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Sinnlich im Stadtpalast: Wie eine Argentinierin Mallorca mit Burlesque verzaubert

Die aus Salta stammende Tänzerin verbindet klassische Ausbildung, lateinamerikanische Einflüsse und Tanztherapie zu einem Konzept, das Weiblichkeit jenseits gängiger Schönheitsnormen feiert

Die Tanzlehrerin Leda Eliana Turitich in Palmas Altstadtpalast Can Balaguer | Foto: Patricia Lozano

| Mallorca |

Jede Woche verwandeln sich mehrere Räume im obersten Geschoss des alten Herrenhauses Can Balaguer im Herzen der Altstadt von Palma de Mallorca in ein Tanzstudio. Dort leitet Leda Eliana Turitich ihre Kurse und entführt die Teilnehmerinnen sinnlich in längst vergangene Jahrzehnte und Jahrhunderte. Die 49-jährige Argentinierin ist Tanztherapeutin und unterrichtet ihre spanischen, französischen, italienischen und deutschen Schülerinnen im erotisch anmutenden Burlesque-Tanz.

Die besondere Atmosphäre des um 1739 errichteten Altstadtpalasts verstärkt das Erlebnis. Während oben geprobt und getanzt wird, begegnen Besucher in den übrigen Stockwerken Gemälden mit religiösen Motiven, Porträts von Philosophen und historischen Einrichtungsstücken sowie einer Walcker-Orgel, die der frühere Hauseigentümer Josep Balaguer um 1930 erwarb. So trifft in dem historischen Gebäude kulturelles Erbe auf lebendige Bewegung, und Vergangenheit auf Gegenwart.

Turitich (v.) mit ihren Burlesque-Schülerinnen in typischer Kleidung. (Foto: privat)

In den Räumlichheiten, in denen Turitich jeweils am Donnerstag, Freitag und Samstag, ihre Übungsstunden anbietet, ist zudem der Sitz des Kunstvereins "Círculo de Bellas Artes" untergebracht. Hier findet man Kleidungsstücke und Accesoires, die von den Burlesque-Damen genutzt werden können – wobei auffallend die Farben rot und schwarz dominieren. Typisch bei dem sinnlichen Tanz sind etwa High-Heels, lange Handschuhe, Federboas, Korsagen, Netzstrumpfhosen und Federfächer.

Theatrale Satire, Varietéshows und Cabaret des 19. Jahrhunderts

Turitich erklärt: "Burlesque wurde in Deutschland und international durch Filmstars wie Marlene Dietrich oder Marilyn Monroe bekannt. Sie beherrschten ästhetische Variationen dieses Tanzes, auch wenn sie keine klassischen Varieté-Tänzerinnen waren." Doch sei diese Tanzform eben nich nur Bühnenstars oder Filmdiven vorbehalten, so die Expertin. "Dieser verführerische Tanz ist für jede Frau gedacht, auch für jene mit Alltag, Job, und Familie. Und man braucht dafür keinen perfekten Körper oder Vorerfahrung." Der Burlesque-Tanz habe seine Wurzeln im 19. Jahrhundert, so die Expertin ferner, wo er zunächst in Italien aufgeführt wurde. Später konnte man die Tanzform in Frankreich, etwa im Moulin Rouge in Paris, sehen. Auch wurde diese Kunstform im parodistischen Theater in Großbritannien und in Berlin aufgegriffen. "Diese vergnügliche Performance hatte oft auch eine politische und satirische Komponente, griff Tabus auf und verspottete Macht, Heuchelei sowie gesellschaftliche Zwänge", so Turitich. In Varieté-Shows konnten Frauen dabei zugleich ihren eigenen Körper feiern, losgelöst von gängigen Schönheitsnormen.

Vor 20 Jahren kam Turitich aus Südamerika auf die Baleareninsel und baute als alleinerziehende Mutter dreier Kinder ihre eigene Tanzschule auf. Das Tanzen liege ihr, wie sie erklärt, im Blut, doch erst in späteren Jahren kam sie mit der sinnlich-satirischen Bühnenkunst in Berührung. "Ich stamme aus Salta im Nordwesten Argentiniens und habe mit sieben Jahren eine klassische Ballettausbildung begonnen. Später lernte ich Tango, Flamenco, Jazz Dance und verschiedene lateinamerikanische Tänze." Die Region, in der sie aufgewachsen war, sei sehr naturverbunden, und die Bevölkerung trage starke indigene Einflüsse in sich. Daher sei den Einheimischen die Verbindung zu Pachamama, was im Quechua "Mutter Erde" oder "Weltmutter" bedeutet, besonders wichtig. Auch das beeinflusse ihren Tanzstil und verleihe ihm eine besonders feminine Note.

Turitich, die zudem einen tanztherapeutischen Hintergrund hat, entwickelte eine besondere Form der sinnlich-satirischen Bühnenkunst namens "Venus-Tanz". In fünf Schritten entdecken ihre Schülerinnen auf dieser Tanzreise – in Form von "fünf getanzten Rosen" – ihre eigene Weiblichkeit.

"Viele Frauen, vor allem in Zeiten von Social Media, haben ein angespanntes Verhältnis zu ihrem Körper oder ihrer Sexualität. Ich möchte ihnen wieder einen gesunden und bewussten Zugang zu sich selbst vermitteln", erklärt die Therapeutin. Deshalb wird einmal pro Woche auch die Stimme als Ausdrucksmittel in den Tanz integriert, um das Erlebnis noch intensiver zu gestalten.

Mit ihren Schülerinnen probt die Argentinierin momentan intensiv für ein ganz besonderes Ereignis, wie sie mit Vorfreude berichtet: "Am 21. März veranstalten wir um 17 Uhr einen Maskenball zu Beginn des Frühlings. Bei der Vorführung zeigen einige Tänzerinnen ihr Können." (Anmeldungen per E-Mail an: teatroleda@gmail.com). Reservierungen für die Veranstaltung werden zum Preis von 20 Euro entgegengenommen.

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