorgeworfen. Rund einen Monat später wurde er tot in seiner New Yorker Gefängniszelle gefunden. Nach offiziellen Angaben nahm er sich das Leben.