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Inselsekt darf nicht Cava heißen

Mallorca ist nur ein kleiner, aber engagierter Sekt-Produzent

José "Pepe" Roses, Urenkel des Bodegagründers José L. Ferrer in Binissalem, bei der Kontrolle der Flaschengärung am Rüttelpult. Die Schaumweine, ein roter und ein weißer, liegen im eigenen Verkaufsladen preislich bei zehn bis zwölf Euro. | Foto: Patricia Lozano

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Nix Cava, nix Sekt, nix Champagner - Schaumweine, die auf der Insel hergestellt werden, dürfen sich aus rechtlichen Gründen nicht nach ihren großen Vorbildern vom Festland benennen. Wer hier perligen Wein abfüllt, muss im Kleingedruckten den Begriff "vino espumoso" oder Katalanisch "vi escumós" schreiben. Das klingt natürlich nicht so vornehm, aber was zählt, ist ja vor allem der Inhalt.

"In unserem Sprachgebrauch nennen wir den Schaumwein ,brut'", sagt Pepe Roses, Betriebsleiter der Bodega José L. Ferrer in Binissalem, und damit größter Sekthersteller auf der Insel. In nur wenigen Jahren hat der Familienbetrieb, der 2011 sein 80-jähriges Bestehen feierte, die Produktion ausgebaut. Erstmals perlten die zweifach fermentierten Weine 1999 im Glas. 2006 lag die Produktion bei 12.000 Flaschen. In diesem Jahr kommen 18.000 Flaschen auf den Markt, davon 10.000 als Sekt-Rosé, den es erst seit 2006 gibt.

Das Geheimnis hinter der Farbe ist eine Cuvée aus verschiedenen Rotweinsorten wie Tempranillo, Cabernet, Mantonegro und Syrah.

"Vor wenigen Jahren wurden roséfarbene Schaumweine Mode. Wir wagten ein Experiment und waren mit unserem ,Brut Veritas Rosé' so zufrieden, dass wir ihn beibehielten."

Der erste Inselwinzer, der sich jemals an die Zubereitung eines roten Sekts herangewagt hatte, war Toni Ramis vom Weingut Ramanyà bei Santa Maria. Sein roter Edeltropfen "Brut Goig" erblickte 2005 das Licht der Welt. "Wir wollten von Anfang an etwas ganz Besonderes machen und gleichzeitig auf unsere heimische Rebsorte Mantonegro setzen", erinnert sich Ramis. Im ersten Jahr wurden 1500 Flaschen abgefüllt. Aus diesen Anfängen entwickelte sich eine Jahresproduktion von 10.000 Flaschen sowie zusätzlich 4000 Flaschen eines weißen Schaumweins. "Der Deutsche trinkt lieber Rosé, der Mallorquiner greift zu weißem Sekt", hat Ramis bei seinen Kunden beobachtet.

Die geringen Produktionszahlen machen ungeachtet des Zuwachses deutlich, dass Mallorca kein traditionelles Anbaugebiet für Schaumweine ist. Der Unterschied zu Katalonien fällt ins Auge. Insbesondere die Anbauregion um das Örtchen Sant Sadurní d'Anoia bei Barcelona ist die "Cava"-Region schlechthin. Dort haben bekannte Sektkellereien wie Freixenet und Codorníu ihren Sitz. Jene Produzenten haben Spanien in den vergangenen Jahren zu einem der größten Schaumweinproduzenten und -exporteure in Europa aufsteigen lassen.

Und selbst im eignen Land wächst die Lust auf den "Champán", wie Spanier Champagner zu sagen pflegen. Krise hin oder her: Allein in diesen Festtagen lassen die Spanier 37 Millionen Korken knallen. Das sind nach Angaben des Regulierungsrates für Cava eine Million Flaschen mehr als im Vorjahr.

Es ist durchaus wahrscheinlich, dass angesichts dieser Tendenzen die Produktion von Inselsekt in den kommenden Jahren steigen wird. Vorreiter war 1992 der Winzer-Rebell Jaume Mesquida in Porreres. (Allerdings haben seine Kinder bei der Betriebsübernahme die Schaumwein-Herstellung eingestellt.)

Auch die große Kellerei im Inselosten, Pere Seda, füllt kleinere Mengen Sekt ab. Das Weingut Castell Miquel bei Alaró, in deutschem Besitz, widmet sich seit 2007 ebenfalls der Sektherstellung. Hier wartet Betriebsleiter Thomas Wambsganss mit einer Rarität auf: ein weiß ausgebauter Syrah, der prompt prämiert wurde.

 

 

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