Die Inselhauptstadt ist das neue Klassenzimmer für die zertifizierte Sprachlehrerin Pia Ferrer. Sie ist davon überzeugt, dass Spanischlernen gar nicht so schwer ist. Man müsse nur wissen, wie es den Schülern am meisten Freude bereite.
In ihrer Schule "SpanishByLiving" stehen daher keine klassischen Schulbänke im Mittelpunkt, sondern Erlebnisse: Gemeinsam wird gekocht, gewandert, getöpfert oder bei Sonnenuntergang auf einer Llaüt über das Meer gesegelt – oder, wie am vergangenen Wochenende, Palma bei einer geführten Stadttour erkundet. Einzelstunden bietet sie natürlich auch, gerne in einem Café, ab 32 Euro für 60 Minuten.
Nicht nur Grammatik pauken
"Meine Kurse drehen sich nicht nur um Grammatikregeln. Ich lasse die Teilnehmer in die spanische Sprache und Welt eintauchen", erklärt die in Andratx wohnende Frau. Eine Sprache müsse erlebt, nicht erlernt werden.
An der Plaça de la Reina versammelte sich eine rund 15-köpfige Gruppe. Die Teilnehmer kamen aus den Niederlanden, Frankreich, England, den USA, der Schweiz und Deutschland. Zur Unterstützung verteilte Ferrer Arbeitsblätter mit Vokabeln und Texte zur Stadtgeschichte.
Eine Sprache muss erlebt werden
Xisco Marquès, Historiker und Stadtführer, leitete die Gruppe von der Kathedrale durch Palmas Gässchen bis zur Seehandelsbörse La Lonja. Das Besondere: Marquès sprach langsam, versicherte sich, dass jeder alles verstanden hatte, und erklärte historische Details.
Besonders anschaulich wurde es an der Fassade der Kathedrale: Dort wies Marquès auf die grimmig dreinschauenden Wasserspeier hin, die bei Regen aus ihren Mäulern das Nass hinausschleudern. Die sogenannten "Gargoyles" beschützen aus religiös-symbolischer Sicht die La Seu nicht nur vor bösen Geistern. Zugleich leiten die stummen Dämonen auch Regenwasser von den Mauern ab, um die Bausubstanz vor Schäden zu schützen.
Auch die Teilnehmer waren begeistert
Vor allem die auf Mallorca lebende Schweizerin Catherine Howaldt zeigte sich angetan. Sie nimmt bei Ferrer dreimal pro Woche Spanischunterricht. Dass die Tour unterhaltsam und lehrreich zugleich war, verwunderte sie nicht: "Sobald jemand etwas nicht verstand, hatte Pia es erklärt".
Ähnlich denkt Gabriele Sons, die jährlich mehrere Monate auf der Insel verbringt: "Es ist toll, dass Pia mit ihren Inhalten so nah am Alltag dran ist. Ich kann hier mehr lernen als in einem Schulbuch und die Sprache besser anwenden".
Neben "SpanishByLiving" setzen auch andere Anbieter auf alternative Lernkonzepte, die sich bewusst vom klassischen Frontalunterricht abgrenzen – vom Vokabelkino bis zu Social-Media-Formaten. Muttersprachler Juan Aguirre bietet maßgeschneiderte Einzelstunden an, das Alpha-Institut setzt auf Superlearning. Auch Kurzvideos auf Plattformen wie YouTube, etwa "Vamos Español", vermitteln Spanisch auf visuelle und auditive Weise.