Folgen Sie uns F Y T I R

Mit 51 nach Mallorca: Warum sie ihren Vater gleich mitnahm

Erst war da Skepsis gegenüber der "Partyinsel". Dann kam der radikale Neuanfang – und ein neues Leben

Alexandra Kobler wollte nach Mallorca auswandern. Ihren Vater Franz Josef Kobler nahm sie gleich mit | Foto: ans

| Pollença, Mallorca |

Das Mittelmeer hing lange an ihrer Wand, bevor sie es vor der Haustür hatte. Ein großes Gemälde, seit Studentenzeiten im Schlafzimmer. Es begleitete sie in sieben Länder, in denen sie jeweils längere Zeit lebte: Kanada, Costa Rica, Südafrika, Ghana, Österreich, Schweiz und natürlich Deutschland.

"Egal wo, ich habe das Bild jeden Tag angeschaut", sagt Alexandra Kobler. "Und vor rund drei Jahren war ich in Deutschland an einem Punkt in meinem Leben, an dem ich wusste: Eigentlich willst du zwei Sachen vom Leben — mehr und Meer."

Lebensgefährte und Unternehmen aufgegeben

Doch Kobler hatte ein Unternehmen und einen Lebensgefährten. "Es kriselte überall — beruflich und in der Beziehung. Aus Angst vor der Zukunft war ich wie gefangen." Die einzige Lösung: sich diesen Situationen stellen und neu anfangen. 2022 kam dann der klare Schnitt. "Ich schloss meine Firma, trennte mich von meinem Partner. Nur mein Hund ,Emma’ blieb bei mir", erzählt die 
51-Jährige. "Ich fühlte mich emotional vogelfrei, weil ich mich von meinen Altlasten getrennt hatte."

Das Einzige, was Kobler noch zu einem ganz neuen Leben fehlte, war der Ortswechsel. „Ich wusste nur, es sollte irgendwo am Mittelmeer sein”, erinnert sie sich. Aber wohin genau?

Nach Mallorca wollte sie nie

Ein Freund lebte seit 2015 an der Costa d’en Blanes und schlug ihr Mallorca vor. "Mallorca?! Diese von Deutschen nahezu besetzte und durch ihre Exzesse bekannte Insel? Da wollte ich ganz bestimmt nicht hin", sagt Kobler und grinst. Der Freund blieb hartnäckig und lud sie zu sich ein. "Meine voreingenommene Meinung änderte sich schnell. Die Insel verzauberte mich förmlich."

Nicht ohne meinen Vater

Das Einzige, was sie noch bremste, war ihr Vater, zu dem sie eine besondere Bindung hat. "Bei meinen früheren Auslandsaufenthalten wusste ich immer, dass ich irgendwann zurück nach Deutschland wollte." Dieses Mal war sie sich sicher, dass sie ihr Geburtsland dauerhaft verlassen wollte. Also erzählte sie Papa von ihren Plänen, fügte jedoch hinzu: "Ich gehe nicht ohne dich. Wenn du hierbleibst, wandere ich nicht aus."

Alexandra Kobler wollte nach Mallorca auswandern. Ihren Vater Franz Josef Kobler nahm sie gleich mit.

Der ehemalige Marketingleiter und zweifache Deutsche Meister im Radrennen, Franz Josef Kobler, war einverstanden, und die Ereignisse überschlugen sich. Drei Monate später standen die Möbel auf Mallorca. Ihr Vater, zum ersten Mal in seinem Leben auf der Insel, wohnte zunächst in Andratx. Kobler zog bei ihrem Freund an der Costa d’en Blanes ein und setzte ihre Arbeit als Coachin und Unternehmensberaterin online sowie international fort. "Ich zeige Menschen, wie sie – genau wie ich damals – ihre Ängste übewinden und so zu mehr Klarheit, Erfolg und nachhaltiger Leistungsfähigkeit gelangen."

Sie suchte das unverbaute Mallorca und wurde in Pollença fündig

Vom Südwesten aus suchte Kobler zwei Anwesen, die nicht weit voneinander entfernt liegen. Obwohl sie mit ihrem Vater täglich Kontakt hat, kam ein Zusammenleben nicht infrage — beide seien sehr autonom. "Es war schwierig, einen Ort zu finden. Vieles war mir zu deutsch." Orte wie Calvià oder Santa Ponsa kamen für sie nicht infrage. "Ich suchte das ursprüngliche, natürliche und unverbaute Mallorca." Nach einigen Stationen, in denen sie sich nicht wohlfühlte, zog sie 2025 auf eine Finca in Pollença, ihr Vater auf ein Grundstück in Alcúdia.

Inzwischen sitzt Kobler auf ihrer Terrasse der rustikalen Finca und blickt auf die Berge. Die warme Februarsonne liegt über den Hügeln und schimmert in den Palmzweigen. Labrador "Emma" liegt nah bei ihr oder tollt ausgelassen durch den Garten. Die 51-Jährige atmet tief ein und genießt die klare Luft. Vor ihr der Laptop, daneben ein Glas Wasser. Und ihr Vater? "Arbeitet auch von zu Hause und vermittelt Immobilien in Dubai."

Viele Deutsche wollen nur deutsche Standards unter der Sonne Mallorcas

Beide sind glücklich mit ihrer Entscheidung. "Hier spüre ich Mallorca. Grüner, traditioneller. So habe ich es mir vorgestellt." Auch mit den Einheimischen fühlt sie sich wohl und hat enge Freundschaften geschlossen. Die Mentalität ist ungewohnt. "Wenn du es mit Leichtigkeit siehst, wie ich, hat es Charme. Wenn nicht, kannst du dich richtig stressen." Kobler berichtet von deutschen Auswanderern, die Probleme haben, sich auf Mallorca zu integrieren. "Bei ihnen hat die Heimat nur das Land, nicht das Herz gewechselt. Sie erwarten deutsche Standards unter der Sonne Mallorcas und mehr Lebensqualität."

Wenn man sich auf die Einheimischen einlässt, gewinnt man Freunde fürs Leben. "Sie bringen mir Orangen und Zitronen, sogar ihr Wasser aus der eigenen Quelle. Für die Mallorquiner ist das selbstverständlich."

Ob sie nun für immer bleibt, lässt Kobler offen. "Mein Vater möchte bleiben." Sie habe es jedoch schon immer in viele Länder gezogen. Heimat sei für sie an keinen festen Ort gebunden. „Zu Hause ist bei mir im Herzen. Und das fühlt sich hier gerade sehr wohl." Und ihr Bild vom Mittelmeer? Das hat sie jetzt nicht nur an der Wand hängen, sondern direkt vor der Tür.

Zum Thema
Meistgelesen