Für Nina Kristin waren es nach eigenen Angaben die schrecklichsten Minuten ihres Lebens – und noch immer, rund anderthalb Jahre nach der sexuellen Attacke auf Mallorca, sitzen Angst und Panik tief. Die Schauspielerin, die früher auch als Model arbeitete und unter anderem in den Männermagazinen Playboy und Penthouse erschien, hat sich vor einiger Zeit ihren ihren Mallorca-Traum erfüllt. Heute ist sie dort als Unternehmerin tätig und vermietet ihr pinkfarbenes Boot Covergirl stundenweise samt Skipper an Influencerinnen und andere Interessierte. Ein rundum perfektes Leben im Mittelmeer – so scheint es. Doch in diesem vermeintlichen Inselparadies erlebte sie einen Albtraum, der sich gleich an zwei zeitlich eng aufeinanderfolgenden Tagen abspielte.
"Es war der 15. September 2024, ich kam nach einer Fahrradtour erschöpft nach Hause", schildert sie im Telefonat. Als sie später in einem offenen Areal noch etwas erledigen wollte, sei ein etwa 40 Jahre alter Mann mit kräftiger Statur auf sie zugerannt und habe sie von hinten gepackt. "Er griff mich fest an den Oberarmen, zog mich an sich, leckte mir den Hals und stöhnte dabei", berichtet die heute 43-Jährige. Der sexuelle Übergriff habe sie völlig unvorbereitet getroffen. Obwohl in dem Areal Überwachungskameras installiert gewesen seien, habe sie zunächst nicht reagiert. "Ich war wie in einer Todesstarre und über Stunden und Tage nicht einmal in der Lage, die Polizei zu verständigen. Ich habe mich komplett zurückgezogen", erinnert sich Kristin.
Nina Kristin kannte den Täter aus einer rein geschäftlichen Beziehung
Doch es kam noch schlimmer: Der mutmaßliche Täter, den Kristin aus einer Geschäftsbeziehung kannte, habe sie zwei Tage später erneut angegriffen. "Er hat mir aufgelauert, sprang mir in den Rücken und zog mich an sich heran." Beim zweiten Mal gelang es ihr jedoch, sich aus dem Griff zu befreien. Sie lief davon und schrie: "Tell him not to touch my body", bevor sie einen Nervenzusammenbruch erlitt und auf einem öffentlichen Gelände liegen blieb. "Eine Frau hat mich später gefunden, mir jedoch nicht geglaubt und mich der Lüge bezichtigt", beschreibt Kristin ihre damalige Situation.
Der Angeklagte bei der Anhörung im Gericht von Palma. (Foto: Juan P. Martínez)
Auch nach dem zweiten Vorfall habe sie sich in einer Schockstarre befunden und nicht die Polizei rufen können. Dennoch gelang es ihr schließlich, Hilfe zu organisieren: Sie rief ihren Vater an, der einen Anwalt auf Mallorca einschaltete. "Ich habe stundenlang am ganzen Körper gezittert und war fast handlungsunfähig", so Kristin.
Am 24. März 2026 kam es schließlich zur Anklage vor dem Strafgericht in Palma, und der mutmaßliche Täter wurde zu einer Haftstrafe von einem Jahr und drei Monaten verurteilt – das Urteil ist jedoch noch nicht rechtskräftig. Darüber hinaus wurde ihm gerichtlich ein Annäherungsverbot auferlegt, sodass er einen Mindestabstand von 500 Metern zu Nina Kristin Fiutak einhalten muss. Die Überwachungskameras haben die Tat selbst nicht aufgezeichnet. Allerdings konnte mithilfe von Aufnahmen belegt werden, dass sich der Mann südamerikanischer Herkunft, der bereits vorbestraft ist, häufig und über längere Zeit in dem betreffenden Areal aufgehalten hat.
Kristin erklärte zudem, den mutmaßlichen Täter aus einer geschäftlichen Beziehung gekannt zu haben. "Unser Kontakt war rein geschäftlich, ohne jeglichen privaten Bezug – schließlich spreche ich kein Spanisch." Dass er zu einer solchen Tat fähig sein könnte, habe sie nie vermutet. "Ich gehe davon aus, dass er im Internet Nacktfotos von mir gefunden hat und dachte: Sie ist in Deutschland bekannt und zeigt sich freizügig – also ist das ein Freifahrtschein." Die Unternehmerin ist überzeugt, dass der Täter ihr gezielt aufgelauert und die Tat geplant habe.
Nina Kristin vermietet ihr Boot "Covergirl" stundenweise an Influencer und Nautikliebhaber. (Foto Instagram @nina__kristin)
"Das vergangene Jahr war für mich die Hölle", erklärt Kristin. "Ich bin kaum rausgegangen, war auf keinen Veranstaltungen und habe mich sogar für das geschämt, was mir passiert ist." Zeitweise habe sie darüber nachgedacht, ihr Geschäft auf Mallorca aufzugeben und nach Deutschland zurückzukehren. Inzwischen beginne sie jedoch, sich ihr Leben Schritt für Schritt zurückzuerobern: "Nun kann ich langsam wieder anfangen, mein Leben in Freiheit zu leben."
Was ihr widerfahren ist, teilte sie auch auf Instagram, wo ihr rund 34.000 Menschen folgen. Daraufhin erhielt sie viel Zuspruch, insbesondere von Frauen aus Deutschland. Kristin ordnet ihren Fall in eine größere gesellschaftliche Debatte ein: Angestoßen unter anderem durch Fälle wie den von Collien Fernandes und den Missbrauch durch Deepfake-Videos werde zunehmend über den Schutz von Frauen diskutiert. "Ob Frauen in Spanien tatsächlich besser geschützt sind, kann ich nicht sagen. Ich weiß nicht, wie deutsche Gerichte in meinem Fall entschieden hätten", gibt sie zu bedenken. "Fest steht für mich: Männer sind Frauen körperlich oft überlegen – deshalb müssen Frauen noch besser geschützt werden."